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Informationstechnologie

„Riesiges Potenzial“

von Tayo Akinyemi

Meinung

Im iHub Nairobi, einem Technologie- und Gründerzentrum, arbeiten Programmierer und Kreative gemeinsam.

Im iHub Nairobi, einem Technologie- und Gründerzentrum, arbeiten Programmierer und Kreative gemeinsam.

In Afrika boomt die IT-Start-up-Branche. In immer mehr Ländern und Städten gründen sich sogenannte Tech-Hubs: Technologie- und Gründerzentren, in denen Programmierer und Kreative gemeinsam Ideen entwickeln. Das Netzwerk AfriLabs vereint 27 Hubs in 15 afrikanischen Ländern. Tayo Akinyemi, die Leiterin von Afri­Labs, beschreibt, wie die Unterstützung von Tech-Start-ups die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents fördern kann.

Technologie-Hubs verbreiten sich in Afrika so rasant, dass man nirgends konkrete Daten über ihre Anzahl finden kann. Wie ist dieser Trend entstanden?

Tech-Hubs werden für die lokalen Tech-Communities gegründet. Zum Beispiel mussten sich die Gründer von Ushahidi in Kenia, einer Open-Source-Software für interaktive Karten, immer in Cafés treffen. Dem Team wurde klar, wie dringend die Programmierer in Nairobi einen gemeinsamen Arbeitsplatz brauchten. So ist der iHub Nairobi entstanden. In den meisten anderen Ländern verlief es ähnlich. 2011 haben einige dieser Hubs das Netzwerk AfriLabs gegründet.

Was ist das Ziel von AfriLabs?

AfriLabs ist eine Plattform für Wissens­transfer und Zusammenarbeit zwischen Tech-Hubs.

Gibt es konkrete Zahlen zum Einfluss der IT-Branche auf die Volkswirtschaften?

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass die IT- und Internetbranche im Jahr 2025 bereits rund zehn Prozent des Brutto­inlandsprodukts ausmachen könnte. Sie würde 300 Milliarden Dollar erwirt­schaften – heute sind es gerade mal
18 Milliarden.

Ein großes Problem vieler Start-ups ist, Investoren zu finden. Wie finanzieren die Hub-Mitglieder ihre Unternehmen?

Die Finanzierung ist für viele die größte Hürde. Besonders schwer ist es, Investoren zu finden, die schon in der Seed-Phase investieren, also während der Ideenentwicklung und Testphase. In anderen Weltregionen verlassen sich Gründer oft auf die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten. In den afrikanischen Ländern ist diese Unterstützung aber oft nicht möglich. Aber es entstehen immer mehr internationale Plattformen wie zum Beispiel VC4Africa (Venture Capital for Africa). Das ist ein Netzwerk für Investoren, die in Afrika aktiv werden möchten.

Wieso weckt die IT-Branche in Afrika plötzlich solches Interesse bei internationalen Investoren?

Sie hoffen vor allem, gute Renditen zu erzielen. Die Wachstumsraten in Europa und den USA sind verglichen mit vielen afrikanischen Ländern niedrig. Die Mittelklasse wächst und wird zunehmend konsumstärker. Es gibt zwar Risiken, aber es winken auch hohe Gewinnmargen.

Wie erfolgreich ist die afrikanische IT-Industrie bisher? Ushahidi hat ja große Aufmerksamkeit erregt, und auch mobile Bezahlsysteme sind mittlerweile weit verbreitet.

Ja, aber wir warten noch auf weitere große Projekte. Das „Facebook Afrikas" muss noch erfunden werden.

Was bremst die Branche noch?

Es gibt natürlich viele Hürden, und jedes Unternehmen hat seine eigenen Probleme. Viele afrikanische Start-ups entwickeln zurzeit B2C-Lösungen, also Anwendungen für Endkunden. Ich denke manchmal, dass uns vielleicht Möglichkeiten dadurch entgehen, dass nicht mehr B2B-Geschäftsmodelle entwickelt werden, also Anwendungen, die kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen.

M-Pesa ist eines der besonders erfolgreichen afrikanischen Tech-Unternehmen. Was war hier der Schlüssel zum Erfolg?

In erster Linie bedient M-Pesa eine reale Nachfrage. In den USA zum Beispiel entwickeln sich mobile Zahlsysteme nur sehr langsam, weil sie schlicht nicht gebraucht werden. M-Pesa bietet Finanzdienstleistungen für Menschen an, die vorher keinen Zugang dazu hatten.

Viele der Programmierer in den Hubs entwickeln Anwendungen für Handys oder Smartphones und weniger für PCs. Woran liegt das?

Die meisten Afrikaner nutzen nur mobiles Internet. Viele besitzen allerdings nicht einmal Smartphones – nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung nutzen Smartphones.

Könnte die Entwicklungshilfe Start-ups in Afrika unterstützen, oder sollte sie sich besser raus­halten?

Entwicklungshilfe kann etwas bewirken. Die Gründer brauchen vor allem strategische Investitionen, weil sie hauptsächlich in der Startphase große Probleme mit der Finanzierung haben. Außerdem ist es nicht einfach für sie, die richtigen Mentoren und Netzwerke zu finden. Entwicklungsorganisationen könnten ihnen günstiges Kapital anbieten und Risiko auf sich nehmen. Viele stehen diesem „günstigen Geld" für Start-ups jedoch kritisch gegenüber. Jedenfalls bräuchte die Politik für diese Investition einen etwas anderen Ansatz. Klassische Entwicklungshilfe funktioniert oft sehr top-down. Für Investitionen werden Leistungen erwartet: Zum Beispiel gibt man Geld dafür, dass eine Schule gebaut wird. Die Hubs bräuchten aber Investitionen in Projekte, bei denen das Ergebnis noch nicht feststeht – und die am Ende auch scheitern könnten.

Die Fragen stellte Eva-Maria Verfürth.

Tayo Akinyemi ist die Leiterin von AfriLabs, einem Netzwerk von Technologie- und Gründerzentren in Afrika.
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