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Entwicklung

Wirtschaft und Politik Malawis

von Rolf Drescher

In Kürze

65 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig: Bäuerin auf ihrem Maisfeld im ländlichen Malawi.

65 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig: Bäuerin auf ihrem Maisfeld im ländlichen Malawi.

Das Parlament Malawis setzt sich aus 193 in den jeweiligen Wahlkreisen direkt gewählten Abgeordneten zusammen. DPP, die Partei des Präsidenten Arthur Peter Mutharika, gewann bei der Wahl 51 Sitze, die größte Oppositionspartei MCP 48 Sitze. Mit 52 Sitzen stellen die unabhängigen, nicht parteigebundenen Parlamentarier die größte Gruppe. Die Partei des Präsidenten hat damit keine eigene parlamentarische Mehrheit. Eine in Form einer Koalition etablierte, die Regierung tragende Mehrheit gibt es nicht.

Die Parteien haben ausnahmslos kein klares politisches Profil, der karrierefördernde Wechsel von einer Partei zur anderen – „chameleon politics“ – ist auf allen Ebenen nicht ungewöhnlich, politische Barrieren zwischen den Parteien gibt es nicht. Die Kontrollfunktion des Parlaments ist konstitutionell und kapazitätsbedingt eingeschränkt. Die gegebenen politischen und organisatorischen Bedingungen schlagen sich in einer deutlich reduzierten Effizienz und Effektivität sowohl der Regierungsarbeit als auch der Arbeit des Parlaments nieder.

Malawi ist mit einem Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen (BNE) von 320 Dollar eines der ärmsten Länder der Welt. 70 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,90 Dollar pro Tag. Hunger und Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe ist tägliche Realität. 2015/16 waren 6,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, fast 40 Prozent der Bevölkerung. Für 2018/19 wird wieder eine Zahl von mindestens 3,3 Millionen vorhergesagt.

Das UN Development Programme (UNDP) stuft Malawi auf der Basis des Human Development Index (HDI) am unteren Ende der Gruppe der „low human development countries“ ein (Rang 171 von 189). Das Bevölkerungswachstum liegt – trotz leichtem Rückgang der sogenannten Fertilitätsrate auf 4,4 – immer noch bei 2,9 Prozent. Nach den Ergebnissen der gerade veröffentlichten Volkszählung liegt die Einwohnerzahl bei knapp 18 Millionen; 2050 werden 43 Millionen und damit mehr als doppelt so viele Menschen in Malawi leben, mit schwer einzuschätzenden erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen.

Die Wirtschaft Malawis ist extrem anfällig für exogene Schocks. 65 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt, die überwiegend als regenabhängige Subsistenzlandwirtschaft mit sehr geringer Produktivität auf schon jetzt immer kleiner werdenden Anbauflächen betrieben wird. Das Wirtschaftswachstum Malawis (BIP pro Kopf) lag zwischen 1995 und 2015 jährlich bei nur 1,5 Prozent, im Vergleich zu 2,7 Prozent der übrigen rohstoffarmen Länder Subsahara-Afrikas. 2017 betrug es 4 Prozent, für 2018 werden 3,3 Prozent (IWF) prognostiziert. Das liegt deutlich unter dem für eine nennenswerte Armutsreduzierung benötigten langfristigen Wirtschaftswachstum von über 6 Prozent. Die strukturellen Voraussetzungen für einen dauerhaft nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung in dieser Größenordnung sind jedoch nicht gegeben. (rd)

 

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