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Expandierende Märkte

Gewaltiger Wirtschaftsfaktor

von Alan C. Robles

Hintergrund

Internetcafés haben sich in den 1990s schnell ausgebreitet.

Internetcafés haben sich in den 1990s schnell ausgebreitet.

Anfangs war das Internet auf den Philippinen nur Spielzeug für Eliten, aber heute ist es mit beachtlichen ökonomischen Folgen Teil des Alltags.

2013 nutzten 33 Million – mehr als ein Drittel der Bevölkerung – das Netz. In absoluten Zahlen waren Filipinos nach Indonesiern die zweitgrößte südostasiatische Internetnation. In relativen Zahlen liegt dagegen Singapur mit bis zu 100 Prozent vernetzten Bürgern vorn. In Manila nutzen Menschen das Web um online einzukaufen, Kinositze zu reservieren oder Taxis zu bestellen. Wetter- und Verkehresberichte werden digital aufgerufen. Bauern und Fischer im ländlichen Raum informieren sich online über Preise, um zu entscheiden, wo sie ihre Ware verkaufen.

1994 wurden die Philippinen offiziell ans Internet angeschlossen. Anfangs wussten viele Abonnenten nur mit Email etwas anzufangen. Presseredakteure belächelten das Web. „Das kann man nicht mit auf die Toilette nehmen", spottete einer.

Festnetzanschlüsse sind bis heute selten. Es ist aber viel geschehen. Zwar hat noch keine Tageszeitung wegen der neuen Konkurrenz dicht gemacht, aber alle haben mittlerweile Websites – nicht zuletzt, weil sie die wichtige Zielgruppe der Filipinos im Ausland nicht vernachlässigen dürfen. Rund zehn Prozent der Bevölkerung arbeitet in Übersee und hält über das Netz Verbindung zur Familie. Skype und Google Chat ermöglichen fast gratis Videotelefonate, wohingegen gewöhnliche Auslandsgespräche sehr teuer bleiben.

Digitale Geräte sind ständig billiger und kleiner geworden. Es gab nie besonders viele PCs auf den Philippinen, also verbreiteten sich in den 1990ern Internetcafés schnell. Mittlerweile besitzen aber immer mehr Menschen eigene Geräte. Wer sich Marken wie Apple oder Samsung nicht leisten kann, kauft sich billige „Shenzen Tablets" und no-name Smartphones. Laut Google wächst die Zahl der Smarphone-Besitzer in Südostasien nirgends schneller als auf den Philippinen.

Telekomunternehmen offerieren billige Inernet-Verbindungen. In Einkaufszentren, Restaurants und sogar Fast-Food-Lokalen gibt es kostenlos W-Lan. Eine Burgerkette lädt sogar kostenfrei Handys wieder auf.

Filipinos nutzen die moderne Technik nicht nur, sie treiben sie auch voran. Das Internet wäre wohl ohne den harten Kern kompetenter Computerfachleute, die es schon vor den 90er Jahren im Lande gab, nicht so schnell gewachsen. Mittlerweile ist das Land auch zu einem wichtigen Wettbewerber im Business Process Outsourcing (BPO) geworden, was vor allem die Call-Centre-Branche betrifft. Das Land drängt allmählich Indien beiseite, sodass heute Inder nach Manila kommen, um zu lernen, wie man Call Centre betreibt. Filipinos haben offenbar einen Sprachvorteil, weil Kunden in den USA ihren stärker amerikanisch geprägten Akzent bevorzugen.

Die Call-Centre-Branche prägt heute große Gebäude und ganze Straßenzüge in Manila. Lebendig werden sie nachts, denn Abertausende arbeiten zwischen 19:00 Uhr und 7:00 Uhr. Gedränge herrscht bei Schichtwechsel nach Mitternacht. Geschäfte bleiben die ganze Nacht lang für diese Büroangestellten offen, die meist jung sind, großzügig Geld ausgeben und oft schnell ausbrennen.

Natürlich gibt es viel Verbesserungsbedarf. Die Philippinen haben nach Indonesien das langsamste Internet weltweit. Breitbandverbindungen sind teuerer als in Europa. Internetzugang per Smartphone mag billig sein, aber für arme Arbeitslose bleibt das immer noch unerschwinglich.

Doch der Trend ist klar: Immer mehr Menschen gehen ins Netz und finden dort neue Chancen. Julian Persaud, der für Südostasien verantwortliche Google-Manager, rechnet damit, dass sich die Zahl der philippinischen Internetnutzer von 2013 bis 2016 verdoppeln wird. In den 90ern sagte Internetguru Nicholas Negroponte voraus, dass viel von dem, was im „echten" Leben geschieht, sich im digitalen Leben widerspiegeln werde. Die Philippinen sind auf dem Weg dorthin. (ar)