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Umweltverschmutzung

Mit weniger Verschwendung gegen die Plastikflut

von Mukta Martens

Hintergrund

Aufklärung über Recycling-Codes auf Plastikflaschen in einer staatlichen Schule in Tamil Nadu.

Aufklärung über Recycling-Codes auf Plastikflaschen in einer staatlichen Schule in Tamil Nadu.

Die meisten Menschen haben keine genaue Vorstellung davon, wie gefährlich Plastikmüll ist. Eine NGO im indischen Bundesstaat Tamil Nadu klärt darüber auf – mit einem besonderen Fokus auf Kinder und Jugendliche.

WasteLess ist eine regierungsunabhängige Initiative in der südindischen Stadt Auroville. Wie der Name sagt, konzentrieren wir uns auf die Aufklärung über Müll. Wir erklären den Menschen unter anderem, warum sie den Wasserhahn zudrehen und die Menge Abfall, die sie produzieren, verringern sollten.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt Kindern und Jugendlichen. Sie sind eine dankbare Zielgruppe, da sie optimistisch, lernbegierig und offen für Verhaltensänderungen sind. Nach unserer Erfahrung stoßen viele von ihnen sowohl zu Hause als auch in der Schule Veränderungen an. In einer staatlichen Schule in Tamil Nadu zum Beispiel haben alle Schüler nach der Teilnahme an unserem Programm ihre Plastikflaschen gegen Metallflaschen ausgetauscht.

Viele Menschen wissen nicht, wie problematisch Abfall ist. Plastik ist zweifelsohne eine der größten Umweltkatastrophen überhaupt – wenn nicht sogar die größte. Die meisten dieser Substanzen zersetzen sich nicht in der Natur. Langlebige Plastikprodukte verschmutzen daher Gegenden, in denen Menschen leben, ebenso wie die Ozeane und andere natürliche Lebensräume. Mit der Zeit zerfällt Plastik, was zur Folge hat, dass Mikroplastik schon in der Luft, die wir atmen, und im Wasser, das wir trinken, nachgewiesen wurde. Diese kleinen Partikel können auf vielfältige Art die Gesundheit gefährden, was aber noch nicht abschließend erforscht ist.

Umweltexperten auf der ganzen Welt schlagen Alarm. So gibt es beispielsweise soziale Bewegungen, die ein Verbot von Einwegplastik fordern und für die Nutzung von Produkten werben, die nicht aus Plastik bestehen. Dazu gehören etwa Zahnbürsten aus Bambus, Jutetaschen und wiederverwertbare Trinkhalme. Junge Menschen sind besonders aktiv. Da die nächste Generation diesen Planeten erben wird, ist es wichtig, ihnen das Wissen zu vermitteln, das sie brauchen werden, um den Umweltherausforderungen zu begegnen, die zweifelsohne auf sie zukommen.


Am Abgrund

Wir versuchen, Jugendliche auf kreative und innovative Weise aufzuklären. Das kNOw PLASTICS Programm, das Waste‑Less für Schulen entwickelt hat (siehe Kasten), setzt unserer Meinung nach internationale Maßstäbe. Wir wollen weltweit das Bewusstsein dafür schaffen, dass wir am Abgrund stehen. Eine endlos scheinende Plastikflut überschwemmt unseren Planeten und bedroht die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Natur im Allgemeinen.

Obwohl Plastik zu unserem Leben dazugehört, wissen die meisten Menschen erstaunlich wenig darüber. 2011 hat WasteLess zusammen mit Schülern ein Lernspiel namens Trash Concentration entwickelt. Dabei zeigte sich, dass für die Jugendlichen „Plastik gleich Plastik“ war. Sie konnten die verschiedenen Materialen, die beispielsweise für Tüten, Flaschen oder Spielzeuge verwendet werden, nicht auseinanderhalten.

Wir halten es für wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche Plastikarten gibt, die verschiedene Wirkungen auf Gesundheit und Umwelt haben. Seit Plastik 1907 erfunden wurde, hat es einen Siegeszug als Wundermaterial angetreten, das tatsächlich so ist wie angekündigt: unverwüstlich. Seitdem haben Wissenschaftler eine stetig wachsende Anzahl von Plastikarten für die unterschiedlichsten Bedürfnisse entwickelt. In jüngerer Zeit widmet sich die Forschung auch innovativen Möglichkeiten, um mit der enormen Menge giftiger Plastikabfälle umzugehen. Noch fehlt es aber an effektiven, verlässlichen und bezahlbaren Technologien, um mit allen Arten von Plastikmüll fertigzuwerden.

Natürlich gibt es jede Menge Sensationsnachrichten. So berichteten Medien immer wieder, dass Bakterien Plastik fressen. Es ist aber nicht erwiesen, ob diese Mikroorganismen Plastik komplett zersetzen oder ob sie nicht vielmehr Mikroplastik ausscheiden. Wichtiger scheint es daher, das Müllproblem anderweitig in den Griff zu bekommen.


Viele verschiedenen Risiken

Seine Langlebigkeit ist nicht der einzige Grund dafür, dass mit Plastik so schwer umzugehen ist. Ein anderer ist die große Verschiedenartigkeit der Materialien. Durch Zusatzstoffe werden sie transparent, biegsam, reißfest oder farbig. Manche dieser Zusatzstoffe sind aber sehr giftig und stellen eine Bedrohung für die Gesundheit von Menschen und anderen Organismen dar. Wissen über die Unterschiede hilft Menschen dabei, die Risiken zu kontrollieren – denn nicht jedes Plastikprodukt beinhaltet giftige chemische Zusatzstoffe.

Es gibt sieben Hauptkategorien von Plastik. Die meisten Verbraucher wissen das nicht – und können sie schon gar nicht voneinander unterscheiden. Laut internationalem Standard werden Plastikprodukte mit einer Nummer in einem Dreieck aus drei Pfeilen gekennzeichnet. Die Nummer steht für das Material und dient dazu, die Plastikarten voneinander zu unterscheiden und so besser recyceln zu können. Die Nummern 1 bis 6 bezeichnen bestimmte Plastik­arten, während 7 alle neuen Plastikarten vereint, die nicht in die Kategorien 1 bis 6 fallen.

WasteLess nutzt diese Recycling-Codes, um Kindern zu vermitteln, wie sie gefährliches Plastik vermeiden können: Finger weg von den Nummer 3, 6 und 7! Kinder wollen die Welt, in der sie leben, verstehen, und Neugier ist ein wichtiger Motor für selbstmotiviertes Lernen. Sobald Kinder den Recycling-Code verstehen, fangen sie von selbst an, Plastikgegenstände daraufhin zu untersuchen. Der Code hilft ihnen auch dabei, herauszufinden, ob das Produkt für den einmaligen Gebrauch vorgesehen oder von dauerhafterem Nutzen ist. Eins ist klar: Konsumgewohnheiten müssen sich ändern, und die Wegwerf-Mentalität muss ein Ende finden.

Leider sind die Recycling-Codes nicht durchgängig auf allen Produkten in allen Ländern zu finden. Die internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich muss verbessert werden (siehe Hans-Christian Stolzenberg im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2021/03). Auch Umweltbildung ist wichtig für die Zukunft unseres Planeten. Wir dürfen die Warnsignale nicht länger ignorieren – und wir bei WasteLess tun unser Bestes, um Alarm zu schlagen.


Mukta Martens arbeitet als Entwicklerin und Redakteurin bei WasteLess in Auroville.
https://wastelessindia.org

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