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Digitale Technik

Afrika besser machen

von Nanjira Sambuli

Hintergrund

OngAir, ein kenianisches Start-up-Unternehmen, hat ein Marketinginstrument entwickelt, das multinationale Konzerne weltweit nutzen.

OngAir, ein kenianisches Start-up-Unternehmen, hat ein Marketinginstrument entwickelt, das multinationale Konzerne weltweit nutzen.

In Nairobi gibt es viele junge und dynamische Hightech-Firmen. Gemeinsam werden sie „Silicon Savannah“ genannt. Nanjira Sambuli kennt die Gründerszene als Expertin für Informationstechnik (IT) seit Jahren. Im Interview mit Hans Dembowski erläutert sie, weshalb internationale Vernetzung hilft, Entwicklung in Afrika voranzubringen.

Warum braucht Kenias Silicon Savannah globale Kontakte – etwa zum Silicon Valley in den USA oder dem Silicon Plateau in Indien?

Unsere sogenannte Silicon Savannah steckt im Vergleich mit den beiden anderen Technologiehochburgen, die Sie genannt haben, noch in den Kinderschuhen. Der Begriff selbst zeigt, dass wir mit ihnen verglichen werden. Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren durchgesetzt, nachdem einige weltbekannte digitale Lösungen hier entwickelt wurden oder zumindest Fuß fassten. Beispiele sind M-Pesa, das System, das Geldüberweisungen per Handy ermöglicht, und Ushahidi, mit dem viele Internetnutzer gemeinsam Daten auf einer einzigen Website zusammentragen können. Um die Gründerszene hier zu stärken und ihr Wachstum zu beschleunigen, brauchen wir den Kontakt zu anderen Tech-Zentren. In unserer zunehmend globalisierten Welt wäre es kontraproduktiv, darauf zu verzichten, anstatt Erkenntnisse zu teilen, Markttrends zu erkennen und bei verschiedenen Projekten zusammenzuarbeiten.

Welche Art von Kontakt ist wichtig: Aufträge, Kooperation, ausländische Direktinvestition?

Unterschiedliche Dinge sind auf verschiedene Art wichtig. Auf vier Aspekte kommt es vor allem an:

  • Erstens: der Transfer von Wissen und Kompetenzen. Unsere junge Gründerszene muss von den anderen lernen. Dabei geht es um vorbildliche Konzepte und professionelle Standards, aber auch darum, typische Fallstricke zu vermeiden. Die Infusion von Kenntnissen aus anderen Technologie-Zentren ist nützlich, und wir brauchen Mentoren für die Talente in unserer sprießenden Szene. Die meisten sind jung und lernen schnell.
  • Zweitens: Finanzierung. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Zuschüsse und Stipendien – etwa für die Entwicklung von Innovationen – sind gut. Auch verschiedene Investitionsformen sind gut – von Risikokapital über die direkte Beteiligung an Unternehmen bis hin zu Impact-Investments, die nicht nur auf Profite, sondern auch auf gesellschaftlichen Fortschritt abzielen. Es ist nicht leicht, in Kenia Kapital zu mobilisieren, denn viele Anleger hier schrecken vor Hightech-Firmen noch zurück. Geld von globalen Partnern hilft, unser Wachstum anzutreiben.
  • Drittens: Ableger von multinationalen Konzernen. Globale Technologieriesen haben hier Büros eröffnet, und oft sind es die ersten, die sie in Afrika haben. Einige dienen als regionale oder sogar kontinentale Schaltstellen. Das zeigt, dass Ausländer das Potential unserer Silicon Savannah erkannt haben. Um nur einige zu nennen: Google, Intel, IBM, General Electric und Philips gehören zu diesen Großkonzernen. Ihre Büros geben Kenianern Arbeit und sorgen so dafür, dass hier Kompetenzen entwickelt werden.
  • Viertens: Kooperation und Partnerschaft. Viele der genannten Firmen gehen Partnerschaften mit örtlichen Institutionen, Initiativen und Organisationen ein, was unser Innovations-Ökosystem weiter stärkt. General Electric arbeitet beispielsweise nicht nur mit kenianischen Hochschulen zusammen, sondern auch mit Seven Seas Technologies und Gearbox, zwei führenden hiesigen Tech-Firmen. Google, Intel und IBM kooperieren ihrerseits mit Universitäten und Gründerparks, wie etwa dem berühmten iHub. Das trägt alles dazu bei, junge Talente anzuziehen und fortzubilden.

Welche Bedeutung hat Silicon Savannah für Kenias Volkswirtschaft und das Leben der Durchschnittskenianer?

Es wird erwartet, dass die Digital-Branche nächstes Jahr bis zu acht Prozent zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung beitragen wird. Die Politik sieht riesige Chancen. Die Start-up-Szene schafft Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Mehrwert, und das wird so bleiben. Die Auswirkungen auf das Alltagsleben sind unterschiedlich. Dass M-Pesa erheblich dazu beiträgt, den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verbessern, ist bekannt. Das hat Lebenschancen in ganz Afrika verbessert. Andere Innovationen betreffen verschiedene Bereiche, etwa Landwirtschaft oder Energieversorgung, und die Zielgruppen profitieren davon. Manchmal sind sogar Fehlschläge nützlich – und zwar in dem Sinn, dass die Leistungsfähigkeit der Innovatoren wächst, wenn sie besser verstehen, wie sie Produkte und Dienstleistungen für Afrika konzipieren müssen.

Sucht Silicon Savannah afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme oder Lösungen für globale Herausforderungen?

Beides kommt vor, und es gibt auch so etwas wie afrikanische Lösungen für globale Probleme. Ushahidi ist ein Beispiel. Es wurde hier entwickelt, um in einer politischen Krise den Informationsaustausch zu erleichtern und nach Wahlen Gewalttaten zu dokumentieren. Das System wurde mittlerweile in vielen Ländern übernommen und an deren Problemstellungen angepasst. Silicon Savannah hat auch andere starke Innovationen hervorgebracht. M-KOPA Solar und Strauss Energy bieten neue und erschwingliche Optionen für die nachhaltige Stromversorgung an. Twiga Foods ist eine kostenfrei per Handy zugängliche Großhandelsplattform für kleine und mittlere Erzeuger, die städtische Einzelhändler beliefern wollen. M-Farm stellt Bauern marktrelevante Information bereit. All das funktioniert nicht nur in Kenia und anderen afrikanischen Ländern, sondern auch anderswo. Es kommt aber auch vor, dass die internationale Geschäftswelt schnell eine kenianische Entwicklung aufgreift. OngAir ist ein aufregendes Beispiel. Diese Firma hat eine Plattform entwickelt, mit der Unternehmen Nachrichten auf Facebook, Twitter, Whatsapp und anderen sozialen Medien aussenden können. Dieses nützliche Marketinginstrument setzen beispielsweise internationale Marken wie Coca Cola und Heineken ein.

Welche Bildungsgrundlage ist nötig, um Teil der globalen IT-Wirtschaft zu werden?

Diese Frage ist politisch sehr wichtig. Die IT-Wirtschaft erfordert weltweit technische Kompetenzen wie Programmieren und dergleichen. Akademische Ausbildung ist folglich wichtig. Es ist bezeichnend, dass multinationale Riesen diesbezüglich mit kenianischen Hochschulen zusammenarbeiten. Sie wollen sicherstellen, dass die Studenten lernen, was die Branche braucht. Soziokulturelle Aspekte sind aber auch wichtig. Ich würde sagen, dass Neugier auf die Welt, in der wir leben, und darauf, wie Technik sie verändern kann, eine wichtige Grundlage ist. Technik soll Menschen ja befähigen und sie stärker machen.

In welchem Maß motiviert und inspiriert der internationale Austausch junge Technologie-Profis in Kenia?

In gewisser Weise ist die internationale Aufmerksamkeit, die wir bekommen, ein zweischneidiges Schwert. Einerseits motiviert sie in hohem Maße, und Unternehmen profitieren vom Austausch, und zwar dann, wenn sie dadurch vorankommen, indem es ihnen gelingt, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu vermarkten. Andererseits bedeuten die internationalen Kontakte auch, dass viele Leute ihre Aufmerksamkeit darauf richten, was sie als neuen Trend erkennen oder zu erkennen meinen. Es besteht das Risiko, dass sie sich dann mehr für Form als Substanz interessieren. Was individuelle Karrieren angeht, haben besonders diejenigen Vorteile, denen es dank ihrer Fähigkeiten gelingt, sich in Tech-Netzwerke zu integrieren. Viele arbeiten nun in Führungspositionen, sowohl in hiesigen als auch internationalen Unternehmen.

Wollen Profis aus Silicon Savannah in OECD-Länder auswandern?

Ich glaube, die meisten Akteure in Silicon Savannah wollen Kapazitäten für dieses Land und diesen Kontinent schaffen. Die Idee, in die OECD auszuwandern, ist nicht, was sie zu harter Arbeit antreibt. Gelegentliche Dienstreisen, Konferenzen und Fortbildungen sind bestimmt attraktiv, aber ich kenne keine Fälle, wo Leute nachher auswandern wollten. Das Herzensanliegen dieser Generation ist, dieses Land und diesen Kontinent besser zu machen.

 

Nanjira Sambuli ist Analystin und Expertin für Informationstechnologie (IT).
[email protected]

Link
Das kenianische Start-up OngAir:
https://ongair.im/

   

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