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Pressefreiheit

Die Rolle lokaler Medien in gewaltsamen Konflikten

von Franziska Wekenborg

In Kürze

Berichterstattung in Konflikten ist oft gefährlich. Dieser Journalist filmt eine Demonstration in Nairobi im Oktober 2017.

Berichterstattung in Konflikten ist oft gefährlich. Dieser Journalist filmt eine Demonstration in Nairobi im Oktober 2017.

Rund 45 Prozent der Menschen weltweit haben keinen Zugang zu einer freien Presse, wie der aktuelle Index zur Pressefreiheit der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen zeigt. Die Verletzung der Meinungsfreiheit findet meist unter diktatorischer, autokratischer oder militärischer Führung statt.

Vor allem in Krisen- und Kriegsgebieten ist die Arbeit von Journalisten gefährdet – und oft auch ihr Leben. Gewalt und Drohungen gegen Journalisten zielen darauf ab, die Betroffenen zum Schweigen zu bringen, einzuschüchtern und die Öffentlichkeit von unabhängigen Informationen abzuschneiden.

Der diesjährige Berliner Sommerdialog der Stiftung Entwicklung und Frieden (siehe Haupttext) thematisierte die Rolle lokaler Medien in gewaltsamen Konflikten. Die Anzahl der Krisen hat sich nicht nur seit 2010 verdreifacht, sondern auch das Ausmaß und die Intensität der Gewalt haben zugenommen. Medienschaffenden kommt in Konfliktregionen und Friedensprozessen eine wichtige Rolle zu.

Christian Rickerts, Staats­sekretär der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, konstatiert, dass die Wahrheit in Kriegs- und Krisenzeiten zu den ersten Opfern gehöre. Journalisten in den Einsatzgebieten seien die Einzigen, die dieses Opfer durch ihre Arbeit wieder rehabilitieren könnten. Im Umgang mit Konflikten und den unterschiedlichen Konfliktparteien hätten Medien eine besonders hohe Verantwortung.

Nicolas Boissez, Pressesprecher der Schweizer Organisation Fondation Hirondelle, stellt fest, dass Journalisten nicht immer bewusst sei, wie groß ihr Einfluss auf die Gesellschaft sei. In Krisengebieten müssten sie oftmals mit traumatisierenden Situationen und Erlebnissen umgehen. Deshalb sei neben Training in konfliktsensiblem Journalismus auch Zugang zu psychologischer Betreuung wichtig. Nur so könnten sie mit ihrer Arbeit das gegenseitige Verständnis der Konfliktparteien fördern und einen Dialog voranbringen, erklärt Boissez. Die Fondation Hirondelle fördert Radiostationen in Krisengebieten, zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo. Sie sollen unabhängige Berichterstattung unter dem Motto „Lokale Medien für lokale Menschen“ möglich machen.

Auch Geraldine Fobang, Präsidentin des Cameroon Community Media Network (CCMN), sieht viel Bedarf für konfliktsensiblen Journalismus. In dem zentralafrikanischen Land herrsche großes Misstrauen gegenüber Journalisten. Vor allem soziale Medien prägten den dortigen Informationsfluss. Viele Nutzer glaubten den Informationen und Nachrichten aus den sozialen Netzwerken – häufig sei dies ihre einzige Nachrichtenquelle. Fobangs Forderung: Lokale Journalisten müssen das Vertrauen in ihre Arbeit wieder aufbauen und Stimmlosen eine Stimme geben.

William Tayeeba, Dozent für Journalismus und Kommunikation an der Makere Universität in Kampala, Uganda, fordert auch finanzielle Sicherheit für Journalisten. In Uganda würden viele Radiosender und Zeitungen von Organisationen wie Brot für die Welt oder Misereor finanziell unterstützt. Sollte es diese Hilfe eines Tages nicht mehr geben, könnten die Journalisten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Nachhaltiger Journalismus sei in vielen Krisenregionen ein großes Problem, sagt Tayeeba.

Um lokale Friedensarbeit in Konfliktländern zu stärken, bedarf es einer stetigen, nachhaltigen und krisensensiblen Berichterstattung. Den Konfliktparteien muss eine Stimme und eine Plattform gegeben werden, damit die Öffentlichkeit sich ein Bild machen kann. Diese Rolle können Medienschaffende mit verantwortungsvollem Journalismus übernehmen. Dann kann lokale Medienarbeit den Friedensprozess fundamental unterstützen. (fw)

 

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