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Biodiversität

Anhaltender Nord-Süd-Konflikt

von Günter Mitlacher

Meinung

Die Biodiversität ist weltweit in Gefahr: Taucher nahe der Insel Mindoro, Philippinen.

Die Biodiversität ist weltweit in Gefahr: Taucher nahe der Insel Mindoro, Philippinen.

Die 14. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt lieferte durchwachsene Ergebnisse. Die bestehenden Konflikte zwischen globalem Norden und globalem Süden sind eine Hürde für eine Strategie nach 2020.

Alle zwei Jahre trifft sich die internationale Staatengemeinschaft und berät, wie man die Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD) verwirklichen will. Diese lauten:

  • Schutz der biologischen Vielfalt weltweit,
  • nachhaltige Nutzung von Wäldern, Meeren und anderen Ökosystemen und
  • Regeln für die Verwendung der genetischen Ressourcen. Darunter versteht man genetisches Material, das für neue Wirkstoffe wie Arzneimittel oder Kosmetika nutzbar sein kann.

2010 hatten sich die 196 CBD-Staaten im japanischen Aichi auf 20 konkrete Biodiversitätsziele bis 2020 verpflichtet. Dazu zählte unter anderem die Einrichtung zusätzlicher Naturschutzgebiete zu Wasser und zu Land und ein Vorgehen gegen Biopiraterie. Darunter versteht man die Ausbeutung der genetischen Ressourcen von Entwicklungsländern, ohne dass ein finanzieller Ausgleich für die Nutzung gezahlt wird.

Auf der aktuellen, Ende November beendeten Biodiversitätskonferenz im ägyptischen Sharm El Sheikh wurde eine Bestandsaufnahme der bis 2018 erreichten Ergebnisse gemacht. Leider ist man nach acht Jahren in wichtigen Arbeitsfeldern nicht wesentlich weiter.

Eine Zielmarke bis 2020 war es, 17 Prozent Schutzgebiete an Land zu haben, das wird voraussichtlich erreicht. Wir stehen 2018 bei 15 Prozent. Allerdings fehlt es oft an einem dauerhaften Management und einer langfristigen Finanzierungsstrategie. Damit stehen die Schutzzonen vielfach nur auf dem Papier. Positiv ist der Zuwachs an Schutzgebieten, die in der Verantwortung von lokalen und indigenen Gemeinden liegen, vor allem in Lateinamerika. Ein weiteres Ziel, alle naturschädlichen Subventionen zu beseitigen, besonders im Agrarbereich, wird bis 2020 nicht gelingen.

Minister und Staatssekretäre verabschiedeten in Ägypten auch eine Deklaration zur besseren Integration von Biodiversität in zentrale Wirtschaftsbereiche wie Energie- und Bergbausektor, Infrastrukturplanung oder Fertigung und Weiterverarbeitung von Produkten. Die Minister aus den Wirtschaftssektoren waren aber kaum präsent. Es bleibt der Überzeugungskraft der Umweltminister überlassen, hierbei Fortschritte zu erzielen.


Fahrplan bis 2030

Ein wichtiger Erfolg von Sharm El Sheikh ist die Einigung auf einen Fahrplan für die Erarbeitung eines neuen Rahmenwerks für 2021 bis 2030. In mindestens sieben Verhandlungsrunden will man die Inhalte der neuen Strategie festlegen: Waldschutz, Meeresnutzung, Anforderungen an nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln und Konsumgüter, Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels und Integration der Werte von Natur in alle Gesellschaftsbereiche. Das klingt extrem ambitioniert, ist aber notwendig, um die seit 40 Jahren anhaltende Abwärtsspirale des Verlustes an Tier- und Pflanzenbeständen aufzuhalten. Der World Wide Fund For Nature (WWF) hatte in seinem Living Planet Report 2018 dargelegt, dass die Wirbeltierbestände seit 1970 um rund 60 Prozent geschrumpft sind.

Sharm El Sheikh sah auch das Aufbrechen alter Konflikte. Den biodiversitätsreichen Ländern rund um den Äquator geht es um den Schutz ihrer genetischen Ressourcen vor modernen Formen der Biopiraterie. Die Industrieländer wollen ihren Agrar- und Pharmakonzernen den weltweit freien Zugang zu den Lebewesen an Land und in den Meeren erhalten. Entwicklungsländer fordern hingegen, die Nutzung zu regulieren und sie an den möglichen Gewinnen zu beteiligen. Schon 2010 brachte dieser Konflikt die Konferenz fast zum Scheitern. Das kann in zwei Jahren, wenn China Gastgeber in Peking ist, wieder passieren.

Obwohl alle CBD-Länder beteuern, dass man die Konferenz in Peking zu einem „Paris-artigen Momentum“ des Erfolgs machen möchte, schwelt der Nord-Süd-Konflikt weiter. Deshalb muss die chinesische Regierung eine geschickte Verhandlungstaktik an den Tag legen und wesentliche Streitpunkte aus dem Weg räumen. Dafür braucht es den nötigen politischen Willen, bloße Lippenbekenntnisse bringen nichts.

Die Chefs gehören persönlich an den Verhandlungstisch, um die Biodiversitätskrise zu bewältigen. Deshalb fordert der WWF, dass auf der UN-Generalversammlung im September 2020 ein Biodiversitätsgipfel mit den Staats- und Regierungschefs stattfindet. Der dauerhafte ökologische Ausnahmezustand muss ein Ende haben.


Günter Mitlacher ist Leiter Internationale Biodiversitätspolitik des WWF Deutschland.
[email protected]


Link
WWF, 2018: Living Planet Report.
https://www.wwf.de/fileadmin/living-planet-report/2018/WWF_Living_Planet_Report_Englische_Version.pdf
 

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