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Kulturelles Erbe

Kulturelle Diversität aufzeigen

von Danielle Rotholi, Aida Azarnoush

Heutzutage

Brasilien, Lateinamerikas größtes Land, hat eine sehr vielfältige Kultur. Viele kulturelle Eigenarten in abgelegenen Gebieten sind jedoch nicht sehr bekannt. Revelando os Brasis ist eine Initiative, die Landbewohnern die Möglichkeit gibt, anderen von ihrem Leben zu erzählen.

„Revelando os Brasis“ ist Portugiesisch und heißt so viel wie „die Facetten Brasiliens zeigen“. Die Idee entstand vor 13 Jahren beim Instituto Marlin Azul, einer zivilgesellschaftlichen Organisation. Diese startete das Projekt zusammen mit dem brasilianischen Kulturministerium, um audio-visuelle Medienkompetenz in Brasiliens ländliche Gegenden zu tragen.

Das Projekt ermöglicht Menschen, ihre Geschichten auf Video zu erzählen, anstatt Aufsätze oder Bücher zu schreiben. Auf diese Weise wird ein Mosaik von Brasiliens kultureller Vielfalt geschaffen. Revelando os Brasis hilft Amateuren aus entfernt gelegenen Gebieten, 15-minütige Dokumentarfilme über ihren Heimatort zu drehen.

Jedes Jahr veröffentlicht das Projekt eine Ausschreibung, wo sich Amateure mit einem Vorschlag bewerben können. Die Zielgruppe sind Menschen aus Orten mit weniger als 20 000 Einwohnern. Davon werden 20 bis 40 Teilnehmer ausgesucht und für einen zweiwöchigen Workshop nach Rio de Janeiro eingeladen, um dort zu lernen, wie man einen Kurzfilm dreht.

Die ausgewählten Personen haben unterschiedliches Alter und Berufe. Lehrer, Journalisten, Studenten, Maurer, Soziologen und sogar ein pensionierter Eisenbahnarbeiter waren diesmal dabei. Ihre Vielfalt spiegelt sich in den Videos, die von den regionalen Dialekten, Gewohnheiten, Tanz- und Musikstilen handeln. Sie konzentrieren sich auf die „unbeachtete“ Kultur, für die sich die Medien kaum interessieren.

Viele Teilnehmer kommen zum ersten Mal in ihrem Leben nach Rio, berichtet Beatriz Lindenberg, die Gründerin des Instituto Marlin Azul. „Da gibt es Leute vom Lande, die zum ersten Mal eine Rolltreppe sehen“, erzählt sie. „Wir schaffen hier eine Umgebung des Teilens und der Solidarität.“

Wenn die Teilnehmer nach dem Workshop nach Hause zurückkehren, haben sie ein Drehbuch geschrieben, einen Produktionsplan entworfen und haben das Geld bekommen, um einen Dokumentarfilm zu machen. Innerhalb von drei Monaten muss dieser fertig sein.

„Dieses Projekt hat mein Leben völlig verändert“, sagt Arthur Leite, der im Jahr 2010 teilnahm. „Ich wurde in einem Dorf im Staat Ceará geboren. Seit ich ein Kind war, wollte ich Filme machen, aber das war unvorstellbar und unmöglich.“ In seiner Dokumentation geht es um einen architektonischen Komplex aus grobem Stein, den eine Familie in seinem Heimatdorf gebaut hat.

Diese Filme werden nicht nur in Kulturzentren der großen Städte gezeigt. Weil viele Heimatdörfer der Teilnehmer kein Kino haben, organisiert das Instituto Marlin Azul kostenlose Vorführungen: Sie kommen mit Lastwagen, auf denen Projektoren, Leinwände und Lautsprecher montiert sind, so dass die Dorfbewohner all die Filme sehen können, die Brasiliens erstaunliche kulturelle Vielfalt zeigen.


Danielle Rotholi ist Dokumentar-Filmemacherin und lebt in Bonn.
[email protected]

Aida Azarnoush ist Journalistin und lebt in Bonn.
[email protected]


Link
Revelando os Brasis:
http://www.revelandoosbrasis.com.br/

 

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