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Unsere Sicht

Negativemissionen für Netto-Null

von Katja Dombrowski

Meinung

Solarpark in Soroti östlich von Ugandas Hauptstadt Kampala.

Solarpark in Soroti östlich von Ugandas Hauptstadt Kampala.

„Wann, wenn nicht jetzt?“ lautet ein Motto der Klimabewegung. Und die Wissenschaft gibt ihr recht: Es ist allerhöchste Zeit zu handeln. Das Ziel aus dem 2015 beschlossenen Pariser Klimavertrag, die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ist noch zu erreichen. Aber nur mit sofortigen, weitreichenden Maßnahmen.

Bisher ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre – trotz Paris und aller politischen Bekenntnisse zum Klimaschutz – stetig gestiegen. Die Corona-Pandemie hat lediglich für ein kurzzeitiges Abflachen der Kurve gesorgt.

2021 gilt als entscheidendes Jahr für den Klimaschutz, denn im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP26 im November müssen die Vertragsstaaten des Pariser Abkommens ihre nationalen Beiträge (Nationally Determined Contributions – NDCs) nachschärfen. Bisher reichen sie bei weitem nicht aus, um die Vereinbarungen von vor sechs Jahren zu erfüllen. Die neuen Ziele, die die NDCs definieren, sind ausschlaggebend für den Kurs, den die Weltgemeinschaft bezüglich der weiteren Erderhitzung einschlägt. Natürlich sind Ziele allein nicht genug – die Verantwortlichen, also vor allem Regierende, müssen auch dafür sorgen, dass sie erreicht werden.

Ein gutes Zeichen ist, dass immer mehr Staaten sich Klimaneutralität vornehmen, darunter die weltgrößten Verursacher von Treibhausgasen, China (Zieljahr 2060) und die USA (Zieljahr 2050). Auch die EU will Mitte des Jahrhunderts Netto-Null-Emissionen erreichen. Aus Indien, Platz drei auf der Liste, kommen Signale, ebenfalls 2050 anzuvisieren, und selbst Russland, viertgrößter Emittent und in Sachen Klimaschutz als Bremser verschrien, arbeitet an einer Strategie für eine klimaneutrale soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Klimaneutralität erreicht hat bislang nur ein kleines Entwicklungsland: Bhutan.

Nötig wäre, dass alle Länder darauf hinarbeiten und dass sie sich Ziele setzen, die nicht erst in weiter Ferne von Jahrzehnten liegen. Experten halten viel ambitioniertere Minderungsziele schon für 2030 für nötig. Mehrere Staaten haben kürzlich auf einem von US-Präsident Joe Biden einberufenen Klimagipfel für diesen Zeithorizont höhere Ziele als bisher angekündigt, darunter die USA selbst, Kanada und Japan. Kurz zuvor hatten auch schon die EU und Britannien – unabhängig voneinander – stärkere CO2-Reduktionen für 2030 bzw. 2035 beschlossen. Aber auch das ist nicht genug, um die Pariser Ziele zu erreichen.

Zudem brauchen arme Länder und solche, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, mehr Unterstützung. Vielen fehlen das nötige Know-how, die besten verfügbaren Technologien und Geld für die Umsetzung. Hier müssen die Industrieländer mehr tun, Zusagen einhalten und zugleich Vorbilder und verlässliche Partner sein – schon aus eigenem Interesse.

Klar ist auch: Netto-Null funktioniert nicht ohne Negativemissionen – CO2 muss aus der Atmosphäre zurückgeholt und permanent gespeichert werden. Die Weltgemeinschaft wird nämlich auf jeden Fall das für das 1,5-Grad-Ziel verbleibende CO2-Budget überschreiten. Zudem werden sich gewisse Restemissionen aus der Landwirtschaft und industriellen Prozessen nie völlig vermeiden lassen. Technologien wie Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) sind zwar umstritten – aber sie sind mittlerweile unverzichtbar. Großanlagen sind etwa in Island, Norwegen und den USA im Bau. Ein Ersatz für ambitionierten Klimaschutz in allen Bereichen ist das allerdings nicht. An der globalen Transformation zur Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei.


Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
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