Minen
Warum verantwortlicher Bergbau für die Energiewende unverzichtbar ist
Der Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien erfordert sehr viel zusätzliche Batteriekapazität, die Modernisierung der Stromnetze und die massive Expansion von Solar- und Windkraft. Für all diese Dinge werden Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt, Lithium, Nickel und Seltene Erden gebraucht. Siebzehn solcher Mineralien gelten als essenziell, weshalb die Nachfrage nach ihnen schnell steigen wird. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht sogar davon aus, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens bis zum Ende des Jahrzehnts nur erreicht werden können, wenn sich diese Nachfrage vervierfacht.
Bergbau ist ein umweltzerstörender Wirtschaftszweig. In Gegenden mit hohem Artenreichtum gilt das besonders. Im Auftrag des World Wide Fund for Nature (WWF) und der Boston Consulting Group hat ein Team von Forschenden ermittelt, dass rund sieben Prozent der relevanten Mineralienvorkommen in solchen Gegenden liegen und entsprechend auch rund neun Prozent der einschlägigen Minen derzeit dort betrieben werden. Knapp sieben Prozent der weltweiten Exploration findet ebenfalls dort statt. Der WWF hat die Studie unter dem Titel „Critical Minerals at a Critical Moment“ im Mai 2025 veröffentlicht.
Der Schwund der biologischen Vielfalt ist ähnlich bedrohlich wie die Klimakrise. Deshalb fordert die Studie die Minimierung der Bergbauschäden. Ökosysteme hängen von ihrer Artenvielfalt ab. Sind sie einmal zerstört, weil eine wichtige Spezies dezimiert oder gar ausgelöscht wurde, können sie nicht mehr restauriert werden. Das bedeutet dann auch das Ende des ökologischen Nutzens, den Ökosysteme stiften. Dazu gehören die Versorgung örtlicher Gemeinschaften mit Süßwasser oder auch die Bestäubung von Plantagen durch Insekten. Werden CO₂-Senken vernichtet, beschleunigt das wiederum die Klimakrise.
Artenschwund und Erderwärmung sind zwei unterschiedliche Phänomene, zwischen denen es verschiedene Wechselwirkungen gibt. Es ist kaum möglich, eine Formel aufzustellen, die definieren würde, wie viel Naturzerstörung zugunsten von wie viel Klimaschutz akzeptabel wäre. Beide Trends sind auf jeweils eigene Weise existenziell gefährlich.
Wie das WWF-Papier ausführt, ist es allerdings erfreulich, dass die Energiewende den Bedarf an Öl-, Gas- und Kohleförderung verringern kann. Auch diese Branchen sind umweltschädlich, und sie betreffen sehr viel größere Gebiete als der Bergbau für Energiewende-Mineralien. Dennoch ist Letzterer seinerseits hochproblematisch. Deshalb müssen Nationalstaaten und die internationale Gemeinschaft handeln und besonders Ökosysteme mit hoher biologischer Diversität schützen.
Angebot auf verantwortliche Weise vervierfachen
Es ist eine riesige Herausforderung, das Angebot an Energiewende-Mineralien zu vervierfachen. Zum Glück erfordert es aber, wie das WWF-Papier erläutert, nicht die Vervierfachung des Bergbaus. Je länger die jeweiligen Rohstoffe genutzt und je besser sie recycelt werden, desto weniger zusätzliche Minen sind nötig. Auch andere Formen des technischen Fortschritts können den Bedarf reduzieren, wenn beispielsweise der Einsatz der Rohstoffe effizienter wird.
Die Öffentlichkeit bemerkt Bergbauschäden oft nicht, weil sie meist schleichend erfolgen. Dramatische Unfälle belegen jedoch die Gefährlichkeit der Branche. Aus gutem Grund verlangt die WWF-Studie deshalb, Bergbau verantwortlich zu betreiben und jeden Schaden so weit wie möglich zu minimieren. Kompetente Raumplanung kann beispielsweise verhindern, dass Minen in besonders empfindlichen Ökosystemen angelegt werden. Auch Effizienz ist wesentlich. Kompetent betriebene Minen extrahieren die geförderten Rohstoffe möglichst komplett aus dem Boden und kommen mit möglichst wenig Wasser aus. Sorgfältiges Abfallmanagement ist ebenfalls wichtig.
Wo Schäden minimiert werden, steigen allerdings die betrieblichen Kosten. Das macht die nötigen Maßnahmen aus kurzfristiger Unternehmenssicht unattraktiv. Die Erfahrung lehrt denn auch, dass Bergbau häufig unverantwortlich praktiziert wird – und zwar ganz besonders in abgelegenen Waldgebieten. Die langfristigen Umweltkosten können zwar immens sein, spielen aber im Kalkül der Unternehmen kaum eine Rolle, weil diese davon ausgehen, dass sie dafür nicht werden aufkommen müssen.
In der Praxis bestätigt sich das allzu oft. Die ökologischen Lasten tragen andere. Immer wieder werden die Rechte Indigener Völker und anderer örtlicher Gemeinschaften verletzt. Dort, wo ökologische Standards missachtet werden, zählen typischerweise auch Arbeitsschutz und soziale Rechte von Beschäftigten nur sehr wenig.
Diese Dinge müssen sich ändern, damit die Kosten der Energiewende nicht höher ausfallen als nötig. Sollten lebenswichtige Ökosysteme kollabieren, würden sie sich als exzessiv hoch erweisen. Die WWF-Warnung ist stimmig.
Hans Dembowski ist ehemaliger Chefredakteur von E+Z.
dembowski@posteo.de