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Mobile Reporting

Möglichkeiten des digitalen Journalismus

von Ochan Hannington

Hintergrund

Südsudanesische Journalistin in Kenia.

Südsudanesische Journalistin in Kenia.

Todesdrohungen und Schikanen gegenüber Journalisten sind im Südsudan häufig. Laut der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen hat der andauernde bewaffnete Konflikt die Lage in den vergangenen zwei Jahren noch verschärft. 2015 wurden sieben Journalisten von unbekannten Gangstern getötet.

Im August 2015 drohte Salva Kiir, der Präsident Südsudans, auf einer Pressekonferenz an, Journalisten ermorden zu lassen, „wenn sie gegen den Staat arbeiten“. Drei Tage später wurde ein Reporter, Peter Moi, auf offener Straße erschossen. Das Verbrechen löste Panik unter den Medienschaffenden aus. Staatliche Sicherheitsorgane haben bereits viele Journalisten verhaftet und mehrere Medienhäuser geschlossen.

2015 stand der Südsudan an 125. Stelle von 180 Ländern im World Press Freedom Index, den Reporter ohne Grenzen veröffentlichen. Das zeigt deutlich, dass dieser Staat für Journalisten einer der gefährlichsten weltweit ist.

Viele Medienschaffende sind ins Exil geflohen und haben wenig Hoffnung, bald zurückzukehren, obwohl offiziell der Friedensprozess läuft. Joseph Nashion ist einer von ihnen. “Die Leute, die mir nach dem Leben trachten, laufen noch frei herum”, sagt er. Er hatte Droh-SMS von Unbekannten auf seinem Handy empfangen und deswegen seine Heimatstadt Yambio verlassen. Im August 2015 floh er nach Uganda, wo er ein neues Leben beginnen wollte.

Er war nunmehr arbeitslos – aber er hatte noch sein Smartphone. Mit Techniken des Mobile Reporting und speziellen Apps, um professionelle Audios und Videos von hoher Qualität zu machen, lernte Joseph, sein Smartphone als kostengünstige Alternative zu dem üblichen Aufnahme- und Filmequipment zu nutzen.

Es war jedoch schwierig, weiterhin in seinem Beruf als Journalist zu arbeiten. Er hatte keinen Zugang zu lokalen Redaktionen, und ihm fehlte sein Netzwerk professioneller Kontakte. Auch jetzt noch kratzt er mühsam seinen Lebensunterhalt zusammen.

Die Deutsche Welle Akademie bildet Journalisten in mehreren ostafrikanischen Ländern zu „Mobile Reportern“ aus. Mobile Reporting ist eine kostengüns­tige Art und Weise der Berichterstattung, die ohne teure Kameras oder Aufnahmegeräte auskommt. Spezielle kostenlose Apps ermöglichen es, Video- oder Audiodateien auf dem Smartphone zu schneiden, so dass man keinen Schneideraum in einem Sender benötigt – nicht einmal einen Computer.

Exil-Journalisten profitieren vom Mobile Reporting. Sie können beispielsweise aus einem Flüchtlingslager heraus arbeiten und ihre Beiträge an weit entfernte Auftraggeber schicken. Sie nutzen ihre Smartphones zum Filmen, für Tonaufnahmen und Schnitt, zum Schreiben des Manuskripts und Überspielen des Berichts.

Pernille Bærendtsen ist eine dänische Journalistin, die bei Workshops der DW Akademie diese Fertigkeiten unterrichtet. Sie trainierte Joseph und einige seiner exilierten südsudanesischen Kollegen in Uganda in Mobile Reporting. Sie sagt, Mobile Reporting biete Medienschaffenden im ländlichen Afrika viele Möglichkeiten, „weil es sie befähigt, unabhängig zu arbeiten“.


Bürgerradio

Kostengünstig mit dem Smartphone zu arbeiten ist nicht nur für freie Journalisten attraktiv, sondern auch für kleine Medienhäuser. Ein Beispiel ist das Bürgerradio Speak FM im nördlichen Uganda. Speak FM ist eine unabhängige Radiostation, die der zivilgesellschaftlichen Organisation Women in Democracy (FOWODE) gehört.

Der Sender ist recht nahe der südsudanesischen Grenze gelegen, wo das Volk der Acholi den größten Bevölkerungsanteil stellt. Es leben dort aber auch sehr viele südsudanesische Geflüchtete. Lokale Ra­dioprogramme laufen normalerweise auf Acholi, Luo und Englisch. Wenn sie mit Hilfe von Mobile Reportern zusätzlich Programme in südsudanesischen Sprachen oder Arabisch anbieten, können die Sender ihre Hörerschaft auf beiden Seiten der Grenze enorm erhöhen.

Jane Aciro, die Leiterin von Speak FM, meint, alle ihre Mitarbeiter sollten Mobile Reporting beherrschen, weil ihr Sender dann den Menschen besser dienen könne: “Mobile Reporting wird unsere Produktivität erhöhen und die Qualität unserer Sendungen verbessern.”

Dies entspricht auch der Erfahrung internationaler Experten wie Pernille Bærendtsen. Sie sagt: “Der Informationsfluss ist so schnell wie nie zuvor. Lokale Sender und freiberufliche Reporter müssen auf digitalen Journalismus setzen, um die Möglichkeiten der digitalen Welt voll auszunutzen.”

Digitale Medienarbeit ist im ländlichen Uganda jedoch ein neues Phänomen – und bis jetzt beherrschen nur wenige Reporter diese Techniken. Praktische Trainings sind nötig, sagt Bærendtsen. Viele Teilnehmer ihrer Workshops brächten kaum Vorwissen bezüglich der Nutzung von Smartphones und Apps mit.


Begrenzte Freiheit

Auch in Uganda ist das Leben der Journalisten nicht einfach. Die Situation ist besser als im Südsudan, lässt aber noch zu wünschen übrig. Laut Reporter ohne Grenzen steht das Land auf Rang 97 auf dem weltweiten Pressefreiheits-Index. Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren verbessert.

Es gibt aber weiterhin Einschränkungen der Meinungsfreiheit. So mussten während der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 18. Februar 2016 einige Internet-Provider des Landes ihren Betrieb unterbrechen. Der Informationsminister Nyombi Thembo befürwortete im Fernsehen später die „vorübergehende Schließung“ der sozialen Medien: „Es war wichtig, Facebook und Whatsapp stillzulegen, weil so während der Wahlen keine falschen Informationen gepostet werden konnten.“


Ochan Hannington ist ein südsudanesischer Filmemacher und Journalist. Er lebt momentan in Uganda und ist selbst Alumnus eines DW Akademie – Mobile Reporting Workshops.
[email protected]

 

 

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