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Chancengleichheit à la Wolfowitz

von D+C | E+Z

„What we are trying to do with the Gender Action Plan ist to develop more concrete ways in which this basic idea that the whole society benefits when everybody has equal access can be incorprated in more and more of the programmes that we actually do.“
Weltbankpräsident Paul Wolfowitz, Oslo, Oktober 2006.

Paul Wolfowitz sagt zu Recht, Geschlechtergleichstellung sei nicht nur eine Frauenfrage, sondern eine von Entwicklung überhaupt. Dass Frauen ökonomisch wichtige Rollen spielen können, ist klar. Dass sie es tun müssen, wenn Wachstum schwungvoll Armut reduzieren soll, ist darüber hinaus eine wichtige Einsicht.

Frauenbewegungen und -rechte gelten in vielen Entwicklungsländern als Marotte reicher Industriegesellschaften oder sogar als Ausdruck westlicher Dekadenz. Gegen solches Denken bleibt die Forderung nach universellen Menschenrechten weitgehend wirkungslos. Es ist schwer, kulturell tiefverwurzelte Einstellungen zu ändern, und das haben auch die Frauenbewegungen in Westeuropa und Nordamerika in den letzten Jahrzehnten erfahren. Sie haben zwar viel erreicht – aber nicht wirkliche Geschlechtergleichstellung. Nüchterne Volkswirtschaftslehre kann vielleicht weiterhelfen. Die Empirie zeigt, dass Frauen ökonomische Chancen, so sie welche bekommen, oft erfolgreich nutzen und dann zu Wachstum und Wohlstand generell beitragen.

Faire Chancenverteilung ist die Basis für gesunden Wettbewerb, der Wirtschaften und Gesellschaften gedeihen lässt. Deshalb hat sich Wolfowitz als Weltbankpräsident auch zu Recht dem Kampf gegen die Korruption verschrieben. Folglich ist seine Glaubwürdigkeit aber ramponiert, seit Mitte April seine eigene Neigung zur Günstlingswirtschaft bekannt wurde.

Wolfowitz war mit der Weltbankangestellten Shaha Riza liiert, bevor er Präsident des Instituts wurde. Um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden, schlugen Gremien daraufhin vor, Frau Riza an einen anderen Arbeitgeber zu entsenden. Sie könne zuvor auch befördert werden, da ihre Karriere im Haus vermutlich leiden werde. Eigenmächtig versüßte Wolfowitz seiner Geliebten darüber hinaus die Arbeit für das US-Außenministerium mit einer Gehaltserhöhung um 45 Prozent auf mehr als 190 000 Dollar im Jahr. Ihre Bezüge, die jährlich um acht Prozent steigen, zahlt die Weltbank.

Menschlich mag Wolfowitz’ Verhalten trivial scheinen, politisch ist es inakzeptabel. Er nutzte sein Amt, um einer ihm privat nahestehenden Person besondere Vorteile zu verschaffen. Das gilt als typisches Fehlverhalten von Machthabern in armen Ländern. Zudem überrascht, dass die Bush-Administration, die multilateralen Institutionen regelmäßig Misswirtschaft vorwirft, sich eine Fachkraft mit exorbitantem Gehalt von der Weltgemeinschaft finanzieren lässt. Eine Supermacht sollte ihr Personal selbst bezahlen.

Dass manche Regierungen armer Länder nun für Wolfowitz eintreten, spricht vermutlich weniger für ihn als gegen sie. Da haben es manche wohl lieber mit einem diskreditierten Weltbankpräsidenten zu tun als mit einem, dessen Anti-Korruptionsrhetorik noch Biss hätte. Zu Redaktionsschluss schien es, dass Wolfowitz im Amt bleiben könnte. Klar ist aber, dass niemand mehr seine Reden ernst nehmen muss. Dabei ist an vielem, was er von sich gibt, eine Menge dran, selbst wenn die Irak-Visionen seiner Pentagon-Zeit grausam getrogen haben. So stimmt etwa, was Wolfowitz grundsätzlich über Frauenförderung sagt – unabhängig davon, welche Frau er im Einzelfall gefördert hat.