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Ungleichheit

Geld und Macht umverteilen

von Katja Dombrowski

In Kürze

Einkommensungleichheit verstärkt andere bestehende Ungleichheiten, etwa aufgrund ethnischer Zugehörigkeit: Viele Angehörige ethnischer Minderheiten in Thailand brauchen bei Behördengängen einen Dolmetscher.

Einkommensungleichheit verstärkt andere bestehende Ungleichheiten, etwa aufgrund ethnischer Zugehörigkeit: Viele Angehörige ethnischer Minderheiten in Thailand brauchen bei Behördengängen einen Dolmetscher.

Trotz Fortschritten in vielen Bereichen wie der Bekämpfung von Hunger und Armut nimmt die soziale Ungleichheit weltweit nicht etwa ab, sondern zu. Das schadet der ganzen Gesellschaft, denn Ungleichheit unterhöhlt den sozialen Zusammenhalt und das Vertrauen in Politik und Demokratie, bremst das Wirtschaftswachstum und verhindert Aufstiegschancen. Arme und reiche Länder sind gleichermaßen betroffen.

Nach Schätzungen von Oxfam leben 70 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich in den vergangenen 30 Jahren größer geworden ist. Betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer ebenso wie Industrieländer. Die wachsende Einkommens- und Vermögensungleichheit stellt in den Augen der internationalen NGO eins der größten globalen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme dar. Und auch das Weltwirtschaftsforum beschreibt „gravierende Einkommensdisparitäten“ als eins der Schlüsselrisiken des kommenden Jahrzehnts.

Ungleichheit wirkt sich auf zahlreiche Lebensbereiche aus, zum Beispiel auf die Lebenserwartung, Bildungschancen und Gesundheit. Zudem verstärkt sie Oxfams Erkenntnissen zufolge andere bestehende Ungleichheiten, etwa aufgrund von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion. Auch nähmen in Ländern mit wachsender Einkommenskluft Kriminalität und gewaltsame Konflikte zu. Entgegen früherer Annahmen sei wachsende Ungleichheit schädlich für das Wirtschaftswachstum und vermindere dessen armutsmindernde Wirkung.

Die Weltgemeinschaft hat das Problem erkannt und die Bekämpfung der Ungleichheit zu einem der 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs) gemacht. Um es zu erreichen, müssen laut Oxfam Geld und Macht radikal umverteilt werden. „Regierungen können die Schere zwischen Arm und Reich schließen, indem sie sich vom reinen Marktglauben lossagen und sich den Interessen mächtiger Eliten entgegenstellen“, heißt es in der im Februar erschienenen aktualisierten Zusammenfassung des Oxfam-Berichts „Even it up – time to end extreme inequality“ von 2014. Nur so könnten gerechte Chancen für alle entstehen.

In einem Zehn-Punkte-Programm fordert Oxfam den Aufbau eines transparenteren wirtschaftlichen und politischen Systems, das die Rechte aller Bürger sichert. Dazu gehören unter anderem Regulierung und faire Besteuerung, weltweit gesetzliche Mindestlöhne in existenzsichernder Höhe, Sozialtransfers und kostenfreie Bildung und Gesundheitsfürsorge.

Ein großes Problem sieht die NGO in internationalen Steuerschlupflöchern. Entwicklungsländer verlören durch Steuervermeidung multinationaler Konzerne jährlich mindestens 100 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen (siehe auch Artikel in E+Z/D+C e-Paper 2017/03). So werde Bangladesch jährlich um 310 Millionen Dollar gebracht – genug, um ein Fünftel der Ausgaben für Grundbildung zu finanzieren.

Besonders wichtig sei es auch, Chancengleichheit für Frauen zu schaffen, denn Geschlechter- und Einkommensungleichheit hingen eng zusammen. Studien zufolge erreichten in stark ungleichen Gesellschaften weniger Mädchen einen höheren Schulabschluss, seien weniger Frauen in Parlamenten vertreten, und das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern sei größer. Beispielsweise hätten die ärmsten auf dem Land lebenden Frauen in Äthiopien eine sechsmal geringere Chance, jemals eine Schule zu besuchen, als die reichsten Männer in der Stadt.

Oxfam fordert unter anderem gleiche Rechte für Männer und Frauen, etwa bei Erb- und Landrechten, eine gerechtere Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern und einen finanziellen Ausgleich für unbezahlte Pflege- und Betreuungsdienste.

Befragungen zufolge lehnen Menschen weltweit starke Ungleichheit als unfair, unmoralisch und schlecht für die Gesellschaft ab. Das zeigt sich aktuell etwa an Diskussionen zu exorbitanten Managergehältern in Deutschland und Europa und zu korrupten, sich bereichernden „Eliten“ weltweit. Regierungen müssten also lediglich auf ihre Bürger hören, so Oxfam, und stärker steuernd und regulierend eingreifen.


Link

Oxfam, 2014: Even it up – time to end extreme inequality.
https://www.oxfam.de/system/files/20141029-even-it-up-extreme-inequality.pdf

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