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Unsere Sicht

Frauenrechte sind für das Gemeinwohl unabdingbar

von Hans Dembowski

Meinung

Demonstrantin in Perus Hauptstadt Lima.

Demonstrantin in Perus Hauptstadt Lima.

Geschlechtergerechtigkeit betrifft alle, nicht nur Frauen.

Wo Frauen in der Politik benachteiligt oder gar ausgegrenzt werden, werden wichtige Sichtweisen nicht artikuliert und der Kreis, aus dem Führungspersonal rekrutiert wird, bleibt unnötig klein. Wo Frauen im Wirtschaftsleben nur untergeordnete Rollen spielen oder gar nicht mitmachen dürfen, ist die Produktivität gering und die Zahl der geldverdienenden Erwerbstätigen zu klein.

Wo Mädchen dagegen in Schulen die gleichen Chancen wie Jungen haben, leisten sie in der Regel ebenso viel – und oft mehr. Allen Menschen steht das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung zu.

Frauen werden weltweit benachteiligt, aber Fortschritte sind klar erkennbar. An der Spitze von Welthandelsorganisation und Internationalem Währungsfonds stehen heute Frauen. Bangladesch hat eine Premierministerin und Tansania eine Präsidentin. Honduras hat kürzlich eine Frau zum Staatsoberhaupt gewählt. Im neuen Bundeskabinett besetzen Frauen acht von 17 Posten, und das vorherige leitete eine Frau.

Traditionell ist die weibliche Rolle oft nur auf Familie und Haushalt beschränkt, was mit dem biologischen Unterschied zwischen Frauen und Männern zu tun haben mag. Männer bekommen keine Kinder und können nicht stillen. Während Schwangerschaften sind Frauen besonderen Risiken ausgesetzt. Vorstellungen von männlicher Dominanz gehen vermutlich darauf zurück, dass Männer im Schnitt stärker sind und Mütter kleiner Kinder besonderen Schutz brauchen. Religionen wie Christentum, Islam und Hinduismus haben solche Vorstellungen verfestigt. Schutzbedürfnisse berechtigen jedoch nicht zu Unterdrückung.

Normen wandeln sich im Lauf der Zeit. Hohe Kinderzahlen sind wichtig, wo die Kindersterblichkeit hoch ist. Wo dagegen die Lebenserwartung hoch ist, wächst voraussichtlich jedes Baby zum Erwachsenen heran – und dann lohnt es sich für Eltern, großen emotionalen und finanziellen Aufwand für sie zu betreiben.

International geht steigende Lebenserwartung mit sinkenden Geburtenraten einher. Das ist für die globale Gemeinschaft auch sehr wichtig. Voraussichtlich wird die Weltbevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 11 Milliarden Menschen ansteigen. Weniger wären ökologisch gesehen besser – und mehr katastrophal. Es ist durchaus möglich, dass es weniger sein werden. Indische Frauen bekommen laut aktuellen Regierungsangaben im Schnitt nur noch zwei Kinder, was knapp unter der Reproduktionsrate liegt. Folglich dürfte die indische Bevölkerung nun schon mit 1,6 Milliarden in drei Jahrzehnten ihren Spitzenwert erreichen, anstatt mit 1,7 Milliarden in vier Jahrzehnten.

Sinkende Geburtenraten korrelieren zudem mit besserer Gesundheitsversorgung, besserer Bildung und besserem Zugang zu Verhütungsmitteln. Frauen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können, und dazu gehören auch legale Abtreibungsmöglichkeiten.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert haben erfolgreiche Pionierinnen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Sphären gezeigt, dass Frauen ebenso viel leisten können wie Männer. Junge Mädchen haben entsprechende Vorbilder. Allzu oft werden sie dennoch entmutigt, denn einerseits haben Jungs oft weiterhin mehr Chancen, und andererseits sind sie selbst in höherem Maß sexualisierten Übergriffen und Beschämung ausgesetzt. Frauenrechtskampagnen wollen das ändern. Das Gemeinwohl hängt von ihrem Erfolg ab.


Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z/D+C.
[email protected]

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