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Lese- und Schreibkompetenz

Zurück auf Kurs

von Lawrence Kilimwiko

In Kürze

Zu viele Erwachsene können nicht lesen: Zeitungsverkäufer in Daressalam im März 2021.

Zu viele Erwachsene können nicht lesen: Zeitungsverkäufer in Daressalam im März 2021.

Tansania hat ein umfassendes Programm auf den Weg gebracht, um gegen Analphabetismus vorzugehen. Laut dem Bildungsministerium, das die Finanzierung und Umsetzung koordiniert, ist eine Bevölkerung mit Lese- und Schreibkompetenz eine Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung.

In Tansania können 22,4 Prozent der Menschen über 15 Jahren nicht lesen und schreiben. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, diese Rate auf null zu reduzieren. Dafür hat die Regierung eine umfassende Strategie entwickelt, die „National Adult Literacy and Mass Education Rolling Strategy 2020/21 to 2024/25“.

Geplant sind unter anderem Alphabetisierungskurse im ganzen Land, eine Monitoring-Datenbank, um die Fortschritte zu messen, und die Einrichtung von Fördertöpfen für Lernmaterialien. Der Staat zahlt auch für Lehrerfortbildungen und Forschung.

Mit seiner derzeitigen Analphabetenrate hinkt Tansania dem Erreichen des UN-Ziels 4.6 für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal – SDG) weit hinterher, das Analphabetismus bei Jugendlichen und Erwachsenen bis 2030 ganz abschaffen will.

Knappe Ressourcen haben dazu geführt, dass Lehrer schlecht ausgebildet sind, Lehrkräfte fehlen, die Klassen überfüllt sind und es an Lehr- und Lernmaterialien mangelt. In manchen Klassenräumen, die für 45 Schüler ausgelegt sind, sitzen 100. Hohe Abbruchquoten, die vor allem auf diese Bedingungen zurückzuführen sind, sorgen auch dafür, dass Analphabetismus noch immer verbreitet ist.

Das Analphabetismus-Problem ist besonders deprimierend, da Tansania schon einmal auf einem guten Weg war. Als das Land 1961 unabhängig wurde, machte der erste Präsident, Julius Nyerere, die Alphabetisierung von Erwachsenen und Kindern zur Top-Priorität. Innerhalb von 30 Jahren sank die Analphabetenrate von geschätzten 70 Prozent auf 14,5 Prozent der Bevölkerung. Die UNESCO erkannte dies als Erfolg an.

Seit den frühen 1990er Jahren hat sich die Entwicklung aber umgedreht. Die aktuelle Rate von 22,4 Prozent bedeutet, dass 5,5 Millionen Tansanier über 15 Jahre nicht lesen und schreiben können.


Viele Vorteile

Die Alphabetisierungsrate anzuheben – und auch Erwachsene weiterzubilden, die zwar lesen und schreiben können, aber ihre Kompetenzen verbessern wollen – wird sich laut James Mdoe vom Bildungsministerium auf vielerlei Weise auszahlen. Beispielsweise würden sich dadurch die Möglichkeiten der Tansanier verbessern, „Herausforderungen in der Umwelt zu identifizieren, zu verstehen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um sie anzugehen“.

Wer als Jugendlicher oder Erwachsener nicht lesen, schreiben oder rechnen kann, ist wirtschaftlich benachteiligt, wie der Regierungsbeamte betont. Lesen und schreiben zu können befähige die Menschen außerdem dazu, komplexere Tätigkeiten auszuführen, mehr Verantwortung zu übernehmen, Probleme besser zu verstehen und Lösungen zu entwickeln. Kurz gesagt, sei eine gebildete Gesellschaft „die Grundlage für nachhaltige Entwicklung“, sagt Mdoe.

Das Ziel zu erreichen wird einiges kosten. Auf den Bildungsbereich entfallen 15 Prozent des tansanischen Staatshaushalts und 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Angaben der Regierung werden die Alphabetisierungsprogramme diesmal, anders als in der Vergangenheit, nicht von ausländischen Gebern, sondern überwiegend aus nationalen Mitteln bezahlt.

Abgesehen von der Finanzierung müssten für das Projekt Beteiligte auf allen Ebenen zusammenarbeiten, betont Mdoe. Experten würden gebraucht, um die Rekrutierung und Ausbildung von Lehrern zu organisieren, Forschung über Alphabetisierungsmethoden für Erwachsene zu steuern und Innovationen in der Weiterbildung voranzutreiben. Andere Projektmitarbeiter würden dafür sorgen, die Klassen mit Multimedia-Technik auszustatten, junge Frauen mit den Bildungsangeboten zu erreichen und die Gestaltung der Tests zu verbessern, die die Fortschritte messen.

Einige Elemente der Alphabetisierungsoffensive sind hingegen vergleichsweise einfach und direkt umzusetzen. Dazu gehört die Verteilung von Radiogeräten in ländlichen Gebieten, um lebenslanges Lernen zu unterstützen, und die Ausgabe von Lesematerial – inklusive lokaler Zeitungen –, um Lesegewohnheiten zu stärken.


Lawrence Kilimwiko ist freier Journalist in Daressalam.
[email protected]

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