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Teenagerschwangerschaften

Recht auf Kindheit

von Barbara Mayrhofer

In Kürze

Aids-Prävention kann mit der Aufklärung über Teenager­schwangerschaften verbunden werden: Projekt in Accra/Ghana.

Aids-Prävention kann mit der Aufklärung über Teenager­schwangerschaften verbunden werden: Projekt in Accra/Ghana.

Wenn junge Mädchen Kinder bekommen, hat das gravierende Folgen für ihr weiteres Leben. Doch auch die Familien, Gesellschaft und Wirtschaft eines Landes sind beeinträchtigt.

Rund 7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahren bringen jährlich ein Baby zur Welt. Während in vielen Entwicklungsländern die Anzahl von Teenagerschwangerschaften im Vergleich zu den späten 1990er Jahren gesunken ist, verzeichnen einige Subsahara-Länder einen Anstieg. Der aktuelle Bericht des Bevölkerungsfonds der UN (UNFPA) zu Teenagerschwangerschaften fasst weltweit Daten zusammen und zeigt den Handlungsbedarf auf.

Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt sind laut dem Bericht der Hauptgrund für den Tod von jungen Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern. Mädchen unter 15 Jahre sind demzufolge physisch noch nicht für eine Schwangerschaft bereit. Die Zahl an Totgeburten und die frühkindliche Sterberate ist bei Teenagermüttern deutlich höher, als bei älteren Frauen. Auch die Folgen einer unprofessionell durchgeführten Abtreibung stellen eine große Gefahr für junge Mädchen dar, erläutert die Studie. Auch Risiken wie HIV und andere sexuell übertragene Krankheiten sind relevant.

Teenager, die Mütter werden, haben wenig Chancen auf Bildung. Viele Schulen erlauben jungen Müttern nicht wiederzukommen. Andere Mädchen haben zu wenig Unterstützung von ihrem Umfeld, um die Doppelbelastung einer Schulausbildung und des Mutterseins zu meistern. Der
UNFPA-Bericht macht deutlich, dass viele junge Mütter aber bereits vor ihrer Schwangerschaft nicht mehr zur Schule gegangen sind, weil sie verheiratet wurden.

Die Ursachen für Teenagerschwangerschaften sind vielschichtig. Bildung und sexuelle Aufklärung sind ein Schlüssel zur Prävention. Mädchen aus ländlichen, armen Gegenden mit niedriger Schulbildung laufen eher Gefahr, frühzeitig schwanger zu werden, als reichere, besser gebildete Altersgenossinnen aus der Stadt.

Neben den individuellen Lebensumständen der Mädchen bestimmt auch der Staat Möglichkeiten von jungen Frauen: Er stellt die rechtlichen Rahmenbedingen, er kann Kinderheirat verbieten und Bildungsgleichheit fördern. In vielen Entwicklungsländern seien diese Voraus­setzungen nicht gegeben, moniert der Bericht.

Auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fördern in vielen Ländern Kinderheirat und frühe Mutterschaft. Die kulturellen Normen und Traditionen der Familien zwingen Mädchen, so früh wie möglich ihre Aufgabe als Frau und Mutter zu erfüllen. Die Mädchen haben oft keine Entscheidungsmacht über ihr eigenes Leben und werden von der Obhut des Vaters direkt in die ihres Ehemannes gegeben. Hinzu kommt, dass die Teenager nicht aufgeklärt werden und ein frauenfeindliches Geschlechterbild in der Gesellschaft herrscht.

Der Bericht bemängelt, dass die bisherigen Lösungsansätze zu einseitig auf die Mädchen als Ursache des Problems gerichtet waren. Dementsprechend verfolgten präventive Maßnahmen immer das Ziel, das Verhalten von Mädchen zu ändern. Die Verfasser der Studie fordern jedoch, die tiefer liegenden Gründe hinter den Teenagerschwangerschaften anzugehen. Ihrer Ansicht nach braucht es nicht unbedingt ein einzelnes Programm, um das Problem anzugehen. Viele Maßnahmen, die beispielsweise auf HIV-Prävention oder besseren Zugang zu Bildung für Mädchen ausgerichtet sind, helfen auch, Teenagerschwangerschaften zu verhindern.

Nach dem UNFPA-Bericht sind folgende Maßnahmen notwendig, um nachhaltig und effektiv dafür zu sorgen, dass junge Mädchen ihre Rechte wahrnehmen können:

  • Aufklärung und Prävention auf Mädchen unter 14 Jahren ausweiten und altersadäquat vermitteln,
  • Männer und Jungen mit einbeziehen und gemeinsam mit ihnen neue Geschlechterrollen definieren,
  • Mädchen, die schwanger sind oder bereits Kinder haben, unterstützen,
  • sexuelle Gewalt und Kinderheirat aktiv bekämpfen, und
  • großflächigen medizinischen Service und Aufklärung für junge Menschen.

Abschließend fordern die Verfasser, dass die verschiedenen Akteure und Programme sich stärker vernetzen, um das Problem gemeinsam anzugehen. Zudem wollen sie Bildung und Gesundheit für Mädchen in den nächsten multilateralen Entwicklungszielen („post-2015 Agenda") verankert sehen.
 

Barbara Mayrhofer