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Naturkatastrophen

Vielschichtige Zusammenhänge

von Peter Hauff

In Kürze

The WorldRiskIndex measures the threat of natural disasters, taking into account the ability of institutions and the quality of infrastructure in different countries

The WorldRiskIndex measures the threat of natural disasters, taking into account the ability of institutions and the quality of infrastructure in different countries

Es ist schwierig, Gesellschaften ohne stabilen Staat zu helfen, sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. Extremwetterlagen mit gewaltigen Schäden nehmen zu, und die internationale Gebergemeinschaft scheint überfordert. Von Peter Hauff

Wenn Korallenriffe zerstört, Regenwälder abgeholzt und Flüsse begradigt werden, leidet nicht nur die Natur. Ohne den Schutz von Riffen, Bäumen und Feuchtgebieten steigt nämlich auch das Risiko für Menschen, bei Stürmen und Fluten zu Katastrophenopfern zu werden. Diesen Zusammenhang betont der WeltRisikoBericht 2012 des Bündnis Entwicklung Hilft, einer Vereinigung fünf großer zivilgesellschaftlicher Hilfswerke in Deutschland.

Ihr neuartiger Risiko-Index beziffert für 173 Staaten die Wahrscheinlichkeit schlimmer Folgen durch Naturkatastrophen (siehe Grafik). Der Index berücksichtigt Faktoren wie Nahrungssicherheit, schlechte Straßen, Ärztemangel und dergleichen mehr. Die Autoren gehen davon aus, dass es gering entwickelten Ländern besonders schwer fällt, sich gegen Naturkatastrophen zu wappnen.

„Fragile Staaten müssen befähigt werden, auf unterschiedliche Ereignisse und Gefahren individuell zu reagieren“, sagt Janani Vivekananda von International Alert, einer Intitiative in London. Bewusstsein für deren Besonderheiten vermisst sie bei vielen Gebern, denn manchmal verursache Nothilfe Schaden. In Nepal etwa sei Reis wegen jahrelanger Nahrungsmittelhilfe zum Grundbestandteil der Essgewohnheiten geworden, mit der Folge, dass die Landwirtschaft mit dem knappen Wasser nicht mehr auskam. Reis braucht besonders viel Wasser.

Auch in Haiti blendete die Weltgemeinschaft trotz Rekordspenden nach dem Erdbeben von 2010 die Risiken der weiteren Zukunft aus. Zwei Monate nach dem Erdbeben hatte die Welthungerhilfe empfohlen, nicht nur die Infrastruktur aufzubauen, sondern auch die Selbstverwaltung auf der Insel zu stärken (siehe Artikel zu Haiti in E+Z/D+C 2012/02,
S. 48 f.). Geschehen ist das bis heute nicht. „Es ist ein Skandal, dass in zwei Jahren auf Haiti keine lokalen Strukturen geschaffen wurden, um jetzt auf einen erneuten Ausbruch der Cholera zu reagieren“, unterstrich Ulrike von Pilar von Ärzte ohne Grenzen bei einer Tagung der Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF) in Berlin Ende September.

Zivilgesellschaftliche Akteure stört zudem der Einfluss von Fernsehbildern. Die emotionale Berichterstattung über Dürren, Überschwemmungen oder auch Erdbeben wecke Spendenbereitschaft, was aber die Zukunft in Katastrophen­gebieten noch nicht erleichtere. Oft wäre es nämlich wichtiger, Mittel für weniger spektakuläre, aber wichtige Hilfsprogramme zu mobilisieren, urteilt Marcus Oxley vom unabhängigen Global Network for Disaster Reduction mit Sitz in London.

Hausaufgaben der EU

Die steigende Zahl von Naturkatastrophen zwingt auch die Politik, immer schneller zu handeln. Dabei verlieren Entscheidungsträger den nötigen Weitblick, schreiben zwei zivilgesellschaftliche Dachverbände europäischer Entwicklungshilfe VOICE und CONCORD in einem Positionspapier über „Linking Relief, Rehabilitation and Development“ (LRRD). Damit sich Katastrophenhilfe und EU-Entwicklungspolitik ergänzen, fordern sie für fragile und von Natur­ereignissen besonders bedrohte Staaten
– ganzheitliche Aktionspläne mit messbaren LRRD-Zielen,
– eine Übernahme dieses LRRD-Ansatzes in die Katastrophenhilfe, und – mehr Mitsprache zivilgesellschaftlicher Akteure.

Die Herausforderungen, vor denen Geberländer und arme Regionen stehen, sind gewaltig. „Wir haben es nicht geschafft, den Klimawandel abzuwenden, also müssen wir die Folgen reparieren“, sagte Maarten van Aalst, Klimaexperte des Internationalen Roten Kreuzes, auf der SEF-Konferenz in Berlin.

Peter Hauff