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Brillen für Arme

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von Jana Jagalski

In Kürze

Der Erfinder der Ein-Dollar-Brille, Martin Aufmuth, mit einem glücklichen Kunden in Malawi.

Der Erfinder der Ein-Dollar-Brille, Martin Aufmuth, mit einem glücklichen Kunden in Malawi.

Martin Aufmuth, Gründer von EinDollarBrille e.V., hat eine stabile und günstige Sehhilfe für Menschen in Entwicklungsländern erfunden. Das Projekt erhielt seinen Namen durch die Materialkosten einer Brille, die circa einen Dollar betragen.

Im südlichen Afrika oder in Lateinamerika können sich viele Menschen keine Brille leisten, zudem ist die Versorgung schlecht, und es mangelt an Optikern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht weltweit von rund 700 Millionen Menschen mit nichtkorrigierten Sehfehlern aus. Das hat gravierende Konsequenzen: Unzählige Kinder können nicht richtig lernen, Erwachsene keine oder keine qualifizierte Arbeit aufnehmen und für ihre Familien sorgen.

Martin Aufmuth ist mit seinem Verein bereits in acht Ländern aktiv und startete vor kurzem ein Pilotprojekt mit der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) in Malawi. Dort benötigen schätzungsweise mehr als eine Million Menschen eine Sehhilfe. Im ersten Jahr sollen 10 000 Malawis versorgt werden. Projekte mit Altbrillen sieht Aufmuth in der Regel als gescheitert. Denn diese nützten den Menschen vor Ort nur für kurze Zeit. Es sei fast unmöglich für alle unterschiedlichen Sehschwächen eine fertige passende Brille zu finden. Zudem zerkratzten die Brillen durch den Staub sehr schnell und seien schon nach einem Jahr praktisch nicht mehr nutzbar. „Dann haben die Menschen ihre Umgebung für kurze Zeit ganz neu wahrgenommen, und dann ist es auch schon wieder vorbei. Das fand ich zynisch“, sagt der Mathe- und Physiklehrer, der sich für die Arbeit an der Ein-Dollar-Brille beurlauben ließ.

Der Social Entrepreneur entwickelte ein nachhaltiges Konzept. Das beinhaltet neben der Fertigung der Brillen auch die Ausbildung sogenannter „Good Vision Agents“. Das sind Einheimische, die in einem zweiwöchigen Kurs lernen, die Sehhilfen herzustellen und mit Augentests das richtige Brillenglas für jeden Patienten zu finden. Eine Sondergenehmigung ermöglicht es, die eigentlich dreijährige Optikerausbildung zu verkürzen.

Auf einer transportablen Biegemaschine produzieren die Agents dann die Brillen vor Ort. Dazu wird ein Metalldraht mithilfe der Maschine in die richtige Form gebogen und individuell angepasst. Dann werden noch die Linsen in der richtigen Sehstärke in den Rahmen eingeklickt – fertig. Die Linsen werden in Deutschland mit Unterstützung eines Optikers kostengünstig vorproduziert. Eine Produktion vor Ort wäre theoretisch möglich, scheitert aber bislang an praktischen Hürden wie einer sicheren Stromversorgung.

Die Herstellung einer kompletten Brille dauert nur etwa zehn Minuten. Die Agents werden pro fertigem Exemplar bezahlt und schaffen bis zu 500 Brillen pro Monat. Im Laufe der Zeit werden die Optiker immer besser und können die Brillen noch individueller auf die Bedürfnisse ihrer Patienten anpassen. Ihre Arbeit dokumentieren sie in einem Patientenbuch, mithilfe dessen Aufmuth und seine Kollegen Entwicklungen und Erfolge nachverfolgen können.

Eine der größten Herausforderungen sei es, die Menschen überhaupt für die Fehlsichtigkeit zu sensibilisieren, berichtet Aufmuth. „Viele wissen nicht, welche Beeinträchtigungen sie haben, und was sich dagegen unternehmen lässt.“ Darum seien die „Outreacher“, wie er sie nennt, mindestens genauso wichtig wie die Optiker. „Das sind Einheimische, die über das Brillenangebot informieren und Hemmschwellen bei den Menschen abbauen“, erklärt er.

In Malawi und vielen anderen afrikanischen Ländern kosten die Ein-Dollar-Brillen nur einen Bruchteil dessen, wofür ähnliche Modelle in lokalen Geschäften verkauft werden. Da Stadtbewohner in der Regel über ein wesentlich höheres Einkommen als Menschen aus ländlichen Gegenden verfügen, ist die Preiskalkulation mitunter schwierig. Der Preis von rund drei Tagelöhnen orientiert sich an der ärmsten Bevölkerung. Aufmuth überlegt daher, durch Quersubventionierung den Brillenkauf für Landbewohner noch erschwinglicher zu machen. Rund 4 Millionen Euro benötigt die Organisation, um alle fehlsichtigen Menschen in Malawi mit einer Brille zu versorgen.

Noch ist der Verein EinDollarBrille auf Anschubfinanzierung durch Spenden angewiesen, um Material- und Vorbereitungskosten zu decken. Einen Teil leistet nun die EKFS in Malawi. „Langfristig soll sich das Projekt aber selbst tragen“, sagt der Erfinder der Ein-Dollar-Brille. Er will in erster Linie soziale Probleme lösen und spekuliert nicht auf hohe Gewinne.

Jana Jagalski

 

Link:
http://www.eindollarbrille.de/

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