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Editorial

Globaler Gesellschaftsvertrag

von Katja Dombrowski

Meinung

Arbeiterin in einer Textilfabrik in Bangladesch.

Arbeiterin in einer Textilfabrik in Bangladesch.

Arbeit ist für die Bekämpfung von Armut enorm wichtig. Einen Job zu haben ist umgekehrt aber keine Garantie gegen Armut. Und Arbeit kann auch Sklavenarbeit, Kinderarbeit oder Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen sein. In der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft Vollbeschäftigung zum Ziel gesetzt. Da die Qualität von Arbeit von besonderer Wichtigkeit ist, ist die Förderung von guter Arbeit („decent work“) im achten Nachhaltigkeits-Entwicklungsziel (SDG 8) festgeschrieben.

Massenhaft sind Menschen in Entwicklungsländern im informellen Sektor beschäftigt. Wer in einem Familienbetrieb – einem kleinen Bauernhof oder Gemüsehandel zum Beispiel – mitarbeitet, hat keinen Anspruch auf Mindestlohn, begrenzte Arbeitszeit oder soziale Absicherung. Und auch im formellen Sektor, sowohl im öffentlichen Dienst als auch in der Privatwirtschaft, gibt es viel informelle Beschäftigung.

Der Trend verschiebt das Gewicht etwa in Afrika sogar immer mehr in diese Richtung. Die Wirtschaft wächst, neue Arbeitsplätze entstehen – wenn auch nicht genug, um mit dem rasanten Bevölkerungswachstum Schritt zu halten –, aber der Löwenanteil davon ist informell. Gewerkschaften fordern arbeitsrechtliche Regeln, die in der gesamten Wirtschaft gelten – auch im informellen Sektor. Besonders wichtig ist die Koalitionsfreiheit, dank der sich Arbeitnehmer zusammentun und für bessere Bedingungen kämpfen können.

Gute Arbeit für alle würde indessen nicht nur bislang benachteiligten Menschen soziale Teilhabe und Gerechtigkeit verschaffen. Sie würde auch die gesamte Volkswirtschaft voranbringen. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für hohe Leistung und hohe Produktivität. Somit sitzen der Staat, die Privatwirtschaft und die arbeitende Bevölkerung grundsätzlich in einem Boot – und sollten gemeinsam den Kurs abstecken.

Besonders wichtig für die Qualität von Arbeit ist der Grad der Qualifizierung. Je komplexer eine Tätigkeit ist und je besser der Arbeitnehmer dafür ausgebildet sein muss, desto größer ist seine Chance auf angemessene Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen. Der ungelernte Tagelöhner ist schnell zu ersetzen, der Facharbeiter nicht. Wer keine Verhandlungsmacht hat, ist umso mehr darauf angewiesen, dass Arbeitsrechte gelten und durchgesetzt werden.

Die Eintrittskarte für die Welt der guten Jobs ist also Bildung. Leider versperrt soziale Ungleichheit häufig den Weg dorthin. Frauen, Menschen mit Behinderung oder Angehörige bestimmter Ethnien, die schon beim Schulbesuch benachteiligt sind, werden auch nicht die besten Jobs im Land ergattern. In vielen Regionen sorgt zudem ein Patronage-System dafür, dass wichtige Positionen „in der Familie“ bleiben. Diese Strukturen zu durchbrechen ist für den Einzelnen kaum zu schaffen.

Damit gute Jobs für alle entstehen, muss sich nicht nur der – globale und jeweilige nationale – Arbeitsmarkt ändern, sondern auch Bildungs­systeme und gesellschaftliche Strukturen. Sonst bleibt ein guter Job für den Großteil der Afrikaner ein Wunschtraum.

In der globalisierten Welt trägt jeder Verantwortung auch für Arbeitsbedingungen in anderen Ländern. Dass internationaler Druck Wirkung hat, zeigt das Beispiel der Textilindustrie in Bangladesch, wo viele lokale und internationale Akteure an der Verbesserung der Arbeits- und Sozialstandards arbeiten. Das SDG der guten Arbeit lässt sich als Entwurf eines weltweiten Gesellschaftsvertrags verstehen. Nun muss aus Anspruch Wirklichkeit werden.


Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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