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Orthodoxe Lehrmeinungen

Jenseits von Strukturreformen

In Krisen betonen die etablierten internationalen Finanzinstitutionen (IFI) regelmäßig die Notwendigkeit von „Strukturreformen“. Das ist nicht völlig falsch, aber auch nicht ganz richtig.
Infrastrukturinvesti­tionen sind die Grundlage künftigen Wachstums: kambodschanische Baustelle. Allgöwer/Lineair Infrastrukturinvesti­tionen sind die Grundlage künftigen Wachstums: kambodschanische Baustelle.

Strukturreformen sind notwendig:

  • weil Arbeitsmärkte dazu da sind, dass Menschen Arbeit finden,
  • Regierungen nicht permanent mehr ausgeben können, als sie an Einnahmen generieren, und
  • Unternehmen schwächer werden, wenn sie vom Wettbewerb abgeschirmt werden.

Andererseits sind die etablierten IFI-Doktrinen oft dogmatisch und unrealistisch. Reformen müssen aber nicht nur ökonomischen Lehrbüchern entsprechen, sondern auch politisch machbar sein.

IFI-Volkswirte konzentrieren sich häufig auf ausgeglichene öffentliche Haushalte und übersehen, dass Kürzungen bei Bildung und Infrastruktur – den Grundlagen künftigen Erfolges – schädlich sind. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Damit Strukturreformen gelingen, müssen sie klug gestaltet werden, ausgewogen sein und lokalen Bedürfnissen entsprechen.

Obendrein erfordern sie Zeit. Haushaltskonsolidierung ist am sinnvollsten, wenn Strukturreformen schon Ergebnisse zeigen und die Wirtschaft sich erholt. Wer Haushalte zu früh sanieren will, verschärft die Krise und erschwert die Reformpolitik. Zudem ist zu bedenken, dass wir in einer eng vernetzten Welt leben. Je tiefer ein Land in der Krise versinkt, desto schlechter wird die Aussicht für andere( siehe auch Hauptartikel). (ija)

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