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Krebs

Unbezahlbare Behandlung

von Max Klein, Jörg Schaaber

In Kürze

Krebskranke Kinder in armen Ländern haben viel geringere Überlebenschancen als kranke Kinder in reichen Ländern: Junge Krebspatienten in Dhaka, Bangladesch.

Krebskranke Kinder in armen Ländern haben viel geringere Überlebenschancen als kranke Kinder in reichen Ländern: Junge Krebspatienten in Dhaka, Bangladesch.

Neben unzureichender medizinischer Infrastruktur sind hohe Medikamentenpreise ein wesentliches Hindernis bei der Behandlung von Krebserkrankungen in Ländern mit niedrigem Einkommen.

So schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Medikamentenkosten für die Behandlung einer Frau mit Brustkrebs in Indien 18 500 Dollar und in Südafrika 33 900 Dollar betragen. Das entspricht in beiden Ländern jeweils ungefähr dem zehnfachen eines jährlichen Durchschnittseinkommens. Trotz höherer Preise in den USA fallen dort nur 1,7 Jahreseinkommen für die Behandlung an.

In ihrem Projekt „Unbezahlbar krank?“ analysiert die BUKO Pharma-Kampagne den Zugang zu verschiedenen Wirkstoffen in der Krebsversorgung im globalen Süden. Dort nehmen die Fallzahlen rasant zu und werden von hoher Mortalität begleitet. Jene steht in extremem Kontrast zum globalen Norden: Während in Ländern mit hohem Einkommen beispielsweise mehr als 80 Prozent der Kinder ihre Krebserkrankung mehr als fünf Jahre lang überleben, sind es in ärmeren Ländern weniger als 30 Prozent.

Beispiele vom afrikanischen Kontinent zeigen die Tragweite auf. Brustkrebs ist in Äthiopien die häufigste Krebsart und bedeutet für die Mehrheit der Betroffenen ein Todesurteil: Rund zwei Drittel der erkrankten Frauen sterben daran, während etwa in Deutschland zwei Drittel überleben. Selbst ältere Präparate wie Tamoxifen sind für viele Patientinnen in dem afrikanischen Land unbezahlbar.

In Tansania ist die Krebsbehandlung theoretisch kostenlos. In der Praxis entstehen für Patienten jedoch oft hohe Ausgaben, auch durch Medikamente. In den Krankenhäusern sind wichtige Präparate regelmäßig nicht vorrätig. In solchen Fällen werden Patienten an private Geschäfte verwiesen, um die fehlenden Medikamente zu kaufen. Dabei lebt schätzungsweise etwa die Hälfte der tansanischen Bevölkerung unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 1,90 Dollar pro Tag. Mitunter sind in ärmeren Ländern Afrikas einzelne Krebsmedikamente sogar teurer als in Deutschland.

In vielen Staaten beginnt sich die Zivilgesellschaft jedoch zu wehren. Krebs-Aktivisten der Cancer Alliance etwa drängen in Südafrika im zivilgesellschaftlichen Bündnis „Fix the patent laws!“ auf besseren Zugang zu teuren Krebsmedikamenten. Die anbietenden Firmen aus dem globalen Norden, wie Roche oder Bayer, rechtfertigen hohe Preise gerne mit ihren hohen Entwicklungskosten. Ihre tatsächlichen Aufwendungen sind aber völlig intransparent, und Produktionskosten liegen meist niedrig. Sicher ist: Mit den Produkten werden weltweit Milliardenumsätze erzielt. Und die Pharmaindustrie gehört seit langem zu den lu­krativsten Branchen weltweit.


Link
BUKO Pharma-Kampagne, 2021: Unbezahlbar krank?
www.bukopharma.de/de/krebs

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