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Editorial

Für eine bessere Zukunft

von Katja Dombrowski

Meinung

Titel: Bilingualer Unterricht in Bolivien.

Titel: Bilingualer Unterricht in Bolivien.

Nach der Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Nahrung, ein Dach über dem Kopf und menschliche Zuwendung gehört Primarschulbildung zu den wichtigsten Dingen im Leben. Lesen und schreiben, die einfachen Rechenarten und – ganz grundlegend – die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen, sind Voraussetzungen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Bildung ist ein Menschenrecht. Es ist außerdem ein wichtiger Schlüssel für Entwicklung.

Rund 57 bis 58 Millionen Kindern im Grundschulalter ist dieses Recht verwehrt. Die meisten leben in Afrika, und es sind mehr Mädchen als Jungen darunter. Die Dauer des Schulbesuchs ist ebenfalls ein Problem: In Afrika südlich der Sahara beenden nur 56 Prozent der Kinder die Grundschule.

Es hat sich bereits sehr viel getan. Heute gehen rund 90 Prozent aller Kinder weltweit zumindest eine Zeitlang zur Grundschule. Aber das ist nicht genug. Mit dem Millennium Development Goal 2 hatten sich die UN das Ziel gesetzt, bis 2015 Primarschulbildung für alle zu erreichen. Es wurde verfehlt und taucht nun auf der Agenda 2030 der Sustainable Development Goals (SDGs) wieder auf, die die UN in diesem Jahr verabschiedet haben. Laut SDG4 soll nun bis 2030 Primar- und Sekundarbildung für alle erreicht werden.

Dazu muss der Grundschulbesuch überall verpflichtend und kostenlos sein. Wobei kostenlos nicht nur bedeutet, dass keine Schulgebühren erhoben werden. Auch Aufwendungen für Bücher, Schuluniformen und den Transport der Kinder überfordern viele arme Familien. „Trinkgelder“ für Lehrer oder „Extragebühren“ für Prüfungen müssen abgeschafft werden. Stattdessen sollten Lehrer gut bezahlt, gut behandelt und gut ausgebildet werden.

Viele Kinder gehen schlicht deshalb nicht zur Schule, weil es bei ihnen keine gibt. Das kommt vor allem in sehr abgelegenen Gebieten mit schlechter Infrastruktur vor. Wenn es dort überhaupt Schulen gibt, sind sie oft schlecht ausgestattet. In der Agenda 2030 kommt aus gutem Grund der Aspekt der Qualität der Bildung hinzu. Es reicht nicht, dass irgendeine Art von Schule da ist. Regierungen müssen vernünftige Schulen bauen, gute und genügend Lehrer beschäftigen und angemessene Lehrmaterialen zur Verfügung stellen.

Wenn die öffentlichen Schulen schlecht sind, schicken bessergestellte Familien ihre Kinder in Privatschulen. Diese Tendenz ist in vielen Entwicklungsländern zu beobachten. Mancherorts haben nur Absolventen teurer Privatschulen die Möglichkeit, eine gute Universität zu besuchen – oder überhaupt in den Genuss einer Hochschulbildung zu gelangen. Die Folge ist ein Zwei-Klassen-System, das armen Kindern jede Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt.

Auch Sprache kann eine Hürde darstellen. In Ländern, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden, ist die Unterrichtssprache nicht unbedingt die Muttersprache der Schülerinnen und Schüler. Das macht das Lernen deutlich schwieriger. Zudem wird die Unterrichtssprache oft als Teil einer anderen Kultur oder eines unterdrückenden Systems wahrgenommen, dem Eltern ihre Kinder nicht gerne anvertrauen.

In vielen Gesellschaften ist die Wertschätzung für Kinder gering. Es ist aber ein großer Fehler, sie nicht wichtig zu nehmen und auf ihre Kosten zu sparen. Kinder sind die Zukunft, und eine gute Zukunft braucht eine starke Basis. Gute Bildung ist dafür unverzichtbar.


Katja Dombrowski ist Redakteurin bei E+Z Entwick­­lung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
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