D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Menschenrechte

„Uns bleibt nur der Tod“

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Eine Aktivistin steht vor dem Büro der zivilgesellschaftlichen Organisation COPINH, die sich für die Rechte der Indigenen einsetzt, in La Esperanza, Intibucá, Honduras.

Eine Aktivistin steht vor dem Büro der zivilgesellschaftlichen Organisation COPINH, die sich für die Rechte der Indigenen einsetzt, in La Esperanza, Intibucá, Honduras.

Rund 450 Millionen Angehörige von 5000 indigenen Völkern weltweit leben in der Regel eng mit der Natur verbunden. Klimaveränderungen, aber auch rapide Industrialisierung gefährden ihre Lebensweise. Setzen sie sich gegen Konzerne oder Regierungen zur Wehr, droht ihnen aber rücksichtslose Repression.

Für viele Politiker hat Wirtschaftswachstum Vorrang, wobei Umweltschutz und Menschenrechte oft zu kurz kommen. Zudem machen sich die negativen Auswirkungen des Klimawandels zunehmend bemerkbar. In ihrem frisch veröffentlichten Report „Indigene Umweltaktivisten in Lebensgefahr“ zeigt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf, dass die Lebenswelt indigener Gruppen besonders betroffen ist. Zugleich sind Menschen, die sich gegen den Raubbau an der Natur wehren, extrem bedroht.

Zehn Länderbeispiele – unter anderem Honduras, Mexiko, Indien und Brasilien – illustrieren, wie rücksichtslos Konzerne oder Großgrundbesitzer vorgehen, wenn Indigene für den Erhalt der Natur einstehen und beispielsweise Bauprojekte in Frage stellen. Lateinamerika ist besonders betroffen. Am Beispiel Honduras zeigt die GfbV auf, wie indigene Umweltaktivisten systematisch kriminalisiert und verfolgt werden. In dem kleinen mittelamerikanischen Staat leben neun indigene und afro-honduranischen Völker, die zusammen schätzungswese 1,27 Millionen Menschen haben. Staatliche Volkszählungsstatistiken gibt es für ethnische Minderheiten nicht.

Die Indigenen haben sich in einer zivilgesellschaftlichen Organisation namens COPINH („Council of Popular and Indigenous Organizations of Honduras „ –„Ziviler Rat der Indigenen Organisationen von Honduras“) zusammengeschlossen. Sie wollen gemeinsam gegen Megaprojekte vorgehen, bei deren Umsetzung viele Dörfer enteignet werden und die Umwelt zerstört wird. Ein Beispiel ist das Staudammprojekt Agua Zarca in der Region Río Negro, das auf dem Gebiet der Lenca entstehen soll. Dieses Volk ist mit 100 000 Angehörigen die größte indigene Gemeinschaft in Honduras, aber nun droht den Menschen durch das gigantische Bauvorhaben die Vertreibung von ihrem Land. Die Lenka wurden im Vorfeld des Staudammprojektes weder konsultiert noch an Entscheidungen beteiligt.

Widerstand gegen Megaprojekte zu leisten, ist lebensgefährlich. Von 2010 bis 2014 sind 101 Menschenrechtsverteidiger und Umweltschützer in Honduras bei Protesten getötet worden, wie die zivilgesellschaftliche Organisation „Global Witness“ berichtet. Da  sich die Umweltschützer meist für indigene Interessen einsetzen und oft selbst zu einer indigenen Gemeinschaft gehören, machen solche Morde keine Schlagzeilen. Das schätzt auch die GfbV so ein: „Die Probleme indigener Gemeinschaften stoßen in der honduranischen Öffentlichkeit meist auf wenig Interesse.“

Ähnlich geht es in Südargentinien zu, wo die Mapuche-Minderheit gegen die Öl- und Gasförderung in Patagonien kämpft. Das Fracking, das dort betrieben wird, vergiftet das Trinkwasser, und lebenswichtige Lagunen werden mit Öl und Metallen wie Arsen  belastet. Protestierenden Mapuche werden kriminalisiert, aber wer sich nicht wehrt, leidet unter den Folgen der Umweltzerstörung. So sagte die inzwischen verstorbene argentinische Mapuche-Aktivistin Tina Linkopán über das vergiftete Wasser in ihrer Heimat: „Das Einzige, was uns bleibt, ist der Tod.“

Honduras und Argentinien sind nur zwei Beispiele von Entwicklungen, die weltweit ähnlich verlaufen. Die GfbV will die Stimmen der bedrohten Indigenen unterstützen – und das gilt auch für den Pariser Klimagipfel im Dezember. Dort gehört aus Sicht der GfbV die spezielle Gefährdung von Indigenen auf die Tagesordnung. 

Sheila Mysorekar

 

Links:

Gesellschaft für bedrohte Völker: Report „Indigene Umweltaktivisten in Lebensgefahr“.
https://www.gfbv.de/fileadmin/redaktion/Reporte_Memoranden/2015/MenschenrechtsreportNr.77-IndigeneUmweltaktivisten_aktualisiert.compressed.pdf

Global Witness, Honduras-Bericht: „How many more?“
https://www.globalwitness.org/campaigns/environmental-activists/how-many-more/

 

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren