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Unternehmertum

Zukunftsfähigkeit sichern

von Ifeyinwa Ugochukwu

Hintergrund

Ifeyinwa Ugochukwu 2019 mit afrikanischen Unternehmensgründern beim Forum der Tony-Elumelu-Stiftung.

Ifeyinwa Ugochukwu 2019 mit afrikanischen Unternehmensgründern beim Forum der Tony-Elumelu-Stiftung.

Die bekanntesten Unternehmen der Welt sind dank guter Ideen, harter Arbeit und der Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen entstanden. Natürlich spielt auch Geld eine Rolle. Unternehmer müssen schließlich nicht nur die Folgen ihres Handelns auf Gesellschaft und Umwelt berücksichtigen, sondern auch für finanzielle Nachhaltigkeit sorgen. In diesem Essay geht es um die Verbindung von Unternehmertum und finanzieller Nachhaltigkeit.

Wissenschaft und Finanzbranche interessieren sich zunehmend für das Konzept der Nachhaltigkeit von Unternehmen, nicht zuletzt dank des öffentlichen Diskurses. Besonders in wohlhabenden Ländern sprechen sich viele Menschen für Themen wie Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship aus. CSR bedeutet, dass sich die Spitzenmanager über Gewinnmaximierung hinaus für soziale und ökologische Ziele engagieren. Corporate Citizenship bedeutet, dass sich ein Unternehmen als würdiges Mitglied der Gesellschaft benimmt.

Ein zentraler Gedanke ist, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht nur finanziell messbar ist, sondern dass Geschäftspraktiken weithin spürbare negative Folgen für Menschen und die Umwelt haben können. Wer ein Unternehmen führt, darf solche „Nebenwirkungen“ nicht ignorieren, sonst zahlt er womöglich irgendwann einen hohen Preis dafür. Er kann sogar die Zukunft des Unternehmens gefährden, wenn zum Beispiel:

  • Kunden beginnen, Produkte und Dienstleistungen abzulehnen,
  • ein Unternehmen in kostspielige Rechtsstreitigkeiten verwickelt wird und Entschädigungen zahlen muss,
  • Regulierungsbehörden schädliche Geschäftspraktiken plötzlich verbieten.

Es kann auch alles zugleich eintreten – und es gibt noch viele weitere von Unternehmen verursachte schädliche Nebenwirkungen. Zugleich muss jedes Privatunternehmen seine Finanzen im Blick haben. Das galt früher genauso wie heute auf den umkämpften globalen Märkten.

Die Tony-Elumelu-Stiftung, deren Geschäftsführerin ich bin, fördert das afrikanische Unternehmertum. Wir bieten unter anderem Finanzierung, Mentoring und Ausbildung an, fördern die Gründung innovativer Unternehmen und helfen ihnen, wettbewerbsfähig zu werden, wenn möglich auf globaler Ebene. Unsere Unternehmen sollten dazu beitragen, eines oder mehrere der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) zu erreichen. Unsere Philosophie ist, dass Unternehmen, denen es gut geht, Gutes tun können und sollen.

Natürlich muss auch die finanzielle Nachhaltigkeit gesichert sein, das heißt, dass ein Unternehmen genügend Einnahmen und den Zugang zu Finanzdienstleistungen haben muss, um bestehen zu können. Jede Organisation, egal, ob gewinnorientiert, gemeinnützig oder karitativ, braucht einen Plan für finanzielle Nachhaltigkeit. Nur wer ein nachhaltiges Finanzmodell hat, wird überleben. Wichtige Aspekte dafür sind:

  • starke und wechselseitig vorteilhafte Beziehungen zu allen Beteiligten,
  • ein diversifizierter Finanzierungsmix,
  • finanzielle Rücklagen sowie
  • regelmäßige Bewertung von Risiken und Betriebskosten.

In der Vergangenheit waren einige gemeinnützige und soziale Unternehmen in hohem Maße auf Hilfe angewiesen. Diese Zeiten sind jedoch langsam vorbei, die Unternehmen müssen künftig mit weniger, vielleicht sogar ohne Unterstützung auskommen. Diesbezüglich muss dringend mehr geforscht werden, und es ist zu hoffen, dass die Erkenntnisse dazu beitragen, neue tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wie die Wissenschaftler Dean Shepherd und Holger Patzelt (2011) schreiben, ist es unerlässlich, „die Rolle unternehmerischen Handelns als Mechanismus zur Erhaltung von Natur und Ökosystemen zu erforschen und zugleich wirtschaftliche und nicht-wirtschaftliche Gewinne für Investoren, Unternehmer und Gesellschaften zu erzielen“.

Es ist ermutigend, dass es Innovationen gibt, die neue Chancen eröffnen. Crowdfunding etwa ermöglicht dank kleiner Beiträge von vielen verschiedenen Einzelpersonen die Gründung von Start-ups. Dies geschieht meist via Internet. Zukünftig werden wohl auch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen einen einfacheren und nachhaltigeren Zugang zu Finanzmitteln ermöglichen.

Digitale Konnektivität ist ein Segen, den Unternehmer nutzen sollten. Wer digital sichtbar und geschickt ist, profitiert, nicht zuletzt hinsichtlich des Zugangs zu Finanzmitteln. Leider werden auch viele Frimengründer scheitern – vor allem dort,  wo es keinen oder nur eingeschränkten Internetzugang gibt. Bedauerlicherweise gibt es immer noch viele unterversorgte Gebiete in Afrika und anderen Regionen.

Wo die Infrastruktur schwach ist, können formelle Privatunternehmen nicht erfolgreich sein. Moderne Unternehmen brauchen nicht nur Internet. Sie brauchen auch eine zuverlässige Wasser- und Stromversorgung sowie Transportmöglichkeiten. Auch ist ein Zugang zu Finanzdienstleistungen und ein Mindestmaß an Rechtsstaatlichkeit nötig, und sie werden nur dort ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte finden, wo das öffentliche Bildungswesen grundsätzlich funktioniert. Auch soziale Infrastruktur ist wichtig. Eine schlechte Gesundheitsversorgung kann Unfälle und Krankheit zum ernsthaften Problem für Firmen machen.

Eine schlechte Infrastruktur ist nicht nur eine Folge von Armut, sie hält sie auch aufrecht. Volkswirtschaften, in denen der informelle Sektor dominiert, wie fast überall in Afrika, können nicht gedeihen. Der informelle Sektor hält die Menschen in der Armut gefangen (siehe Christiane Laibach im Monitor des E+Z/D+C e-Papers 2020/02).

Weltweit hat die Covid-19-Pandemie erneut gezeigt, wie ungleich Gesellschaften sind. Arme und verletzliche Gemeinschaften sind am härtesten betroffen. Wir dürfen Ungleichheit nicht akzeptieren. Chancen müssen für alle zugänglich werden, das ist auch eine wichtige Forderung der SDG-Agenda. Finanzinvestoren liegen falsch, wenn sie nur die monetären Erträge, auch aus Derivaten und Futures-Märkten, berücksichtigen. Die Realwirtschaft muss auf die Lösung von Problemen ausgerichtet sein und der Schwerpunkt muss auf der Produktivität, den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen sowie auf einer gesunden Umwelt liegen. Niemand soll zurückgelassen werden. Uns auf unsere Menschlichkeit zu besinnen, ist unsere größte Hoffnung, um Nachhaltigkeit zu erreichen – auch finanzielle.

Die Tony-Elumelu-Stiftung wird weiter nachhaltige Finanzierungen für Neugründungen in benachteiligten Gebieten Afrikas bereitstellen. Dort wird das Geld am dringendsten benötigt. Wir unterstützen vielversprechende Unternehmer mit Startkapital. Afrika muss innovative Produkte und Dienstleistungen kreieren, diese auch weltweit an Kunden liefern und sich in globale Lieferketten integrieren. Viele Unternehmen, die wir unterstützt haben, haben bewiesen, dass sie zum Erfolg der SDGs beitragen und zugleich guten Gewinn machen können.


Literatur
Shepherd, D., und Patzelt, H., 2011: The new field of sustainable entrepreneurship: Studying entrepreneurial action linking “What is to be sustained” with “What is to be developed”. In: Entrepreneurship: Theory and Practice, No. 35, S. 137-163.


Ifeyinwa Ugochukwu ist Geschäftsführerin der Tony-Elumelu-Stiftung. Die philanthropische Einrichtung hat ihren Sitz in Lagos, Nigeria.
[email protected]
https://www.tonyelumelufoundation.org/

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