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REDD+

Kein Allheilmittel

von Johannes Berliner, Katja Dombrowski

In Kürze

Hütten der Huaorani-Indianer in Ecuador.

Hütten der Huaorani-Indianer in Ecuador.

REDD+ steht für Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung). Das von der UN-Klimarahmenkonvention eingeführte Instrument verbindet Wald- und Klimaschutz mit finanziellen Anreizen. Johannes Berliner von der KfW beurteilt die bisherige Erfahrung.

REDD+ sieht Kompensationszahlungen für Emissionsminderungen vor. Länder erhalten Geld dafür, dass sie die Entwaldung reduzieren, aufforsten oder Waldschutzmaßnahmen vornehmen. Wie läuft das genau?
Das ist ein langer Prozess. Zunächst müssen die Länder, die REDD+-Zahlungen erhalten wollen, die nötigen politischen, technischen und institutionellen Kapazitäten aufbauen. Dazu gehört zum Beispiel, die Waldbedeckung systematisch zu erfassen, aber auch einen Mechanismus zu schaffen, über den die Gelder ausgezahlt werden. Die Menschen, die im und vom Wald leben, müssen eingebunden werden – oftmals sind das Indigene und andere waldabhängige Gemeinden. Die Daten, die durch die Waldmonitoringsysteme der Länder generiert werden, sind die Grundlage für einen REDD+-Ansatz. Dabei wird der Waldbestand beziehungsweise die Entwaldung, die stattgefunden hat, mit Hilfe von Satelliten gemessen – und damit die Emissionen eines Jahres. Der historische Durchschnitt mehrerer Jahre dient als Bezugspunkt. Wenn die Entwaldung in den Folgejahren darunter liegt, gibt es ergebnisbasierte REDD+-Zahlungen, und zwar derzeit fünf Dollar pro eingesparter Tonne CO2. Diese werden wiederum in Waldschutz und nachhaltige Landnutzungspraktiken reinvestiert.

Inwieweit funktioniert das bisher?
Für eine eindeutige Antwort ist es noch zu früh. 2013 wurde erst das Regelwerk für die Umsetzung von REDD+ verabschiedet: das Warsaw Framework for REDD+. Auch die multilateralen Fonds, über die die Finanzierung läuft, mussten erst aufgebaut werden. Das sind unter anderem der Green Climate Fund, der FCPF Carbon Fund und der BioCarbon Fund. Sie fangen jetzt erst an, Geld auszuzahlen. Die meisten Länder haben inzwischen die Voraussetzung für die Teilnahme an REDD+ geschaffen – das hat länger gedauert als erwartet. Deshalb sind wir von deutscher Seite 2012 mit dem REDD-Early-Movers-Programm vorangegangen. Darin arbeiten wir mit Ländern beziehungsweise Regionen zusammen, in denen der Waldverlust bereits rückläufig war und die die nötigen Strukturen geschaffen haben: Kolumbien, Ecuador und die brasilianischen Bundesstaaten Acre und Mato Grosso. Dort haben wir REDD+ schon implementiert.

Mit welchem Erfolg?
Das Programm hat dazu beigetragen, auf Regierungsebene und in der Gesellschaft für das Thema Wald sowie die Belange der indigenen Völker zu sensibilisieren und die nötigen Strukturen aufzubauen. Das war ein wichtiger Meilenstein. Außerdem tragen jetzt zum Beispiel Landwirte, die Öl aus Paranüssen produzieren oder Kautschuk anbauen, zu nachhaltiger Waldbewirtschaftung bei. Dennoch steigt in vielen Tropenländern Entwaldung weiter an. In Brasilien geht sie nach Jahren der Reduzierung wieder hoch. In anderen Ländern wie Indonesien, das auch bald REDD+-Zahlungen bekommen wird, ist die Entwaldung rückläufig. Abschließend ist der Erfolg noch nicht zu beurteilen. Ein Allheilmittel kann REDD+ aber nicht sein. Die Holzentnahme sowie die Umwandlung der Wälder in landwirtschaftliche Flächen, aber auch der Bergbau sind wichtige Treiber von Entwaldung – und dieses Problem muss man im Privatsektor und im Finanzsektor – auch in den westlichen Ländern – adressieren.

Warum ist der Anteil der vom Privatsektor finanzierten REDD+-Leistung recht klein? Das war anders geplant.
Das Instrument war so angedacht, dass es irgendwann möglich ist, die CO2-Minderung auf einem Zertifikatemarkt zu handeln. Im Moment ist die Finanzierung ODA-basiert, es fließen also staatliche Gelder. So sind auch die multilateralen Fonds angelegt, über die die Finanzierung läuft. Der Emissionshandel wird aber immer wichtiger, die Nachfrage steigt. Ein prominentes Beispiel dafür ist das CO2-Kompensationsprogramm CORSIA der UN-Luftfahrtorganisation ICAO. Dort werden derzeit REDD+-Programme akkreditiert.

Der Preis für die Tonne CO2 beträgt bei REDD+ fünf Dollar – ist das nicht zu wenig?
Die Anreize müssen natürlich stimmen, um Länder dazu zu bewegen, mehr zu tun. Da reichen fünf Dollar vielleicht nicht. Norwegen hat jetzt in einem REDD+-Programm in Gabun zehn Dollar angeboten. Das könnte ein Trend werden. In den meisten multilateralen Fonds hat man sich vorerst auf einen Preis von fünf Dollar festgelegt – das heißt aber nicht, dass er einer nächsten Phase nicht höher sein kann.


Johannes Berliner ist Berater für REDD+ bei der KfW-Entwicklungsbank.
[email protected]

 

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