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Editorial

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von Sabine Balk

Meinung

Tansanisches Pflanzenzuchtzentrum

Tansanisches Pflanzenzuchtzentrum

Die Beseitigung von Hunger ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Der Schlüssel zur Lösung dieses Problems liegt in der Landwirtschaft. Sie ist nicht nur der Sektor, der die Nahrungsmittel produziert, sondern auch der, der den meisten Menschen in Entwicklungsländern ein Einkommen verschafft. Von Sabine Balk

Die Kernfrage ist: Wie muss sich Landwirtschaft weiterentwickeln, damit sie die Weltbevölkerung ernähren und ertragreich sein kann? Um dies zu beantworten, müssen zuerst die Betroffenen, die Bauern und Landarbeiter selbst, unter die Lupe genommen werden. DIE Bauern gibt es nämlich gar nicht. Sie sind eine heterogene Gruppe mit ganz verschiedenen Ausgangsvoraussetzungen und Einkommen. Die Spannweite reicht von armen Subsistenzbetrieben bis zu großen Agrarfarmen.

Die Ärmsten der Armen erwirtschaften auf kargen Böden ohne Hilfsmittel nicht einmal genug, um sich selbst ausreichend mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. An Ernteüberschüsse zum Verkauf ist gar nicht zu denken. Kommerzielle Agarfarmen hingegen werden teils von internationalen Unternehmen betrieben, die keine Grundnahrungsmittel, sondern sogenannte Cash Crops für den Export wie Soja, Palmöl, Obst oder Kaffee anbauen. Dazwischen gibt es viele Abstufungen. Generell spricht nichts gegen den Anbau von Cash Crops, so er denn nachhaltig geschieht und anständige Einkommen für sehr viele Menschen erwirtschaftet.

Einen ganz neuen Weg geht dabei Uruguay, das gerade den Anbau, Vertrieb und Konsum von Marihuana legalisiert hat. Die Maßnahme ist weltweit umstritten, doch das Land verfolgt damit ein klares Ziel: Es will den illegalen Handel mit der Droge bekämpfen. Als Nebeneffekt bietet der Anbau von Cannabis eine ganz neue Einnahmequelle für die heimischen Bauern. Als Abnehmer haben schon internationale Unternehmen Interesse angemeldet. Wer die Legalisierung von Cannabis verurteilt, sollte bedenken, dass in vielen Kulturen Alkohol als die weitaus schlimmere Droge gilt.

Damit mehr Bauern sich aus der Armut befreien können, wird sicher entscheidend sein, dass sie ihre Ernten und Einkommen steigern. Darauf zielen Entwicklungsmaßnahmen schon seit Jahrzehnten ab. Diese begannen Mitte der 1960er Jahre als so genannte „Grüne Revolution“. Dabei ging es darum, die Produktion mit Einsatz von Maschinen, Bewässerung, Düngung, Schädlingsbekämpfung und besserem Saatgut zu steigern.

Nicht bedacht hatte man damals die negativen Folgen für Boden und Umwelt, die sich nun noch durch den Klimawandel verstärken. Diese Fehler dürfen nicht wiederholt werden. Die Lösung liegt wohl in einem intelligenten Einsatz aller Hilfsmittel. Um eine moderne Landwirtschaft in Gang zu bringen, muss unter bestimmten Bedingungen auch eine staatliche Subventionierung der Landwirtschaft in Erwägung gezogen werden.

Die landwirtschaftliche Welt wird zunehmend komplexer. Einfache Antworten greifen zu kurz. Es geht um nachhaltigen und dennoch ertragreichen Landbau. Dies zu lösen erfordert mehr Wissen und Innovation. Forschungszentren und Bildungsmaßnahmen vor Ort können dabei sicher einen wertvollen Betrag leisten. Neue Erkenntnisse den betroffenen Bauern zukommen zu lassen, ist eine weitere Herausforderung.

Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation. [email protected]ien.de