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Leserbrief

Investitionen sind der Schlüssel zu guter Arbeit

von Reinhard Woytek
Ein Leser ist mit der Position eines unserer Autoren nicht einverstanden. Reinhard Woyteks Reaktion auf Ndongo Samba Sylla veröffentlichen wir hier.

Betr.: Ndongo Samba Sylla: Weshalb das westliche Modell scheitert, E+Z/D+C e-Paper 2017/10, S. 24) 

Im ersten Absatz weckt Ndongo Samba Sylla mit seiner Forderung nach einem neuen Entwicklungsparadigma die Erwartung auf pragmatische, politisch und wirtschaftlich stimmige Vorschläge. Zu Recht merkt er an, dass Afrikas Erwerbsbevölkerung vor allem informell beschäftigt ist und dass der ländliche Raum von kleinen Familienbauernhöfen geprägt ist, auf denen vor allem die Frauen arbeiten. Agrarbetriebe im Umland der Städte oder Plantagen, die es selbstverständlich auch gibt, erwähnt er nicht. Er betrachtet auch Selbstständige als informell beschäftigt, weil sie keine Steuernummer und keine Sozialversicherung haben. Während er erwähnt, dass ländliche Armut mit der geringen Produktivität zu tun hat, versucht er nicht, die Ursachen zu erklären.

Nach dieser recht kruden Beschreibung analysiert der Autor die Ursachen der ökonomischen Probleme. Angesichts seines Arbeitgebers überrascht es kaum, dass er die üblichen Verdächtigen nennt: die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF). Dies ist eine grobe Vereinfachung, denn Afrika hat ein beachtliches Wachstum erlebt, das nicht nur auf höheren Rohstoffpreisen basierte. Ursächlich war auch, dass der destruktive Trend der Auslaugung ganzer Volkswirtschaften durch schlecht geführte staatliche und halbstaatliche Unternehmen gestoppt oder zumindest gebremst wurde.  

Um nur ein Beispiel zu nennen: In den frühen 1990er Jahren stellte die tansanische Regierung bei der Prüfung ihrer 27 regionalen Agrarkooperativen fest, dass alle rote Zahlen schrieben – und zwar trotz großer (häufig geberfinanzierter) Maschinenparks, gut gefüllter Speicher und ausstehender Zahlungen für noch unbezahlte Lieferungen oder Dienstleistungen. Aus solchen und ähnlichen Gründen brachen viele afrikanische Volkswirtschaften unter unbezahlbaren Schulden, aufgeblähten Staatsapparaten und Ineffizienzen in allen Sektoren zusammen. Diese Probleme sind geringer geworden, auch weil Regierungen mit der Unterstützung von Weltbank und IWF Strukturanpassungsprogramme starteten.

Aus der Luft greift der Autor dann seine These, Afrika könne das westliche Entwicklungsmodell nicht kopieren, wobei er gar nicht definiert, was dieses Modell denn ausmacht. Der Westen ist nicht reich geworden, weil die Bauernhöfe vergrößert wurden, wie der Autor nahelegt. Beim Entwurf einer alternativen Agenda vermischt Sylla Fakten mit Fiktion. Er fordert, Entwicklung müsse auf kleinen Familienfarmen aufbauen, geht aber nicht darauf ein, dass viele dieser Kleinbetriebe unprofitabel sind. Seine These, dass Landwirtschaft der Sektor sei, den Regierungen und internationale Partner am Stärksten vernachlässigen, lässt sich mit wenigen Zahlen widerlegen.

Zweitens fordert Sylla wirtschaftliche Diversifizierung, bietet aber – abgesehen von der Plattitüde, mehr Rohstoffe im Ursprungsland verarbeiten zu lassen – keinerlei Hinweis auf eine geeignete Strategie. Auf die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Diversifizierung, etwa höhere Investitionen, geht er nicht ein. Damit investiert wird, müssen aber zunächst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen – wie von IWF und Weltbank empfohlen. Um das Investitionsklima zu verbessern, ist der politische Wille nötig, das Arbeitsrecht flexibler zu gestalten, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und mit umfangreichen Reformen den innerafrikanischen Handel voranzutreiben, auch mittels einer verbesserten Infrastruktur und „Good Governance“. 

Der Autor fordert mehr Solidarität statt Wettbewerb. Leider ist Afrika aber weitgehend vom Wettbewerb abgeschirmt. Investoren kämen gern nach Afrika, gäbe es denn einen freien Markt, nicht nur für Waren sondern auch für Kapital und Arbeit. Syllas Vorstellung von Solidarität bleibt nicht nur für Waren, sondern auch für Kapital und Arbeit. Syllas Vorstellung von Solidarität bleibt schwammig. Will er vielleicht unwirtschaftliche Unternehmen subventionieren? Sein anderer Vorschlag, mehr Migration aus Afrika zuzulassen, kann schwerlich als solidarisch durchgehen – denn diejenigen, die auswandern, sind überdurchschnittlich gut gebildet, körperlich fit und mobil. Es sind genau die Menschen, die Afrika eine bessere Zukunft verschaffen könnten, wenn sie denn berufliche Chancen hätten.  

 

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