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Kambodscha

Waisenhaustourismus in der Kritik

von Katja Dombrowski

In Kürze

Orphanage children serve as tourist attractions

Orphanage children serve as tourist attractions

Ein Waisenhaus in Kambodscha zu betreiben, ist ein lukratives Geschäft. Ausländische Besucher spenden viel Geld für das, was sie als guten Zweck ansehen.

Bei vielen organisierten Reisen nach Kambodscha sowie bei Tagestouren steht der Besuch eines Waisenhauses auf dem Programm. Zudem arbeiten zahlreiche junge Leute aus westlichen Ländern freiwillig für eine gewisse Zeit in einer solchen Einrichtung. Fast alle Waisenhäuser in dem südostasiatischen Land finanzieren sich durch ausländische Organisationen oder Einzelspenden.

Nach Angaben von UNICEF haben drei Viertel der angeblichen Waisen in Kambodschas Einrichtungen mindestens noch ein Elternteil. Die Zahl der Waisen unter 15 Jahren ist in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Zudem wachsen elternlose Kinder in Kambodscha traditionell bei Verwandten auf. Eine derartige Familienunterbringung hat sich als beste Variante für die Kinder erwiesen, wie UNICEF und das kambodschanische Sozialministerium in einer 2011 veröffentlichten Studie schreiben. Dennoch hat sich die Zahl der Waisenhäuser in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Es gibt Hunderte solcher Einrichtungen im Land. Waisenhaustourismus ist in mehrerer Hinsicht problematisch. Laut der Nichtregierungsorganisation (NGO) Friends-International treten Kinder heutzutage regel­mäßig mit der Bitte an Touristen heran, ihr Waisenhaus zu besuchen. Normalerweise gibt es dort eine Tanzaufführung oder Ähnliches, verbunden mit der Bitte um eine Spende. Laut Friends-Inter­national gestalten manche Waisenhausleiter die Lebensbe­dingungen für die Kinder absichtlich schlecht, um den Spenden­anreiz zu vergrößern.

Auch Freiwillige, die für ein paar Wochen oder Monate in einer Einrichtung mitarbeiten, sind Teil des Waisenhaustourismus. Experten lehnen diese Art von „Voluntourismus“ strikt ab. Ein Grund dafür ist die Ausbeutung von Kindern – auch sexueller Art. Laut Friends-International ergreifen viele Waisenhausbetreiber keinerlei Maßnahmen zum Schutz der Kinder und überprüfen beispielsweise den Hintergrund der Freiwilligen nicht. „Die Kinder sind dadurch Misshandlung und Missbrauch ausgesetzt“, kritisiert die NGO.

Nicht nur Besucher, auch Angestellte stellen eine potenzielle Bedrohung dar. UNICEF und das Sozialministerium fanden für ihre Studie heraus, dass Betreuer oft im selben Raum oder sogar im selben Bett mit Kindern schlafen. Missbrauch wird dadurch leicht möglich. Ein Gericht in Phnom Penh hat im vergangenen Jahr den US-amerikanischen Leiter eines christlichen Waisenhauses zu einem Jahr Haft verurteilt, weil er fünf minderjährige kambodschanische Jungen in seiner Obhut missbraucht hat. Dies ist nicht der einzige publik gewordene Fall. Die meisten Missbrauchsfälle bleiben jedoch vermutlich unentdeckt.

Die große Mehrheit der Touristen kommt nicht nach Kambodscha, um Kinder zu missbrauchen. Trotzdem tragen manche unabsichtlich zu einem ausbeuterischen System bei. (kd)

Link:
Kampagne gegen Waisenhaustourismus:

http://www.thinkchildsafe.org/­thinkbeforevisiting/index.html
Studie von UNICEF und dem kambodschanischen Sozialministerium:
http://www.thinkchildsafe.org/thinkbeforedonating/wp-content/uploads/With-The-Best-Intentions-UNICEF-and-Ministry-Of-Social-Affairs-Of-Cambodia.pdf

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