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Wachstums- und Konsumkritik

Nachhaltige Zukunft gemeinsam gestalten

von Sabine Balk

In Kürze

Black-Friday-Einkauf in New Jersey, USA.

Black-Friday-Einkauf in New Jersey, USA.

Gesellschaften und Wirtschaftssysteme müssen auf mehr Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz umgestellt werden. Dies ist die größte Herausforderung, vor der die Menschheit steht. Experten schlagen verschiedene Lösungen vor. Eine von ihnen ist die deutsche Politökonomin Maja Göpel, die sich seit Jahren mit diesen Fragen beschäftigt. Sie stellt etablierte Denkweisen in Frage und will ein Umdenken bewirken.

Göpel hatte bereits bedeutende Positionen in wichtigen Gremien inne, unter anderem war sie Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Für die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft fordert sie, Produktivität und Wirtschaften neu zu denken, zu messen und zu organisieren, so dass die planetaren Grenzen und Ökosystemdienstleistungen ernst genommen werden. Nicht Wachstum und individueller Reichtum sollten Ziel der Gesellschaft sein, sondern individuelles wie gesellschaftliches Wohlbefinden.

In ihrem Buch „Unsere Welt neu denken“ führt sie in einem thematischen Rundumschlag die Spannungsfelder auf, in denen sich die Menschheit derzeit befindet, und legt die „großen Linien des heute zu spürenden Zeitenwandels“ dar. Sie will Ideen anbieten, die zwischen den „scheinbar unauflöslichen Positionen der Bewahrer*innen und Blockierer*innen“ und denen, die verändern wollen, vermitteln, um zu einer „gemeinsamen nachhaltigen Zukunft“ zu gelangen.

Planetare Grenzen

Sie macht sehr deutlich, dass es ein „Weiter so“ wie bisher nicht geben kann, weil die Menschheit sich sonst selbst die Lebensgrundlagen entzieht. Wachstum und Ressourcennutzung finden dann ein Ende, „wenn der Natur mit ihren Ökosystemen die Fähigkeit genommen wird, sich verlässlich zu regenerieren“.

Das derzeitige Wirtschaftssystem beachtet planetare Grenzen nicht und zielet weiterhin auf ein ungebremstes Wachstum ab, wie Göpel schreibt. Dass dies auf Dauer nicht so weitergehen kann, ist der Wissenschaft bereits seit den 1970er-Jahren bekannt und einer breiten Weltöffentlichkeit seit rund 20 Jahren. Geändert hat sich am Ressourcenverbrauch aber bislang wenig. Warum dies so ist, erklärt Göpel so: „Wir haben uns geweigert, die neue Realität wirklich anzusehen. Wir haben uns bald fünfzig Jahre in einer Scheinrealität eingerichtet, in der wir statt biologischen Indikatoren lieber monetären gefolgt sind.“

Dies offenbart sich laut der Wissenschaftlerin sehr klar im vorherrschenden Wirtschaftssystem, das die ganze „menschliche Anmaßung“ offenbare. „Indem der Mensch die natürlichen Systeme seinem Bedarf unterwirft, reduziert er ihre Vielfalt, macht sie verletzlicher und braucht einen immer größeren Aufwand, um sie zu stabilisieren.“ Menschliche Systeme seien nicht nachhaltig und müssten notgedrungen zusammenbrechen, wenn wir nicht lernen, sie umzubauen, mahnt sie.

Neue Geisteshaltung

Göpel betont, die Menschheit müsse zunächst die Regeln erkennen, nach denen sie ihr Wirtschaftssystem aufgebaut hat. Erst dann könne sie es verändern. Sie plädiert dafür, neu zu definieren, „was Wohlstand für Menschen übermorgen ausmacht“. Eine neue Sprache und Begrifflichkeit hält sie für entscheidend – wie auch neue Konzepte, „die ausdrücken, was wir künftig wichtig finden“. Bislang bedeute Wachstum Planetenzerstörung und Wertschöpfung reine Geldvermehrung. Diese Geisteshaltung müsse sich ändern.

Die Wissenschaftlerin sieht auch die soziale Gerechtigkeit als Schlüssel für nachhaltiges Wirtschaften. Sie hat dabei Gerechtigkeit innerhalb der Gesellschaften, aber auch zwischen reichen und armen Ländern im Blick. Ein Gerechtigkeitsproblem sieht sie darin, dass reiche Länder umweltschädliche Industrien in arme Länder auslagern und deren Rohstoffe ausbeuten. Innerhalb von Gesellschaften, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, sei der soziale Zusammenhalt und die empfundene Lebensqualität in Gefahr.

Göpel beschäftigt sich auch mit der Rolle des technologischen Fortschritts für die von ihr beschriebene Transformation. Sie bedauert, dass Technik bislang in ökologischen Fragen häufig nicht mitgedacht wird. Technische Lösungen bedeuten zugleich Chancen wie auch Risiken (siehe meinen Beitrag auf der E+Z/D+C-Plattform): E-Autos oder Hochleistungsinternet verbrauchen einerseits viele Ressourcen und heizen so die Erderwärmung an; auf technologischen Lösungen, die CO2 aus der Atmosphäre holen könnten, ruhen aber wiederum auch große Hoffnungen.

In „Unsere Welt neu denken“ liegt der Fokus der Autorin darauf, Lesern die Problemstellung deutlich zu machen. In ihrem 2016 auf Englisch erschienenen Buch „The Great Mindshift“ konzentriert sie sich auf die Umsetzung von Transformationsprozessen (siehe Kasten).


Literatur
Göpel, M. 2021: Unsere Welt neu denken. Ullstein, Berlin.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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