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Forstwirtschaft

Nachhaltige Nutzung

von Ulrike Haupt, Birgit Joußen

In Kürze

Oben: Buntstiftproduktion mit zertifiziertem FSC-Holz für Faber-Castell in Brasilien.

Oben: Buntstiftproduktion mit zertifiziertem FSC-Holz für Faber-Castell in Brasilien.

Illegaler Holzeinschlag ist maßgeblich verantwortlich für die Zerstörung von Tropenwäldern. Gesetzliche Regelungen und privatwirtschaftliche Initiativen können dazu beitragen den Holzhandel nachhaltig zu gestalten.

Die Europäische Union ist der weltweit größte Importeur von Holz. Bis zu 19 Prozent davon stammen nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) aus illegalen Quellen.

Um Tropenwälder zu erhalten, reicht ihr Schutz alleine nicht aus. Sie müssen auch nachhaltig bewirtschaftet werden. Das bedeutet: Wälder und Waldflächen müssen so behandelt und genutzt werden, dass:

  • biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität erhalten bleiben und zugleich
  • die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gewährleistet sind.  

Das gilt auf lokaler, nationaler und globaler Ebene. Dabei soll auch kein Schaden an anderen Öko­systemen entstehen. Eine völkerrechtlich verbind­liche Definition von nachhaltiger Forstwirtschaft gibt es allerdings nicht.

Von öffentlicher Seite werden Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags umgesetzt. Die EU hat 2003 einen Aktionsplan, das sogenannte FLEGT-Programm (Forest Law Enforcement, Governance and Trade), vorgelegt, in dessen Rahmen freiwillige Partnerschaftsabkommen (Voluntary Partnership Agreement, VPA) zwischen der EU und den Regierungen der Erzeugerländer abgeschlossen werden. Partnerregierungen müssen dann durch ein Lizenzsystem gewährleisten, dass sie nur legal geschlagenes Holz in die EU exportieren.

Im März dieses Jahres trat zudem die EU-Holzhandelsverordnung in Kraft. Sie verbietet grundsätzlich die Einfuhr illegal geschlagenen Holzes oder Produkten daraus in die EU. Die legale Herkunft der Produkte muss von demjenigen nachgewiesen werden, der diese zuerst auf den Markt bringt. Die EU erkennt FLEGT-Holz als legal geschlagen an – allerdings wendet bisher noch kein Partnerland dafür ein Lizenzsystem an. Indonesien ist am weitesten fortgeschritten. Die EU unterstützt Partnerländer beim Aufbau der Kontroll- und Lizenzsysteme und der Rechtsdurchsetzung.

Mit der internationalen Waldkonferenz „Forests for Future Generations – Public and Private Responsibility for Sustainability“ hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Juni 2013 Möglichkeiten einer weiten Verbreitung nachhaltiger Tropenholznutzung ausgelotet. Dazu waren Vertreter staatlicher und privatwirtschaftlicher Institutionen nach Berlin geladen. Legalität im Holzhandel bedeute aber nicht gleich Nachhaltigkeit, warnten einige Konferenzteilnehmer. Selbst wenn Unternehmen das gehandelte Holz legal einschlagen, könnten sie je nach Legalitätsdefinition im Ursprungsland dabei trotzdem Tropenwälder zerstören. Freiwillige Partnerschaftsabkommen müssen dies ausschließen können.

VPAs bieten den Vorteil, dass erstmals nationale Definitionen von legaler Holzproduktion mit den Partnern festgelegt werden. Jirawat Tangkijngamwong vom thailändischen Holzhandelsverband sieht die VPAs als große Chance, um die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Holzhandel zu verbessern.

Neben nationalen und supranationalen Regelungen spielen privatwirtschaftliche Zertifizierungen eine wichtige Rolle. Zu den bekanntesten gehören das Gütesiegel des Forest Stewardship Council (FSC) und des Programme for the Endorsement of Forest Certification (PEFC). Der FSC arbeitet mit Standards für Forstbetriebe und Lieferketten, die zehn Prinzipien nachhaltiger Waldwirtschaft festlegen. Dazu zählen beispielsweise die Einhaltung der Forstgesetze, der Erhalt der Biodiversität oder die Wahrung der Rechte indigener Völker.

Glaubwürdige Nachhaltigkeitssiegel bieten Marktvorteile für Unternehmen. Zudem helfen sie, illegales Holz aus komplexen und langen Lieferketten herauszuhalten. Sie tragen dazu bei, dass sich nachhaltige Waldwirtschaft ökologisch und ökonomisch auszahlt.

Viele Experten wünschen sich von der EU, dass diese in ihren VPA-Vereinbarungen künftig nicht nur auf Legalität, sondern auch auf Nachhaltigkeit mehr Wert legt. Die EU-Holzhandelsverordnung sollte ihrer Meinung nach entsprechende Anforderungen stellen.


Ko-Regulierung

Staatliche und privatwirtschaftliche Maßnahmen können sich nach dem Prinzip der Ko-Regulierung ergänzen, betont EU-Kommissionsvertreterin Cristiana Pasca Palmer. Dafür gibt es drei mögliche Wege:

  • Regierungen legen bindende Nachhaltigkeitsziele fest, wobei privatwirtschaftliche Zertifizierungen anerkannt werden.
  • Private Standards werden in Gesetze übernommen.
  • Regierungen schaffen gesetzliche Rahmenbedingungen zur Förderung der Zertifizierung oder unterstützen deren Umsetzung direkt (zum Beispiel durch Kredite).


Gesetzliche Regelungen sind demokratisch legitimiert und können von Behörden durchgesetzt werden. Sie gelten jedoch nur für Firmen innerhalb ihrer Rechtsprechung. Private Standardinitiativen gelten international und bieten wirtschaftliche Anreize für Unternehmen. Ihre Sanktionsmöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Sinnvollerweise sollten Staaten und private In­itiativen eng kooperieren.

Das will auch Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Wir müssen die Synergien zwischen staatlichen Regelungen und privatwirtschaftlichen Initiativen für den Erhalt der Tropenwälder besser nutzen“, sagte er bei der Berliner Konferenz.  Ziel dabei sei, Anreize für nachweislich legale und nachhaltige Holzlieferketten und deren Finanzierung zu setzen.

Dass Ko-Regulierung bereits verfolgt wird, erläutert Kim Carstensen vom FSC. Diese internationale Organisation arbeitet daran, ihre Standards an die Anforderungen der EU-Holzhandelsverordnung und der nationalen FLEGT-Vorgaben anzupassen. Beispielsweise wird die kamerunische Definition von legaler Holzproduktion in den dortigen FSC-Standard integriert. So tragen Zertifizierungsinitiativen dazu bei, die Gesetze umzusetzen.

Auch der thailändische Verbandsfunktionär Tangkijngamwong sieht Vorteile in der Ko-Regulierung. In seiner Heimat können nur einige große Holzunternehmen die Kosten für die Zertifizierung aufbringen. FSC ist für sie der richtige Weg.

Nicht nur die EU ist ein wichtiger Absatzmarkt. In wirtschaftlich boomenden Schwellenländern steigt die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz. Marcus Alves von der brasilianischen Forstbehörde berichtet, dass der Großteil der Holzernte Brasiliens für den heimischen Markt bestimmt ist. Andere holzverarbeitende Schwellenländer wie Thailand, Vietnam oder China importieren große Mengen Holz aus tropischen Regionen. Deshalb müssen die Schwellenländer unbedingt in die Diskussion um nachhaltige Holzproduktion eingebunden werden.

 

Korrekte Investitionen

Es geht aber nicht nur um Holz. Wälder erfüllen so­genannte Ökosystemdienstleistungen, beispielsweise indem sie das Klima regulieren oder Nahrung bereitstellen. Diese Leistungen müssen angemessen ökonomisch bewertet (siehe Beitrag auf S. 380 ff.) und durch nachhaltige Waldwirtschaft erhalten werden.

Dazu braucht es attraktive Investitionsmodelle, die zu wirtschaftlichen Erträgen führen. Doch gerade daran mangelt es. Finanzinstitute denken in kurzen Zeiträumen von wenigen Jahren. Bäume brauchen aber Jahrzehnte, um heranzuwachsen. Häufig verspricht die Rodung der Waldflächen für Ackerbau oder Viehzucht vordergründig schneller eine höhere Rendite.

Tuukka Castrén, Waldexperte der Weltbank, weist darauf hin, dass Wälder in den Tropenregionen eigentlich günstige Voraussetzungen für ein rasches Baumwachstum und damit auch hohe Renditen bieten. Nachhaltige ökonomische Nutzung ist also durchaus möglich. Dem stehen aber aus Castréns Sicht vielfach Korruption, schwache Regierungsführung und Rechtsunsicherheit, was Landrechte angeht, im Wege. Derlei schrecke seriöse Investoren ab.

Auch Staaten investieren in Wälder. Sie wenden dafür zwar deutlich weniger Mittel auf als privatwirtschaftliche Investitionen, können aber private Investoren zu nachhaltigen Praktiken in tropischen Regionen gezielt motivieren und fördern.

Für solche Konzepte setzt sich auch Niebel ein. Er ist stolz darauf, dass Deutschland 2013 sein Engagement für den Erhalt von Wäldern und anderen Ökosystemen verstärkt hat. Deutschland gehört mit 500 Millionen Euro jährlich international zu den wichtigsten Geldgebern im Wald- und Biodiversitätsschutz. „Mit diesen Mitteln wollen wir dazu beitragen, den immer noch fortschreitenden Verlust von Waldflächen zu stoppen, vor allem den Verlust der Tropenwälder, die für das Wohlergehen künftiger Generationen und einer wachsenden Weltbevölkerung un­entbehrlich sind“, sagt der Minister.

Nicht zu vergessen ist die Rolle der Konsumenten. Holz und Holzprodukte aus tropischen Ländern haben laut Vertretern der Wirtschaft ein schlechtes Image. Allerdings wissen nur die wenigsten, dass nicht der illegale Holzeinschlag der wichtigste Treiber der Entwaldung ist, sondern die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Flächen. Um das Image von Tropenholz zu verbessern, sollten Verbraucher auf das Angebot von Produkten hingewiesen werden, deren nachhaltige Herstellung belegt ist. Globale Holzlieferketten sollten transparent und bis zum Herkunftswald rückverfolgbar sein. Die EU-Mitgliedstaaten könnten mit gutem Beispiel in der öffentlichen Beschaffung vorangehen und Regeln dafür harmonisieren.

 

Ulrike Haupt ist Leiterin des BMZ-Referats Umwelt und nachhaltige Ressourcennutzung.

Birgit Joußen war Referentin im selben BMZ-Referat.
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