Auslandsjournalismus

Wie man als Journalist*in in ein Krisengebiet kommt

Für Journalist*innen wird Zugang zu Kriegs- und Konfliktregionen immer schwieriger. NGOs, die vor Ort arbeiten, helfen daher bei der Organisation von Reisen in die betroffenen Länder – und profitieren am Ende von der Berichterstattung.
Straßenszene in Mogadischu nach einem militanten Angriff Ende Februar. Ohne Sicherheitsvorkehrungen können sich Medien in Somalia nicht bewegen. picture-alliance/REUTERS/Feisal Omar Straßenszene in Mogadischu nach einem militanten Angriff Ende Februar. Ohne Sicherheitsvorkehrungen können sich Medien in Somalia nicht bewegen.

Martina Dase arbeitet für die internationale Kinderrechtsorganisation Save The Children. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen in den jeweiligen Ländern organisiert sie regelmäßig Pressereisen in Krisengebiete, um Aufmerksamkeit für die Situation der Kinder dort zu schaffen.

In Somalia zum Beispiel herrscht aktuell eine Hungersnot. Wer in das ostafrikanische Land reisen will, um darüber zu berichten, steht vor einem immensen Organisationsaufwand und finanziellen Verpflichtungen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind kompliziert, gepanzerte Wagen und bewaffnete Sicherheitsleute gehören zur Grundausstattung. Die Terrormiliz Al-Shabaab hat viele Gebiete unter ihrer Kontrolle und verübt insbesondere in der Hauptstadt Mogadischu regelmäßig Anschläge mit dutzenden Toten.

Damit trotzdem berichtet werden kann, nimmt Dase mit ihren Mitarbeitenden in Somalia den Medienhäusern die Organisationsarbeit ab, legt die Kosten aus und stellt sie später den Medien anteilig in Rechnung. Weil immer gleich mehrere Teams gemeinsam reisen, können sie sich diese Kosten teilen.

Hilfreiche Kontakte

Auch in Ländern wie dem Südsudan ist es schwierig, überhaupt ein journalistisches Visum oder eine Drehgenehmigung zu bekommen. Da können Kontakte zu NGOs helfen (siehe Haupttext), die wie Save The Children oft bereits seit Jahrzehnten in den jeweiligen Ländern arbeiten und quasi für die Berichterstattenden bürgen. Um aber die Organisationsarbeit vor Ort nicht zu gefährden, erklärt Martina Dase, müssen sich die Journalist*innen an bestimmte Abmachungen halten. Sie sind zum Beispiel aufgefordert, transparent zu machen, mit wem sie sonst noch im Land sprechen – und worüber. Die meisten berichten dann auch zumindest am Rand über die NGO, mit der sie reisen; nicht zuletzt als Dank für den geleisteten Organisationsaufwand.

Save The Children hat laut Dase selbst den Anspruch, nicht einfach immer wieder die gleichen Kinderbilder zu zeigen, sondern Zugang zu komplexeren Geschichten zu ermöglichen.

Aber: „Auch für uns ist der Bewegungsradius in Krisenregionen eingeschränkt“, sagt die ehemalige Filmemacherin. „Es ist ein bestimmter Ausschnitt der Wirklichkeit, zu dem wir Zugang haben und den wir zeigen können.“

Birte Mensing arbeitet als freiberufliche Journalistin in Nairobi.
birte.mensing@web.de

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