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Restitution

Die schwierige Aufgabe der ­Rückgabe

von Sabine Balk

In Kürze

Drei der berühmten Benin-Bronzen im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg

Drei der berühmten Benin-Bronzen im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg

80 bis 90 Prozent der afrikanischen Kunst befindet sich in Europa oder den USA, wohin sie im Zuge des Kolonialismus außer Landes geschafft wurde. In Europa hat die Diskussion um die Rückgabe (Restitution) in den vergangenen Jahren Fahrt aufgenommen.

In Deutschland hat sich die Debatte vor allen am Bau des Humboldt Forums in Berlin entzündet, in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron die Debatte vorangetrieben. Allerorts zeigt sich, dass die Rückgabe kein triviales Unterfangen ist und es keine einfache Lösung gibt.

Im ethnologischen Teil des Humboldt Forums, einem Großmuseum in Berlin, befinden sich zehntausende Artefakte aus Afrika und Asien. Kritiker bemängeln den Umgang des Museums mit den Ausstellungstücken: Das Museum setze sich nicht genug für die Diskussion um die Herkunft und Rückgabe dieser Objekte ein. Eines der bedeutendsten Ausstellungstücke ist das 16-Meter lange und einzigartige „Luf“-Boot. Es stammt aus dem heutigen Papua-Neuguinea, wo die deutschen Kolonialherrscher im 19. Jahrhundert im „Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea“ ein brutales Regime führten. Wie die genaue Herkunftsgeschichte (Provenienz) des Bootes ist, darüber habe das Museum noch zu wenig geforscht, räumt es selbst ein. Über eine Rückgabe, wie von manchen gefordert, denkt es allerdings nicht nach.

Anders sieht es mit einem anderen Kunstschatz, den sogenannten Benin-Bronzen, aus. Sie stammen aus dem Königreich Benin, das im heutigen Nigeria lag. Die britische Kolonialmacht legte dort 1897 bei einer Strafexpedition alles in Schutt und Asche – nachdem sie die prächtigen Paläste geplündert hatten. Die Briten verkauften zahlreiche Kunstobjekte an deutsche Sammler und Museen. Rund 1100 Bronzen sind in deutschen Museen zu finden, darunter auch im Humboldt Forum.

Die deutsche Bundesregierung einigte sich nun mit der nigerianischen auf eine Rückgabe der wertvollen Bronzen. Wie viele Objekte zuerst zurückgegeben werden, steht noch nicht fest, der Start wurde aber auf 2022 festgelegt.

In Frankreich gab es 2017 eine vielbeachtete Initiative von Präsident Macron. Er versprach, alle Raubkunst aus französischen Museen ihren Eigentümern zurückzugeben. Um einen Modus Operandi für die Restitution zu finden, beauftragte er zwei Experten mit der Erstellung eines Berichts. Ihre Empfehlung: Alle Raubkunst muss permanent ins Ursprungsland zurückgegeben werden, auch wenn die Eigentümerschaft nicht 100-prozentig geklärt ist.

Dies ist eine Haltung, die nicht alle Kunst- und Museumsexperten teilen. Guido Gryseels, Direktor des Afrika-Museums im belgischen Tervuren, lehnt eine Rückgabe nicht generell ab, differenziert aber. In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung plädierte er 2018 dafür, Kunstschätze nur dorthin zurückzugeben, wo die entsprechende Museumsinfrastruktur bestehe. Die meisten Objekte aus seiner Sammlung stammten aus der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Dort gäbe es keine Aufbewahrungsorte und Restaurierungsmöglichkeiten. Den Kongolosen selbst gehe es weniger um eine Rückgabe als um einen Zugang zu den Objekten, sagt Gryseels: „Afrika hat offensichtlich Anspruch darauf, die Kontrolle über das eigene kulturelle Erbe zu erhalten.“

Einig sind sich alle, dass die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte noch am Anfang steht und weitergeführt werden muss. Es wird noch lange dauern, alle offenen und kontroversen Fragen zu bearbeiten, und Museen haben dabei eine gewichtige Rolle zu spielen (siehe Anke Schwarzer im Sommer Special des E+Z/D+C e-Papers 2021/08). Letztendlich geht es aber auch darum, globale Machtstrukturen zu hinterfragen.


Sabine Balk ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
[email protected]
 

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