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Infrastruktur

Zerstörerischer Bedarf an Brennholz

von Gloria Laker Aciro Adiiki

Meinung

Holzkohleverkauf auf dem Land.

Holzkohleverkauf auf dem Land.

Wie in vielen afrikanischen Ländern hängen viele Menschen in Uganda von traditioneller Biomasse als Energieträger ab. Anschluss an das Stromnetz hat nur eine Minderheit.

Etwa 90 Prozent des Energieverbrauchs in Uganda wird offiziellen Zahlen zufolge durch Biomasse gedeckt. Feuerholz macht knapp 80 Prozent davon aus, 10 Prozent entfallen auf Holzkohle und Erntereste. Elektrische Energie trägt nur 1,4 Prozent zur Energiebilanz bei. Das 7. UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal – SDG) ist die zuverlässige Versorgung aller Menschen mit günstiger und sauberer Energie. Davon ist Uganda noch weit entfernt.

Traditionellerweise sammeln Frauen und Mädchen auf dem Land Feuerholz, um es zu trocknen und zu nutzen. Doch inzwischen werden auch Bäume abgeholzt, um Brennholz zu gewinnen. Ein beachtlicher Teil davon wird auf städtischen Märkten verkauft. Außerdem steigt der Bedarf an Ackerland in ländlichen Gebieten, denn die Bevölkerung wächst. Die Abholzung gefährdet die Wälder und verursacht erhebliche Umweltschäden. Laut staatlichen Angaben sind Ugandas Wälder in nur zwei Jahrzehnten von 1990 bis 2010 von fast 50 000 km² auf nicht einmal mehr 30 000 km² geschrumpft. Der Trend hält an. Die Regierung schätzt, dass jährlich eine Fläche von 900 km² Wald verschwindet.

Das hat Folgen. Feuerholz wird knapp, sodass der Preis steigt und noch mehr Holz geschlagen wird. Der Wald schrumpft weiter, sodass Frauen und Mädchen beim Holzsammeln immer weiter laufen müssen. Erwachsene Frauen haben dadurch weniger Zeit für die Feldarbeit oder ein kleines Gewerbe, und Mädchen versäumen die Schule (siehe hierzu auch Dagmar Wolf im Monitor des E+Z/D+C e-Paper 2020/04).

In den meisten Dörfern gibt es keinen elektrischen Strom. Offene Feuerstellen im Haus – sei es Holzfeuer oder Kerosinöfen – sind ein großes Gesundheitsrisiko, aber vielen Menschen bleibt keine Wahl. Nur etwas mehr als 20 Prozent der Haushalte sind an das Stromnetz angeschlossen. Allerdings sind Stromausfälle häufig. Trotz der geringen Abnehmerzahl wird nicht ausreichend Strom bereitgestellt, um den Bedarf zu decken. Hebammen behelfen sich regelmäßig während Geburten mit dem Schein ihres Smartphone. Mangelhafte Energieversorgung behindert nicht nur soziale Dienste, sondern auch die ökonomische Entwicklung (siehe Derrick Silima im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2020/05).

Die Regierung befürwortet Solarenergie. Solarpanels werden genutzt, um Handys aufzuladen oder Wohnräume zu beleuchten. Das können sich selbst Menschen mit geringem Einkommen leisten, und schätzungsweise 20 Prozent der Haushalte nutzen diese Technik.

Der Energiesektor hat große wirtschaftliche Bedeutung. Brennstoffabgaben, die Mehrwertsteuer auf Strom und der Export von Elektrizität generieren Staatseinnahmen. Zudem zieht diese Branche Privat-investitionen an. Der Energiesektor ist eine Grundlage für andere Wirtschaftszweige und beschäftigt selbst Mitarbeiter. Die Regierung hofft, dass das kürzlich entdeckte Ölvorkommen Ugandas Perspektiven auf lange Sicht verbessern wird. Bisher ist davon nichts zu spüren.

Der Ölpreis auf dem Weltmarkt schwankt zur Zeit stark (siehe Hans Dembowski im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2020/05). Niedrige Preise nützen Uganda; aber hohe Preise treiben sofort Inflation an. Uganda ist Nettoimporteur von Erdölprodukten wie Diesel, Benzin und Kerosin. Die amtliche Statistik schätzt den Wert der erwarteten Brennstoffimporte im kommenden Jahr auf 1,2 Milliarden Dollar. Wegen der aktuellen Preisschwankungen sind solche Prognosen allerdings sehr unsicher.

Umweltaktivisten mahnen, dass fossile Energieträger aufgrund des Klimawandels keine Zukunft haben. Doch die Regierung hofft, mit der Förderung im Inland die Ölimporte zu drosseln. Im Prinzip ist Uganda ist mit zahlreichen Energiequellen gesegnet. Um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, müssen alle Optionen ausgelotet werden. Davon hängt die Entwicklung des Landes ab. Das Potenzial erneuerbarer Energieträger – insbesondere Solarenergie – ist riesig. Dies sollte in erster Linie genutzt werden.


Gloria Laker Aciro Adiiki ist Journalistin in Uganda. Als Aktivistin engagiert sie sich zudem in der Unterstützung von Flüchtlingen.
Twitter: @GloriaLaker

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