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Müttergesundheit

Warum Sanitäter und Hebammen wichtig sind

von Manzur Kadir Ahmed

Hintergrund

Pre-natal care at the Vorsorgeuntersuchung im Dorf: GK-Paramedic testet die Urinprobe einer schwangeren Frau.level: GK-paramedic checking a pregnant woman’s urin probe.

Pre-natal care at the Vorsorgeuntersuchung im Dorf: GK-Paramedic testet die Urinprobe einer schwangeren Frau.level: GK-paramedic checking a pregnant woman’s urin probe.

Die zivilgesellschaftliche Gesundheitsorganisation Gonshasthaya Kendra (GK) in Bangladesch hat gezeigt, dass Müttersterblichkeit deutlich gesenkt werden kann. Zentraler Ansatzpunkt ist, dass jede Schwangere kompetente Hilfe erhält – wenn auch nicht unbedingt von ausgebildeten Medizinern.

Als Koordinator und Vorstandsvorsitzender von GK bin ich zuversichtlich, dass wir noch vor 2030 das globale Ziel für nachhaltige Entwicklung erreichen werden und weniger als 70 Todesfälle bei werdenden Müttern auf 100 000 Geburten kommen.

Unsere Organisation versorgt etwa 1,2 Millionen Menschen in ganz Bangladesch. Wir arbeiten auf dem Land wie in städtischen Gebieten und bemühen uns insbesondere um arme und benachteiligte Gruppen. Diese sind nicht repräsentativ für unser Land, aber unsere Erfahrungen sind relevant.

GK ist im Grunde der Prototyp eines auf dem Solidaritätsprinzip basierenden nationalen Gesundheitsdienstes, wie ihn gering entwickelte Länder wie Bangladesch benötigen (siehe Rezaul Hoque in D+C/E+Z e-Paper 2017/05, S. 28, und  Druckausgabe 2017/05–06, S. 20). Unsere Patienten aus unterschiedlichen Schichten zahlen unterschiedlich viel für ihre Behandlung, sodass alle, die zu uns kommen, zuverlässig und bezahlbar versorgt werden können. Wir erreichen die Ärmsten unseres Landes.

Das Rückgrat unseres Systems sind die Paramedics. Wir bilden sie selbst aus, um sicherzugehen, dass sie gut geschult und auf dem aktuellen Stand sind. In Bangladesch gibt es schlicht nicht genügend ausgebildete Ärzte. Wir sehen Gesundheitsversorgung als universelles Menschenrecht – jeder muss Zugang dazu haben (siehe Interview mit GK-Gründer Zafrullah Chowdhury in D+C/E+Z 2012/03, S. 126). Auch reproduktive Gesundheit ist für GK zentral, daher fördern wir seit langem Familienplanung und die Vergabe von Verhütungsmitteln. Die Regierung hat viele unserer Maßnahmen kopiert.

Unsere Paramedics sind meist junge Frauen mit acht bis 12 Jahren Schulbildung. Es gibt mehr als 40 GK-Gesundheitszentren, die mit Unterstützung von sechs Krankenhäusern über 630 Dörfer versorgen. Jede Familie, die GK-Mitglied ist, wird einmal monatlich von einem Paramedic besucht, bei Bedarf auch häufiger. Die Paramedics fördern die reproduktive Gesundheitsvorsorge und unterstützen bei der Familienplanung:

  • Schwangere Frauen werden registriert und von Anfang an betreut. Die Paramedics messen Gewicht, Größe und Blutdruck der Frauen, testen sie auf Ödeme, Gelbsucht, Anämie und Diabetes und untersuchen ihre Augen, Ohren und Zähne sowie Bewegungen und Herzklänge der Föten.
  • Sie verteilen Eisen- und Kalziumtabletten und impfen die Schwangeren gegen Tetanus. Um die Kindersterblichkeit zu reduzieren, impfen sie Säuglinge gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Polio, Tuberkulose und Masern.
  • Sie identifizieren Mütter mit erhöhtem Risiko und verweisen sie an medizinisches Fachpersonal. Sie stehen unter besonderer Beobachtung. Wenn nötig, kommen die Babys in den GK-Krankenhäusern per Kaiserschnitt zur Welt.
  • Die Paramedics klären Familien über eine gesunde und ausgewogene Ernährung auf.
  • Sie sprechen mit Familien und Gemeinden über mögliche Ursachen von Müttersterblichkeit und deren Prävention.
  • Sie berichten der Zentrale detailliert über alle Fälle; so konnte GK über Jahrzehnte hinweg umfangreiche Statistiken erstellen.

GK-Mitarbeiter überprüfen regelmäßig die Arbeit der Paramedics sowie die Statistiken und Feldberichte, um hochwertige Dienstleistungen zu ermöglichen. Vor- und nachgeburtliche Betreuung ist immens wichtig, denn die Mütter spielen eine zentrale Rolle in den Familien und der Gesellschaft.

GK kooperiert auch mit traditionellen Geburtshelfern und sorgt dafür, dass sie auf dem neuesten Stand sind. Jede Geburt sollte von einer erfahrenen Fachkraft betreut werden; riskante Geburten sollten im Krankenhaus stattfinden. Allerdings ist es in einem gering entwickelten Land wie Bangladesch unmöglich, dass alle Babys in Kliniken zur Welt kommen. Daher sind gut ausgebildete Paramedics und Hebammen gefragt.

Wir glauben an gemeinschaftliches Handeln und beziehen die lokale Bevölkerung ein. Wenn ein Säugling oder eine Mutter gestorben ist, sprechen wir darüber in der Gemeinschaft, um daraus zu lernen. So wollen wir unsere Dienste, aber auch häusliche und gemeinschaftliche Maßnahmen verbessern. Gesundheitserziehung ist gerade in den Dörfern enorm wichtig.

In den letzten Jahrzehnten hat Bangladesch gute Fortschritte bei der Senkung der Müttersterblichkeit gemacht. Aber das reicht noch nicht. Das Land konnte die Zahl der Todesfälle pro Lebendgeburten von 1990 bis 2015 um fast zwei Drittel verringern. Allerdings sah das entsprechende Millenniumsentwicklungsziel (MDG) eine Reduzierung um 75 Prozent vor. Der Regierung zufolge starben im Jahr 2015 pro 100 000 Geburten 181 Mütter – die MDG-Marke betrug 143 pro 100 000. Bei den GK-Patientinnen waren es 141 pro 100 000 (konkret: Wir haben 18 Todesfälle pro 12 731 Lebendgeburten dokumentiert).

Auch das Teilziel – die Hälfte aller Geburten von qualifizierten Mitarbeitern betreuen zu lassen – hat Bangladesch 2015 noch nicht erreicht. Der Anteil betreuter Geburten stieg seit 1990 von fünf Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2015. Auch das ist gut, reicht aber noch nicht aus. Wir müssen noch mehr machen. Auf jeden Fall versorgen wir unsere Mitgliedsfamilien systematisch. Die Zahlen zeigen, dass die MDGs greifbar nah zu erreichen sind. Natürlich ist das SDG zur Müttersterblichkeit noch ambitionierter. Wir glauben aber, dass es zu schaffen ist. GK wird es erreichen – unser Land hoffentlich auch.


Manzur Kadir Ahmed ist Koordinator und Vorstandsvorsitzender von Gonoshasthaya Kendra (GK) und ausgebildeter Arzt.
[email protected]
http://www.gonoshasthayakendra.com/

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