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Entwicklungsfinanzierung

Nachhaltigkeit im ­Bankensektor

von Meike Goetze, Claas Langner

Hintergrund

Entwicklungsfinanzierer fördern Nachhaltigkeit im Finanzbereich: Schalter des DEG-Partners Fidelis Bank in Ghana.

Entwicklungsfinanzierer fördern Nachhaltigkeit im Finanzbereich: Schalter des DEG-Partners Fidelis Bank in Ghana.

Die Akteure des Finanzmarkts können einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten, wenn sie bei der Finanzierung von Investitionen Umwelt- und Sozialaspekte berücksichtigen. Entwicklungsfinanzierer wie die DEG fördern die Integration von Umwelt- und Sozialstandards bei Investitionen und Kreditvergabe. Sie prüfen Umwelt- und Sozialrisiken, beraten ihre Kunden dahingehend und engagieren sich für Nachhaltigkeitsprinzipien im Bankensektor.

Entwicklungsfinanzierer investieren in privatwirtschaftliche Vorhaben, die sich in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht positiv auf die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort auswirken. Neben Direktfinanzierungen für Unternehmen aller Branchen fördern sie den Aufbau von Finanzinstituten. Von diesen sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) profitieren, die sonst kaum Zugang zu langfristigem Investitionskapital haben. Bei jeder Finanzierung prüfen Entwicklungsfinanzierer im Vorfeld die damit verbundenen potenziellen Umwelt- und Sozialwirkungen und ermitteln Möglichkeiten, um bedarfsweise nachteilige Auswirkungen zu vermeiden, abzumildern oder auszugleichen.

Als internationaler Referenzrahmen für Umwelt- und Sozialstandards gelten dabei die Bewertungskriterien der International Finance Corporation (IFC), die Teil der Weltbankgruppe ist. In den IFC Performance Standards sind nicht nur die 2011 verabschiedeten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte umfassend berücksichtigt, sie definieren auch Mindeststandards und Richtlinien für verschiedene Branchen und Sektoren. Außerdem stellen sie die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO) in Bezug auf Versammlungsfreiheit, Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Diskriminierung sicher.

Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen und die Durchsetzung angemessener Sozialstandards fördern nicht nur die nachhaltige Entwicklung von Ländern, deren Einwohnern und Unternehmen. Auch Banken profitieren davon, wenn die von ihnen finanzierten Unternehmen hohe Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Denn so reduzieren sie Umwelt- und Sozialrisiken ihrer Investitionen (Strafzahlungen, Verlust der Betriebsgenehmigung, Streiks etc.) sowie wirtschaftliche und Reputationsrisiken und sie erhöhen die finanzielle Nachhaltigkeit. Gleichzeitig eröffnet ein angemessenes Management von Umwelt- und Sozialrisiken auch Chancen. Diese reichen vom Zugang zu neuen Absatzmärk­ten über Kostenreduzierung bis hin zu verbesserten Rekrutierungsmöglichkeiten von qualifiziertem Personal. Insgesamt kann das Management von Umwelt- und Sozialfragen die Marktposition der finanzierten Unternehmen verbessern.

Entwicklungsfinanzierer wie die DEG mobilisieren mit ihrem Engagement oft weitere Kapitalgeber. Auch bei der Etablierung von Umwelt- und Sozialstandards im Finanzsektor nehmen sie eine Vorreiterrolle ein, indem sie ihre Kunden und ihre Netzwerkpartner für das Thema sensibilisieren und gemeinsames Handeln vorantreiben. Dieses Engagement ist von großer Bedeutung, weil lokale Banken und Fonds eine wichtige Multiplikatorenrolle bei der Verbreitung von Umwelt- und Sozialstandards in den von ihnen mitfinanzierten Unternehmen einnehmen.

Daher kofinanziert die DEG über „Business Support Services“ etwa die Einführung von Umwelt- und Sozialmanagementsystemen (USMS), mit denen Risiken identifiziert und gesteuert werden können. Dazu kooperiert die DEG mit spezialisierten Beratern. Das Spektrum der Maßnahmen umfasst beispielsweise Vor-Ort-Besuche, die Entwicklung spezifischer Instrumente und Anwendungen und deren Implementierung, Schulungen für die Mitarbeiter sowie eine Evaluation der Funktionalität der USMS. Vergleichbare Beratung bietet die DEG auch Unternehmen in anderen Sektoren wie der Agrar- und Ernährungswirtschaft oder in der verarbeitenden Industrie an.

Des Weiteren setzen sich Entwicklungsfinanzierer dafür ein, bestehende Nachhaltigkeitsansätze zu verstärken und Standards im gesamten Bankensektor eines Landes zu etablieren. Unabhängig von der finanzierenden Bank sollen so die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass der Kunde bei allen Banken gleiche Wettbewerbsbedingungen findet.

Bei der Begleitung solcher sektorweiten Initiativen kann die DEG auch ihre Erfahrungen aus der Einzelberatung von Banken und Spezialfinanzierern zu Umwelt- und Sozialrisiken und der Einführung von Standards einbringen. Denn bereits seit 2002 nutzt die DEG selbst Umwelt- und Sozialmanagementsysteme, um Risiken und positive Wirkungen einer Investition angemessen einordnen und steuern zu können. Darüber hinaus verbreitet die DEG Umwelt- und Sozialstandards im Bankensektor weiter, indem sie Mitarbeiter dieser Institute im Rahmen von Workshops und Schulungsmaßnahmen dafür sensibilisiert.

Mit ihrem Engagement für eine nachhaltige Finanzwirtschaft will die DEG Nachhaltigkeitsfragen im gesamten Bankensektor fördern. Konkret geht es darum, die Durch- und Umsetzung von gemeinsamen Maßnahmen zu koordinieren, um deren Effizienz und Wirksamkeit zu erhöhen. Ziel ist es auch, sich bei Umwelt- und Sozialfragen auf (möglichst anspruchsvolle) Mindeststandards zu verständigen, die bei der Vergabe von Krediten berücksichtigt werden sollen.

In Entwicklungs- und Schwellenländern haben sich verschiedene Initiativen für nachhaltige Finanzwirtschaft mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt. Dabei differenzieren sich zwei Hauptansätze heraus: Ein „Top-down”-Ansatz ist etwa in Bangladesch, China, Indonesien sowie Teilen von Brasilien zu beobachten. Hier setzen sich die zentralen Landesbanken für die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialstandards im Bankensektor ein, auch weil bereits Risiken identifiziert wurden, die den Wettbewerb im Bankensektor beeinflussen.

Ein „Bottom-up“-Ansatz wird zum Beispiel in Ländern verfolgt, in denen es aktive Bankenverbände gibt, die mit Entwicklungsfinanzierern zusammenarbeiten. So haben in der Mongolei Bankenverbände, das Umweltschutzministerium und Entwicklungsfinanzierer gemeinsam Nachhaltigkeitsprinzipen für das Bankenwesen verabschiedet, die acht Prinzipien, eine Ausschlussliste sowie Rahmenrichtlinien für den Bankensektor umfassen. Die DEG hat im Verbund mit anderen euro­päischen Entwicklungsfinanzierern, darunter FMO (Niederlande), Proparco (Frankreich) und OeEB (Österreich), verschiedene Initiativen beider Ansätze unterstützt.


Meike Goetze, seit 2010 in der DEG tätig, ist Senior Investment Manager in der Abteilung Förderprogramme und Beratung und hat langjährige Erfahrung im Bereich Umwelt- und Sozialmanagement­systeme für Finanzinstitutionen.
[email protected]

Claas Langner, ebenfalls seit 2010 in der DEG, ist Senior Fachreferent für nachhaltige Entwicklung in der Abteilung Nachhaltigkeit und Corporate Governance. Er hat langjährige Erfahrung im Bereich Umwelt- und Sozialprüfung im Finanzsektor.
[email protected]

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