D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

- keine -

Runderneuertes Standardwerk

Tobias Debiel, Dirk Messner, Franz Nuscheler (Hg.): Globale Trends 2007. Frieden, Entwicklung, Umwelt. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2006, 416 S., 14,95 Euro, ISBN 3-596-17174-1

Der jüngste Band der „Globalen Trends“ hat ein neues Herausgeberteam: Statt des früheren SPD-Entwicklungspolitikers Ingomar Hauchler ist nun Tobias Debiel, der Direktor des Duisburger Instituts für Entwicklung und Frieden, für dieses Standardwerk mitverantwortlich. Der Band hält das hohe inhaltliche Niveau der vergangenen Ausgaben. Bemerkenswert sind gleichermaßen deutliche wie gut begründete politische Stellungnahmen. Zum Beispiel ist das Fazit von Jochen Hipplers Beitrag zum internationalen Terrorismus von erfreulicher Unaufgeregtheit. Das Kapitel von Götz Neuneck über die Verbreitung und Kontrolle von Massenvernichtungswaffen beschränkt sich nicht auf wohlfeile Vorwürfe an Nordkorea und den Iran, sondern behandelt auch die Kontrolle von biologischen und chemischen Waffen sowie die rüstungspolitische Rolle Pakistans. Dieser Teil schließt mit einem beunruhigenden Hinweis: Ein Treffen ehemaliger pakistanischer Nuklearwissenschaftler mit Al-Kaida lasse „befürchten, dass auch Terroristen von dem nuklearen Know-how in Pakistan profitieren könnten“.

Die Beiträge weisen auf nüchterne und unpolemische Weise auf unbequeme politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungen hin. Wer sich von der wissenschaftlichen und manchmal etwas langatmigen Sprache nicht abschrecken lässt, wird in den meisten Artikeln für die Lektüre reichlich belohnt. Daran ändern auch einige weniger gelungene Passagen nichts – zum Beispiel dass Raimund Bleischwitz sein Unterkapitel „Rohstoffreichtum – Fluch oder Segen für Entwicklungsländer?“ mit einem Ländervergleich zwischen Nigeria und Norwegen abschließt. Zum einen ist Norwegen kein Entwicklungsland. Zum anderen ist offen, ob der von Bleischwitz empfohlene Aufbau einer petrochemischen Industrie mit Hilfe der Öleinnahmen eine gute Strategie zur Armutsbekämpfung wäre. Dass Nigeria kaum in die Landwirtschaft investiert hat, stimmt zudem nicht – so wurden zahlreiche Staudämme gebaut. Die Investitionen waren allerdings unangemessen und die von den Briten übernommene Exportorientierung wegen des Preisverfalls für Agrargüter verfehlt.

Die Gestaltung des Buches ist verbessert worden: Der mittlerweile achte Band der Reihe hat ein etwas größeres Format als die früheren, was den zahlreichen Tabellen und Graphiken guttut. Das Inhaltsverzeichnis wirkt weniger formal und verweist stärker auf Thesen und aktuelle Entwicklungen. Das Buch vermittelt grundlegende Hintergrundinformationen an ein vergleichsweise großes Publikum und lässt sich auch gut als Einstieg für tiefere Recherchen nutzen.

Uwe Kerkow