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Blick von der Weltbank

von Hans Dembowski

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Kupferschmelze in Sambia: Rohstoffpreise sind wegen Covid-19 in den Keller gerutscht.

Kupferschmelze in Sambia: Rohstoffpreise sind wegen Covid-19 in den Keller gerutscht.

Die Menschheit muss gemeinsam auf das neuartige Coronavirus reagieren. Jürgen Zattler hat seine Sicht dazu in einem kurzen Essay zusammengefasst. Er vertritt Deutschland im Exekutivdirektorium der Weltbank. Der vollständige Essay erschien zur – erstmals digital durchgeführten – Frühjahrstagung von Weltbank und IWF (14. bis 17. April) auf der Website des Center for Global Development, einem Think Tank in Washington. Hier sind kurz einige der wichtigsten Erkenntnisse Zattlers skizziert.

Zu den Lehren der weltweiten Coronakrise gehören laut Zattler, dass:

  • „Mensch- und Tiergesundheit zusammenhängen und von der Gesundheit des Ökosystems abhängen“ und
  • „ein schwaches Gesundheitswesen in einem Land die ganze Welt bedrohen kann, denn Armutsinseln können zu unkontrollierter Ausbreitung führen – und zwar auch in reichen Ländern“.

Folglich sitzen „wir alle in einem Boot“ und brauchen auf nationaler wie internationaler Ebene „starke öffentliche Institutionen“.

Die meisten Ökonomen erwarten, dass die Weltwirtschaft stärker einbricht als nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008. Entwicklungsländer werden die Folgen voraussichtlich besonders stark spüren, wenn Rücküberweisungen von Migranten ausbleiben, Rohstoffpreise sinken und die Kapitalflucht Rekordhöhen erreicht. Zattler sieht auch die Ernährungssicherheit bedroht. Staatliche Konjunkturpolitik sei nun wichtig, müsse aber auch langfristigen Zielen dienen, fordert Zattler:

„Wenn Unternehmen nicht Pleite gehen, Arbeitskräfte nicht entlassen und Geschäftsbeziehungen nicht gekappt werden, wird die Erholung nach einem erzwungenen ‘Winterschlaf‘ leichter fallen. Rettungsschirme dürfen aber nicht bedingungslos sein. Die Konjunkturprogramme müssen zukunftstauglich sein und den langfristigen Strukturwandel zur Nachhaltigkeit unterstützen. Der UN-Generalsekretär hat von ‚Erholung zum Besseren‘ gesprochen, mit mehr Inklusion und mehr Nachhaltigkeit – zum Beispiel durch Steueranreize für grüne Investitionen (etwa in die  Energieeffizienz), den Ausbau grüner Investitionen oder die Förderung von Prototypen innovativer Geschäftsideen.“

Die Weltbank zieht laut Zattler aktuell drei Verteidigungslinien. Es gehe darum:

  • die Gesundheitsversorgung in Partnerländern zu verbessern,
  • die Wirtschaft zu stabilisieren und den finanzpolitischen Spielraum der Partnerländer zu erweitern, und zwar auch für mehr Sozialleistungen, weil sonst Entwicklungserfolge der vergangenen Jahrzehnte gefährdet seien, und
  • die Privatunternehmen am Leben zu halten.  

Zattler erwähnt beiläufig, dass viele Länder wegen Schuldenproblemen kaum auf die Krise reagieren können. Wegen Schwächen des multilateralen Systems falle die internationale Abstimmung angesichts der weltweiten Covid-19-Krise aber schwer. „Im Gegensatz zur Sicherheitspolitik mit dem UN-Sicherheitsrat an der Spitze gibt es für wirtschaftliche Risiken keine übergeordnete internationale Instanz.“

Sinnvoll wäre deshalb ein globaler Rat ähnlich dem Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC), schreibt Zattler. Alternativ spricht er sich für die Schaffung einer Art Welt-Krisen-Komitees unter der Leitung des UN-Generalsekretärs aus. Einen entsprechenden Vorschlag gibt es von Gerd Müller, dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dem Zattler rechenschaftspflichtig ist.

Ein großes Problem ist, dass nationale Regierungen sind nicht ausreichend für globale öffentliche Güter (Global Public Goods – GPGs) engagieren, wie Zattler schreibt. Auch das multilaterale System biete ihnen derzeit nur wenige Anreize für Investitionen in GPGs und Krisenprävention. Das gelte selbst für die Weltbank: „Das Geschäftsmodell der Weltbank basiert auf Länderprogrammen und der Nachfrage der Mitgliedsregierungen. Das ist eine große Stärke und sollte nicht grundsätzlich geändert werden. Wenn allerdings Krisen wie jetzt über nationale Grenzen schwappen, erreicht das GPG-Modell seine Grenzen und muss ergänzt werden.“

Zattler zufolge ist eine stärkere multilaterale Architektur nötig: „Dies ist sicher nicht die letzte globale Krise. Andere Pandemien drohen, der Klimawandel schreitet immer schneller voran, und die Biodiversität schwindet – ganz zu schweigen von lokalen und regionalen Krisen wie zunehmende Buschbrände oder die aktuellen Heuschreckenplage in Ostafrika. Wie beim Coronavirus gibt es noch weitere, möglicherweise katastrophalere ‚Kurven‘, die wir abflachen müssen.“

Die Originalzitate wurden von der E+Z/D+C-Redaktion übersetzt und an deutsche Rhetorik angepasst.


Link
Zattler, J., 2020: Never let a crisis go to waste!
https://www.cgdev.org/blog/never-let-crisis-go-waste

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