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Konflikttransformation

Kollektives Trauma

von Miriam Modalal, Dalilah Reuben-Shemia

In Kürze

Graffiti auf einem Gebäude mit Einschusslöchern an der ehemaligen Frontlinie des libanesischen Bürgerkriegs im Zentrum von Beirut (Foto von 2018).

Graffiti auf einem Gebäude mit Einschusslöchern an der ehemaligen Frontlinie des libanesischen Bürgerkriegs im Zentrum von Beirut (Foto von 2018).

Gewalttätige Konflikte können zur Traumatisierung ganzer Gesellschaften führen. Die Folgen sind kollektive Gefühle von Misstrauen und Angst, oft in Kombination mit starren Denkmustern. Schuldgefühle werden unterdrückt und das Opfersein wird zur Gruppenidentität.

Trauma führt zu Stress, und das kann zu Symptomen der Übererregbarkeit führen. Betroffene neigen dazu, sich leicht zu erschrecken, missmutig, wütend, aufgewühlt oder wie versteinert zu sein. Damit einher gehen oft Schlaf- und Konzentrationsprobleme. Sowohl Einzelne als auch Gesellschaften neigen zu psychischer Betäubung, um sich von den traumatischen Erfahrungen zu lösen. Sie ziehen sich zurück, verlieren das Interesse an Aktivitäten und an anderen Menschen, flüchten vor der Realität.

Kollektives Trauma ist ein noch nicht vollständig abgeschlossener Lernprozess, um mit extremem negativem Stress, Angst und Hilflosigkeit umzugehen (Reimann und König, 2018). Es kann dazu führen, dass Menschen in Konfliktdynamiken gefangen bleiben und Gewalt gegen sich selbst und andere ausüben. Traumasymptome werden oft an die nächste Generation weitergegeben, entweder durch die Erziehung und das Verhalten der Eltern, durch Vererbung oder Sozialisierung. Es handelt sich dann um ein „generationsübergreifendes Trauma“.

Wenn die traumatisierte Gruppe kollektive Gedanken und Gefühle entwickelt, werden diese als kollektive Identitätsmerkmale Teil der Gruppenrealität (Reimann und König, 2018). Das kann einer Heilung im Weg stehen. Narrative von Verlust und Verzweiflung, von Schuld und Scham und/oder eine gemeinsame Opferidentität sind typisch. Die kollektiven Emotionen werden von Misstrauen, Unsicherheit, extremer Verzweiflung oder Apathie bestimmt (Becker, 2004). Starre Denkmuster, Schuldzuweisungen, Vorurteile, Stereotype und ausschließende Normen charakterisieren die kollektiven Denkmodelle oder Glaubenssysteme. All das begünstigt Aggressionen, eine Gewaltkultur und Polarisierung innerhalb der Gruppe.
Eine traumasensible Konflikttransformation bedeutet demzufolge, darauf hinzuarbeiten, dass diese Gruppenidentitätsmerkmale sich in inklusivere Wahrnehmungen der Welt wandeln. Es geht darum, die Resilienz betroffener Gruppen zu stärken, damit diese konstruktive Strategien entwickeln können, um mit dem Erlebten klarzukommen.


Quellen

Becker, D., 2004: Dealing with the consequences of organised violence in trauma work. In: Austin, A., Fisher, M., Rospers, N. (eds): Transforming ethnopolitical conflict. The Berghof Handbook: VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.

Reimann, C., und König, U., 2018: Closing a gap in conflict transformation. Understanding collective and transgenerational trauma.
https://www.ximpulse.ch/wp-content/uploads/1806CollectiveTrauma.pdf

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