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Ernährungssicherheit

Verschwendung wertvoller Nahrung

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Der CO2-Fußabdruck von Fleisch ist besonders hoch: Rinderzucht in Tansania.

Der CO2-Fußabdruck von Fleisch ist besonders hoch: Rinderzucht in Tansania.

Weltweit leiden rund 870 Millionen Menschen an Hunger. Gleichzeitig geht schätzungsweise ein Drittel aller Nahrungsmittel der Erde verloren. Dieser Verlust hat auch einen gravierenden Einfluss auf die Umwelt.

Natürliche Ressourcen sind begrenzt. In vielen Ländern wird um Ackerboden und Wasser gefochten, damit Getreide angebaut und Vieh gehalten werden kann. Aber dennoch gehen jedes Jahr enorme Mengen an Nahrung verloren oder werden verschwendet.

In ihrer neuen Studie „Food Wastage Footprint: Impacts on Natural Resources“ analysiert die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), wie dadurch auch die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen wird. So wird beispielsweise Ackerland umsonst genutzt, für das vormals Wälder gerodet wurden und Biodiversität verloren ging. Die FAO spricht von fast 1,4 Milliarden Hektar, etwa 30 Prozent der gesamten Ackerfläche der Erde.

Die Autoren der Studie entwerfen ein „Food Wastage Footprint Modell“ (FWF), mit dem sie die „Umwelt-Hotspots“ des Nahrungsmittelverlustes identifizieren bezogen auf Regionen, Güter und Versorgungskettenphasen. 

Zu Nahrungsmittelverlust (food wastage) zählen sie dabei zwei Phänomene:

  • Nahrungsmittelminderung (food loss) ist ein Verlust der Masse oder des Nährwertes von Produkten, die für menschlichen Konsum gedacht waren. Dieser entsteht vor allem durch ineffiziente Versorgungsketten (etwa schlechte Infrastruktur, unzulängliche Logistik, fehlende Kapazitäten und Technologie oder schlechtes Management), fehlenden Zugang zu Märkten oder Naturkatastrohpen.
  • Nahrungsmittelverschwendung (food waste) bedeutet, dass Essen weggeworfen wird, das für menschlichen Verzehr eigentlich geeignet wäre.

Nahrungsmittelverlust gibt es auf jedem Kontinent. Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion kommen vor allem in einkommensschwachen Regionen wie Südasien, Lateinamerika und Subsahara-Afrika vor, doch auch in Europa sind sie erstaunlich hoch. Verluste beim Umgang mit der Ernte und während der Lagerungsphase sind in Süd- und Südostasien am höchsten sowie in Subsahara-Afrika. Verluste bei der Verarbeitung und Verteilung sind nirgendwo auf der Welt allzu gravierend. Beim Konsum sind sie aber sehr hoch vor allem in Nordamerika und Europa sowie in den industrialisierten Nationen Asiens (China, Japan, Republik Korea).

Die Hauptgründe für Nahrungsverluste sind in Entwicklungsländern die schlechte Infrastruktur und Logistik sowie das Wetter. In reichen Ländern liegt die Schuld hauptsächlich bei verschwenderischen Konsumenten.

 

CO2-Fußabdruck

Die Autoren errechnen auch den CO2-Fußabdruck von Vergeudung. Dieser liegt bei Getreide am höchsten, weil es am meisten angebaut wird. An zweiter Stelle steht Fleisch. Fleisch wird zwar nicht so sehr verschwendet, hat aber einen riesigen CO2-Fußabdruck in der Produktion. Pro Kopf ist der CO2-Fußabdruck der Nahrungsmittelverschwendung in Nordamerika und Ozeanien am höchsten.

Wasser, das für die Produktion von vergeudeten Nahrungsmitteln umsonst verbraucht wird, hat ebenfalls Konsequenzen für die Umwelt. Nordamerika hat den höchsten „Blue Water“-Fußabdruck der Pro-Kopf-Nahrungsmittelverschwendung bezogen auf den Verbrauch von Oberflächen- und Grundwasserressourcen. Wenn man die jeweilige lokale Wasserknappheit in diese Rechnung mit einbezieht, hat Nahrungsmittelverlust die negativsten Auswirkungen in Nordafrika sowie West- und Zentralasien.

Die FAO betont, dass Nahrungsmittelverlust auch aus anderen Gründen reduziert werden müsse. Der Endverbraucher-Preis der vergeudeten Nahrungsmittel betrage heute insgesamt 750 Milliarden Dollar, genauso viel wie das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz. Diese Nahrung sei jedoch bitter nötig, denn einer von acht Menschen der Welt hat nicht genug Essen, um ein gesundes Leben zu leben. Zudem müsse die landwirtschaftliche Ertragsmenge bis 2050 schätzungsweise um 60 Prozent erhöht werden, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Die Vergeudung unterlaufe alle Anstrengungen, Nahrungssicherheit für alle Menschen zu garantieren.

Sheila Mysorekar