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UN Agenda 2030

Daten sind weniger hart, als sie scheinen

von Hans Dembowski

In Kürze

Bill und Melinda Gates warben in New York im September mit früherem US-Präsidenten Barack Obama für neuen Report

Bill und Melinda Gates warben in New York im September mit früherem US-Präsidenten Barack Obama für neuen Report

Bill und Melinda Gates wollen die Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) unterstützen und haben dafür eine neue Publikationsreihe lanciert. Die erste Ausgabe konzentriert sich auf Gesundheit. .

„Wir lancieren diesen Report und werden bis 2030 jährlich Folgebände veröffentlichen, weil wir den Fortschritt im Kampf gegen die Armut beschleunigen wollen“, schreiben Bill und Melinda Gates im Vorwort. Sie wollen, dass Politiker sich von den SDGs, welche die UN vor zwei Jahren in der Agenda 2030 beschlossen, leiten lassen.   

Das Milliardärs-Ehepaar fördert seit langem Entwicklungsprogramme. Involviert ist die Gates Foundation unter anderem in den Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria, die Alliance for a Green Revolution in Africa und die ONE Campaign, welche Geberregierungen an ihren Versprechen misst. Angesichts der Pläne, die Entwicklungshilfe (official development assistance – ODA) der USA zu kürzen, und „ähnlicher Rückzugsstimmung“ in anderen reichen Ländern wollen Bill und Melinda Gates nun den Druck erhöhen.

Sie beauftragten Fachleute, aktuelle Trends für 18 der 232 SDG-Indikatoren zu analysieren. Für drei Indikatoren (Grundschulqualität, Geschlechtergerechtigkeit und agrarische Arbeitsproduktivität) sei das wegen mangelnder Datengrundlage unmöglich gewesen. Die meisten der 15 anderen Analysen lieferte das Institute of Health Metrics and Evaluation (IHME) der University of Washington in Seattle.   

Die IHME-Diagramme zeigen, dass die Menschheit generell nicht auf dem Weg ist, die SDGs zu erreichen. Sie bieten zudem Prognosen dafür, was passiert, wenn die Anstrengungen erhöht oder abgeschwächt werden. Der Report warnt zum Beispiel, Verbreitung von Malaria könne bis 2030 von derzeit 29 auf 39 Neuinfektionen pro 1000 Menschen ansteigen, „falls wir zurückfallen“. Andererseits kann sie auf fünf pro 1000 sinken, „wenn wir voranschreiten“.  

Was HIV/Aids angeht, sei die Neuinfektionsrate deutlich gefallen, aber dieser heilsame Trend habe sich parallel zur abklingenden Alarmstimmung abgeschwächt. Die Stiftung warnt, die Quote könne sich bis 2030 verdoppeln, „falls wir zurückfallen“.  

Die Daten wirken eindrucksvoll. Allerdings besagt das IHME nicht klar, was „zurückfallen“ und „voranschreiten“ konkret bedeuten. Es schätzt nicht ab, wie viel Geld, welche Expertise und welche Akteure nötig wären, um optimale Resultate zu erreichen. Deshalb sind seine Daten auch weniger hart, als sie scheinen.   

In einigen kurzen Aufsätzen werden manche Themen gründlicher erörtert. Moussé Fall, ein senegalesischer Imam, erklärt etwa, weshalb Familienplanung mit dem Koran vereinbar ist. Der Prophet habe Frauen zu Abständen zwischen Geburten aufgefordert, damit sie ihre Kinder zwei ganze Jahre lang stillen könnten.  Technische Mittel, die zu Mohammeds Zeiten noch unbekannt waren, dürften verwendet werden, wenn das in seinem Sinne geschehe.   

In einem anderen Beitrag erläutert der ehemalige äthiopische Gesundheitsminister Kesete Admasu, was sein Land im Kampf gegen Kinder- und Müttersterblichkeit tut. Überzeugenderweise betont er die Bedeutung von medizinischer Aufklärung und Partizipation der Bevölkerung. Allerdings erscheint seine Forderung, alle Kinder sollten in „Gesundheitseinrichtungen“ (health facilities) zur Welt kommen, wieder allzu vage. Komplette Krankenhäuser kann er kaum meinen, denn Fachleute aus Bangladesch und Indien warnen, dass ihre Länder schlicht nicht genug Hospitäler für alle gebärenden Frauen haben (siehe E+Z/D+C e-Paper 2017/09, S. 24 und 2017/08 S. 21, und Druckheft 2017/09-10, S. 30 und S. 28). Besonders im ländlichen Raum müssten die schwierigen Fälle Vorrang haben. Bangladeschs Fortschritte im Kampf gegen die Müttersterblichkeit sind ordentlich, und das Land ist reicher und viel dichter bevölkert als Äthiopien. Es ist kaum vorstellbar, dass seine ländliche Gesundheitsinfrastruktur schlechter als die Äthiopiens ist.  

Das Anliegen der neuen Gates-Publikationsreihe ist wichtig. Um zu ernsthafter Entwicklungsdebatte beizutragen, reichen ein paar interessante Aussagen aber nicht. Die nächsten Ausgaben müssen weniger oberflächlich ausfallen.

 

Link

Bill & Melinda Gates Foundation, 2017: Goalkeepers – The stories behind the data 2017.
http://www.globalgoals.org/goalkeepers/datareport/

 

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