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Linguistik

Europäische Sprachen dominieren in Afrika

von Katja Dombrowski

In Kürze

Bibel in Bari, einer Sprache, die im Südsudan und in Uganda gesprochen wird.

Bibel in Bari, einer Sprache, die im Südsudan und in Uganda gesprochen wird.

Sprache ist neben nonverbalen Signalen das wichtigste Mittel menschlicher Kommunikation. Die Sprache, die wir sprechen, verbindet uns mit Menschen, die sie ebenfalls sprechen, und trennt uns von anderen. Sprache transportiert Werte, Traditionen und Vorstellungen – etwa von Raum und Zeit – und formt das Denken. Sie ist Ausdruck von Bildung und stellt eine wesentliche Grundlage gesellschaftlicher Teilhabe dar.

Indem die Kolonialverwaltungen der Bevölkerung in den Kolonien ihre – europäischen und damit sehr fremden – Sprachen aufzwangen, griffen sie somit tief in die Identität der Völker ein. Englisch, Französisch und Portugiesisch wurden zu Sprachen der Bildung und zu Amtssprachen – und sind es bis heute. In vielen Ländern Afrikas spricht die Elite auch Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht. In fast allen Ländern ist sie – oft die einzige – Amtssprache sowie Unterrichtssprache.

In Kamerun, das teilweise unter britischer und teilweise unter französischer Herrschaft stand, sind Englisch und Französisch die Amtssprachen, im ehemals belgischen Ruanda sind es Französisch, Englisch und Kinyarwanda. Eine zusätzliche lokale Sprache als Amtssprache haben unter anderem auch Botswana (Englisch und Setswana), Malawi (Englisch und Chichewa) und Burundi (Französisch und Kirundi). Äthiopien (Amharisch), das nie Kolonie war, Somalia (Somali und Arabisch) und Tansania (Swahili und Englisch, Letzteres aber nur im Verkehr mit Ausländern) sind Ausnahmen, in denen keine europäische Sprache dominiert. Südafrika hat 11 Amtssprachen, wobei Englisch die führende Verkehrssprache ist.

Das Überstülpen fremder Sprachen durch die Eroberer hatte sowohl trennende als auch verbindende Effekte, die bis in die Gegenwart wirken. Sprachliche Grenzen wurden willkürlich nach Gusto der Kolonialmächte gezogen und spalteten ehemals weitgehend homogene Gruppen, etwa in Kamerun, wo heute Konflikte zwischen dem frankophonen und dem anglophonen Teil der Bevölkerung lodern (siehe Haupttext). Ausgrenzung entstand außerdem dadurch, dass in der Regel ausschließlich oder überwiegend die städtische Bevölkerung Zugang zur Kolonialsprache und – eng damit verbunden – zu Bildung hatte.

Noch heute ist es so, dass in vielen Ländern die Landbevölkerung ausschließlich lokale afrikanische Sprachen spricht und die städtische Elite eine Weltsprache, die das Tor zu Bildung in Nordamerika oder Europa, zu internationalen Beziehungen und besseren Arbeitsmöglichkeiten ist. Umgekehrt spricht diese Elite zuweilen die lokalen Sprachen nicht mehr gut.

Wenn in der Schule nicht in der Muttersprache der Kinder unterrichtet wird, hat das Nachteile: Die betroffenen Kinder müssen zunächst eine neue Unterrichtssprache lernen. Außerdem ist der Fortbestand der lokalen Sprachen, die häufig nur mündlich weitergegeben werden, gefährdet. Mancherorts gelten die lokalen Sprachen als minderwertig; das koloniale Denken lebt somit fort. Sprachwissenschaftler fordern, die Alltagssprachen aus dem privaten Bereich in die Öffentlichkeit zu bringen, etwa durch lokale Radioprogramme, Zeitungen und Zeitschriften oder Buchübersetzungen.

Andererseits ist die europäische Amtssprache in manchen Ländern Afrikas die einzige Sprache, die alle Menschen verbindet. In fast allen Staaten wird eine Vielzahl von Sprachen gesprochen – oft mehrere hundert. Mehrsprachigkeit ist zwar die Norm, aber landesweite Überschneidung die Ausnahme. Englisch, Französisch oder Portugiesisch dienen dort als Lingua franca. Das gilt auch über Staatsgrenzen hinaus: Wer Französisch spricht, kommt in weiten Teilen Westafrikas zurecht, Englisch dominiert im südlichen und östlichen Teil des Kontinents.

Die europäische Verkehrssprache ist zwar die Sprache einer fremden Gewaltherrschaft, steht aber als solche über ethnischen Konflikten und kann somit eine neutrale Rolle spielen. Die beste Lösung für Afrika scheint nicht die komplette Abschaffung der Kolonialsprachen dort zu sein, sondern ein gleichberechtigtes Nebeneinander afrikanischer und europäischer Sprachen. (kd)

 

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