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Beteiligung am öffentlichen Leben

„Jugendliche müssen gehört werden“

von Seth Oteng, Susanne Giese

Hintergrund

Brainstorming auf der African Youth and ­Governance Conference.

Brainstorming auf der African Youth and ­Governance Conference.

Afrikas Jugend ist Afrikas Zukunft: Sie ist entscheidend für die Entwicklung des riesigen Kontinents. Die zivilgesellschaftliche Jugendorganisation Youth Bridge Foundation (YBF) aus Ghana setzt auf Vernetzung und Ideenaustausch auf internationaler Ebene, um jungen Menschen Selbstsicherheit zu geben und ihren Horizont zu erweitern. YBF-Gründer Seth Oteng sprach mit Susanne Giese über die verschiedenen Aktivitäten seiner Organisation.

Wie sind typischerweise die Job­aussichten und die Möglichkeiten ­gesellschaftlicher Mitgestaltung für junge Menschen in Afrika?
Jedes Jahr schwemmen rund 9 Millionen junge Menschen auf die afrikanischen Arbeitsmärkte. In den meisten Länder ist die Rate der Arbeitslosen und der Schulabbrecher hoch. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Afrika sind Analphabeten. Ohne Bildung, ohne vernünftige Jobaussichten und ohne Zukunftsperspektiven fühlen sich viele junge Menschen von der Gesellschaft ausgeschlossen. Daraus entstehen soziale Risiken. Erschwerend kommt hinzu, dass in unserer Kultur Alter mit Weisheit gleichgesetzt und Jugendliche von jeher marginalisiert werden.

Wie kann dem entgegengewirkt ­werden?
Die Regierungen der afrikanischen Länder und die Afrikanische Union (AU) sollten Schulabbrechern auf dem Weg der Erwachsenenbildung eine zweite Chance geben. Wichtig sind langfristige Investitionen ins Bildungssystem und finanzielle Unterstützung von Schülern und Studenten. Die jungen Menschen selbst sollten proaktiver mit ihrer Situation umgehen und sich um ihre eigene Bildung und Ausbildung bemühen. Hilfreich ist der Erfahrungsaustausch untereinander sowie Freiwilligenarbeit, um Fertigkeiten zu entwickeln.

Das Aushängeschild von YBF, die African Youth and Governance Conference (AYGC), fand im vergangenen Jahr erstmals in Sambia statt. Warum sind Sie nicht in Ghana geblieben?
Die Konferenz war von Anfang an Afrika-weit gedacht. In den ersten fünf Jahren der AYGC in Ghana kamen jedoch 60 bis 70 Prozent der Teilnehmer aus westafrikanischen Ländern. Die Ausweitung auf andere Regionen war dringend nötig. Unsere Organisation hat einen neuen Ableger in Sambia, und der hat uns die Tür zum südlichen Afrika geöffnet. Außerdem hat es uns als Organisatoren gut getan, etwas Neues zu probieren.

Was haben Sie denn dieses Mal ­anders gemacht?
Wir haben in Lusaka mehrere neue Ansätze verfolgt, zum Beispiel:

  • Zu Beginn der Konferenz gab es verschiedene Teambuilding-Aktivitäten in kleinen Gruppen. Dadurch sind die Teilnehmer zusammengewachsen und konnten später inhaltlich gut zusammenarbeiten.
  • Wir haben Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen gebildet, die von jungen Leuten geleitet wurden, die vor der Konferenz darauf vorbereitet worden waren. Die Arbeitsgruppen mussten Vorschläge erarbeiten und diese im Plenum vorstellen und verteidigen.
  • Neu waren auch Einheiten, in denen Experten Hintergrundinformationen zu relevanten Themen gegeben haben. Damit wollten wir der Gefahr vorbeugen, dass Diskussionen zu sehr an der Oberfläche blieben. Ein Vertreter des ghanaischen Außenministerium hat zum Beispiel die Arbeitsgruppe Außenbeziehungen unterstützt und ein Experte von der African University for Sanitation and Waste Management in Ghana die Umweltgruppe.

Die Ergebnisse der Konferenz sind hinterher in die Lobbyarbeit von YBF eingeflossen. Wir haben die erarbeiteten Ansätze an das ghanaische Außenministerium, an unsere internationalen Entwicklungspartner und an viele Unternehmen in Afrika geschickt.

Was sind denn die Forderungen?
Eine der wichtigsten Forderungen an die AU besteht darin, eine Jugendkommission einzurichten, die dann auch ihr eigenes Budget haben muss. Im Bildungsbereich appellieren die Konferenzteilnehmer an die afrikanischen Regierungen, Zugang zu guter Bildung auf allen Ebenen für Menschen mit Behinderung sicherzustellen. Außerdem wollen sie kostenlose, qualitativ hochwertige Schulbildung bis einschließlich der weiterführenden Schulen erreichen. Das sollte auf der Prioritätenliste der nationalen Regierungen weit oben stehen und im Haushalt eingeplant werden.

Die Konferenz scheint ein großer ­Erfolg gewesen zu sein. War es schwierig, eine so große Veranstaltung im Ausland auszurichten?
Es war eine große Herausforderung. Wir mussten in einer ganz neuen Umgebung arbeiten, ein Team vor Ort vorbereiten und sambische Sponsoren finden. Leider haben wir viele der früheren Teilnehmer aus Westafrika verloren, weil sie sich die Flugtickets nicht leisten konnten.

Also war es ein Fehler, nach Sambia zu gehen?
Nein, ich bin froh über diesen Schritt. Mit dem neuen Konzept hat sich die Konferenz inhaltlich verbessert. Durch die geringeren Teilnehmerzahlen ist die Arbeit intensiver geworden. Wir werden das neue Format für die diesjährige AYGC in Johannesburg übernehmen.

Anfang 2014 hat die YBF das erste ­Euro-Afrikanische Jugendparlament in Berlin mit ausgerichtet. Worum ging es dabei?
Die Idee war, zwei ähnliche Veranstaltungen zusammenzubringen: unsere African Youth and Governance Conference und das Europäische Jugendparlament. Das deutsche Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die Initiative finanziert.

Wie hat der partnerschaftliche ­Ansatz funktioniert?
An der Konferenz haben Vertreter aus 21 afrikanischen und 30 europäischen Ländern teilgenommen. Eine derart interkulturelle Kommunikation geht natürlich immer mit gewissen Differenzen einher. Junge, gebildete Menschen neigen dazu, Unterschiede nach dem Motto „Wir sind alle Menschen“ zu verneinen und ein weltoffenes, von jeglichen Vorurteilen freies Selbstbild zu kultivieren. Aber interkulturelle Zusammenstöße kommen nun einmal vor, und so war es auch in Berlin.

Was kann man dagegen tun?
Die Teilnehmer haben in Kleingruppen gearbeitet, um gegenseitige Akzeptanz zu fördern und auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Euro-afrikanische Differenzen konnten so leichter überbrückt werden. In Zukunft sitzen womöglich die gleichen Teilnehmer in Meetings auf EU-AU-Ebene – und sie haben die interkulturellen Differenzen bereits überwunden! Wir haben aus Berlin viele neue Ideen zur Ausrichtung von Jugenddiskussionsforen mitgenommen.

Was tun Sie zu Hause, um mehr ­Jugendliche dazu zu bewegen, Afrikas Entwicklung mitzugestalten?
Wir haben eine internetbasierte Plattform namens Ybridge eingeführt, zunächst in vier Distrikten. Sie basiert auf einer Software des deutschen Vereins Liquid Democracy. Jugendliche können darüber Themen aufbringen, mit anderen diskutieren und schließlich über einen Lösungsvorschlag oder eine politische Forderung abstimmen. Diese gehen an lokale Verantwortungsträger, etwa in den Gemeinderäten.

YBF gibt also jungen Menschen eine Stimme.
Eine Stimme ist wichtig – sie muss aber auch gehört werden. Die jungen Leute möchten von den Verantwortlichen ernst genommen werden. Daher versuchen wir, diese zu sensibilisieren und ihre Unterstützung zu gewinnen.

Wird die Internet-Plattform ­angenommen?
Die Beteiligung der Mitglieder der lokalen Verwaltungen und des ghanaischen Parlaments ist unabdingbar. Wir wollen, dass junge Menschen im nationalen Entwicklungsplan berücksichtigt werden und freuen uns über die Unterstützung des Informationsministeriums. Die größte Hürde besteht in der noch geringen Verbreitung des Internets in Ghana. Eine Smartphone-Version, mit der wir auch Nutzer in abgelegenen Gegenden erreichen könnten, wäre wunderbar. Dieses Jahr wird zeigen, ob Ybridge Erfolg hat. In Zukunft könnten wir darüber auch unsere internationale Vernetzung vorantreiben.

 

Seth Oteng ist Gründer und Leiter der Youth Bridge Foundation (YBF).
[email protected]

Links:
Youth Bridge Foundation:

http://www.youthbridgefoundation.org
Internet-Plattform Ybridge:
https://ybridge.ypart.eu/instance/ybridge

 

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