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Informelle Händler

Ruinierte Geschäfte

von Derrick Silimina

Heutzutage

Ben Tembo verdient normalerweise seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf gebrauchter Kleider in Sambias Hauptstadt Lusaka. Diese informelle Branche heißt „Salaula“. Die Covid-19-Pandemie macht ihr arg zu schaffen.

Das Problem ist, dass die Salaula-Ware überwiegend aus Altkleidern von Menschen aus reichen Ländern besteht. Diese werfen alte Hosen, Hemden und Pullover nicht einfach weg, sondern reichen sie an wohltätige Organisationen weiter, die sie dann an Exporteure weiterverkaufen. Solche Second-Hand-Kleidung kommt aber wegen der coronabedingt geschlossenen Grenzen nicht mehr in Sambia an.

Tembo sagt, viele Händler hätten bereits aufgegeben. Er macht sich Sorgen: „Wie sollen wir zahlungsfähig bleiben, wenn die globale Pandemie anhält?“

Laut einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization – ILO) von 2018 beschäftigt der informelle Sektor Sambias fast 90 Prozent der Erwerbstätigen. Informeller Sektor bedeutet, dass Unternehmen nicht amtlich gemeldet sind, keine Steuern zahlen und kaum staatlichen Regeln unterliegen. Soziale Sicherung gibt es nicht. Die Lage ist in vielen Ländern südlich der Sahara ähnlich. Kleinbauern, Einzelhändler und auch der Großhandel arbeiten typischerweise informell.

Maßnahmen, welche die Ausbreitung von Covid-19 verhindern sollen, treffen sie oft hart. Die Geschäftstätigkeit wird erschwert oder sogar unmöglich gemacht, so dass viele Menschen ohne den täglichen Verdienst auskommen müssen, von dem sie und ihre Familien abhängen.

Deshalb arbeiten die Menschen nach Möglichkeit weiter. Gertrude Mbao ist ein Beispiel. Sie hat Angst, sich zu infizieren, denn sie steht morgens früh um vier auf, um auf dem quirligen Großmarkt das Gemüse zu besorgen, das sie dann tagsüber als Einzelhändlerin verkauft. Auch der Kontakt mit Kunden geht mit Infektionsrisiken einher. „Ich hab keine Wahl“, sagt sie, „ich muss trotz Covid-19 den Laden am Laufen halten.“ Anders könne sie ihre Kinder nicht ernähren.

Manche Menschen beneiden Mbao sogar, denn ihre Arbeit gilt als unverzichtbar und läuft weiter. Kneipen und Restaurants mussten dagegen schließen, und die Beschäftigten verloren ihr Einkommen. Erschwerend kommt hinzu, dass Sambia schon vor der Pandemie in einer Wirtschaftskrise steckte – mit steigenden Staatsschulden, verfallender Währung und anziehender Inflation. Zusätzlich bremsen nun Lockdown-Maßnahmen sowie die Angst vor Ansteckung die Ökonomie.

Jack Zulu betreibt einen Schnapsladen in der Nähe eines großen Busbahnhofs. Sein Geschäft ist nicht geschlossen, aber dennoch quasi ruiniert. „Mein Lebensunterhalt ist schwer beeinträchtigt worden“, sagt er. Früher habe er an guten Tagen den Gegenwert von 250 Dollar eingenommen, jetzt sei er froh, wenn ihm das im gesamten Monat gelinge.

Covid-19 breitet sich unterdessen in Sambia weiter aus. Laut Gesundheitsministerium wurden bis zum 7. September fast 13 000 Infektionen gezählt. Knapp 300 Patienten seien gestorben. Viele Menschen denken jedoch, dass das wirtschaftliche Leid, welches Schutzmaßnahmen verursacht haben, in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Gesundheitsrisiken steht.

Das Jesuit Centre for Theological Reflection (JCTR) hat die Regierung aufgefordert sicherzustellen, dass armen Haushalten nicht wegen Schutzmaßnahmen das Verhungern droht. Diese katholische Einrichtung betreibt Forschung, Bildung und politische Öffentlichkeitsarbeit, um in Sambia und Malawi soziale Gerechtigkeit zu fördern. Die Regierung steht vor der Aufgabe, Gesundheitsschutz und Wirtschaftspolitik stimmig auszubalancieren – und das ist angesichts leerer Staatskassen eine riesige Herausforderung.


Derrick Silimina ist freiberuflicher Journalist in Lusaka, Sambia. Seine Themen sind Landwirtschaft und Nachhaltigkeit.
[email protected]

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