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Gleichstellung der Geschlechter

Die „Gender-Linse“ benutzen

von Cema Tork

In Kürze

Michelle Bachelet, UN-Menschenrechtskommissarin und ehemalige Präsidentin Chiles, ist ein außergewöhnliches Beispiel für weibliche Führung auf nationaler und internationaler Ebene. Die Universität Evora in Portugal verlieh ihr 2017 einen Ehrendoktor­titel.

Michelle Bachelet, UN-Menschenrechtskommissarin und ehemalige Präsidentin Chiles, ist ein außergewöhnliches Beispiel für weibliche Führung auf nationaler und internationaler Ebene. Die Universität Evora in Portugal verlieh ihr 2017 einen Ehrendoktor­titel.

Die SDGs wurden von allen UN-Mitgliedsstaaten angenommen. Ein UNESCO-Bericht zur Gleichstellung der Geschlechter in der Bildung fordert, dass den Worten Taten folgen müssen. Die Autoren schlagen vor, eine „Gender-Linse“ zu verwenden, um auf soziale Ungleichheiten aufmerksam zu machen und sie zu reduzieren.

2018 veröffentlichte die UNESCO im Rahmen des Global Education Monitoring Report ihren sechsten Gender-Bericht. Damit will sie den Fortschritt bei der Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) verfolgen. Laut der Agenda sollen Männer und Frauen gleichermaßen von Entwicklung profitieren. Der UNESCO-Bericht konzentriert sich auf SDG 4 (Gewährleistung einer inklusiven und gleichwertigen Bildung und Förderung von Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle) und SDG 5 (Gleichstellung der Geschlechter erreichen und alle Frauen und Mädchen stärken).

Die gute Nachricht ist, dass weltweit auf allen Bildungsebenen außer dem Tertiärbereich Gleichheit erreicht wurde. Die schlechte Nachricht ist, dass es auf nationaler und regionaler Ebene Unterschiede gibt, die sich in höheren Bildungsstufen verschärfen.

Der Bericht geht über den Vergleich der Anzahl von Jungen und Mädchen in Klassenzimmern hinaus. So befasst sich der erste Teil mit den Themen, die geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bildung verursachen, etwa Gesundheit, Wasser und Sanitärversorgung. Im zweiten Teil geht es um Anreize und Strafmaßnahmen, die zur Erreichung der SDGs beitragen können. Im Idealfall sollten Regierungen und Schulen sicherstellen, dass die Standards eingehalten werden, und unabhängige Instanzen – wie Journalisten, Gerichte und NGOs – sollten sie überwachen.


Was muss noch geschehen?

Der Bericht führt den Begriff „Gender-Linse“ ein. Er bedeutet, dass das Geschlecht bei jedem Aspekt des Lebens berücksichtigt werden sollte. So soll Diskriminierung erkannt und angegangen werden. Relevante Bereiche in Bezug auf Bildung sind:

  • Geschlechternormen,
  • Werte und Einstellungen,
  • Nicht-Bildungseinrichtungen,
  • Gesetze und Richtlinien,
  • Verteilung von Ressourcen und
  • Lehr- und Lernpraktiken.

Beispielsweise verwendet der Bericht die Gender-Linse, um den Mangel an Frauen in Führungspositionen weltweit zu betrachten. In allen OECD-Ländern zusammengenommen stellen Frauen 68 Prozent der Lehrkräfte im Sekundarbereich, haben jedoch nur 45 Prozent der Führungspositionen inne. Die Kluft zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften wächst im Allgemeinen mit dem Schulniveau. In Ruanda zum Beispiel sind 30 Prozent der Grundschulleiter Frauen, aber nur 19 Prozent der Leiter weiterführender Schulen. Die Autoren argumentieren, dass der Einfluss von Frauen beschränkt ist, wenn sie nicht auf allen Ebenen vertreten sind – von Schulgremien bis zu gesetzgebenden Organen. Dies könne Fortschritte zur Gleichheit verlangsamen oder sogar verhindern.

Die UNESCO-Autoren richten die Gender-Linse auch auf die UN. Sie betonen deren Vorbildfunktion und wollen, dass sie ihre Ideale als einen „entscheidenden ersten Schritt“ auf dem Weg zur Gleichstellung umsetzen. Natürlich haben auch die UN noch keine Gleichstellung der Geschlechter auf der Führungsebene erreicht.

Der Bericht fordert, dass UN-Organisationen, multilaterale Organisationen und nationale Regierungen Frauen mehr Führungspositionen zugestehen. Dazu verweist er auf den erfolgreichen Einsatz von Quoten in Ländern wie Schweden, Italien und Uganda. Dieser hat zu mehr Frauen in Spitzenjobs geführt – und zum Teil zu kompetenteren und besser ausgebildeten Führungskräften. Durch die Durchsetzung der Quoten sind die Länder der Erreichung ihrer Ziele nähergekommen. Frauen in Führungspositionen sind außerdem Vorbilder für Mädchen.

Der Bericht weist darauf hin, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Bildung kein isoliertes Thema ist. Sie ist mit allen anderen Bereichen der Gesellschaft verbunden. Wenn sich die Gleichstellung der Geschlechter in der Bildung verbessert, verbessert sie sich auch im Gesundheitswesen, in der Regierung, auf dem Arbeitsmarkt und so weiter. Nach Ansicht der Autoren sollte jeder – egal ob Student, Elternteil, Lehrer, Regierungsbeamter, Frau oder Mann – Bildung und Politik durch die Gender-Linse betrachten und dann Maßnahmen ergreifen, um die Lage zu verbessern.


Link
Global Education Monitoring Report:
https://en.unesco.org/gem-report/2018_gender_review

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