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Multilaterale Zusammenarbeit

Weshalb Chancen im Februar 2020 ungenutzt blieben

von Hans Dembowski

In Kürze

Verfügbar auf Englisch, Arabisch, Chinesisch, Französisch Russisch und Spanisch.

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Ein unabhängiges Expertenpanel im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO – World Health Organization) hat Vorschläge formuliert, wie Impfkampagnen beschleunigt und die Vorsorge für künftige Pandemien verbessert werden können.

Laut WHO hatte COVAX, die internationale Initiative zur Versorgung armer Länder mit Covid-19-Impfstoffen, bis Ende Mai 70 Millionen Dosen bekommen – genug für etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung der betroffenen Länder. Mehrere Vorschläge des Independent Panel for Pandemic Preparedness and Response könnten Abhilfe schaffen:

  • Länder mit hohen Einkommen sollten COVAX mehr Impfdosen zusagen – 1 Milliarde zusätzlich bis zum 1. September 2021 und weitere 2 Milliarden bis Mitte 2022.
  • Entsprechend ihrer Finanzkraft sollten G7-Länder mindestens 60 Prozent der 19 Milliarden Dollar aufbringen, die für internationale Programme zur Bereitstellung von Impfstoffen, Diagnostika, Heilmitteln und der Stärkung von Gesundheitswesen nötig sind.
  • Ein internationales Abkommen über freiwillige Lizenzierung und Technologietransfer für Corona-Vakzine sollte abgeschlossen werden.

Sollte bis Ende Juli nicht entsprechend gehandelt werden, empfiehlt das Panel der WHO, geistige Eigentumsrechte auszusetzen. Es hatte den Auftrag, die weltweite Reaktion auf Covid-19 einzuschätzen und macht diese und andere Vorschläge in seinem im Mai veröffentlichten Bericht.

Zu den schlimmsten Pandemiefolgen zählen die Experten bis Ende April:

  • den Tod von 3 Millionen Menschen, einschließlich 17 000 Fachkräften im Gesundheitswesen,
  • die voraussichtliche Reduktion der weltweiten Wirtschaftsleistung um 10 Billionen Dollar bis Ende 2021 und
  • den Anstieg der Zahl extrem armer Menschen um 115 bis 125 Millionen.

Laut dem Expertenurteil hätte es nicht so schlimm kommen müssen, aber sowohl nationalstaatliche wie multilaterale Institutionen seien sehr schnell überfordert gewesen. Trotz der Erfahrung mit SARS und Ebola habe die Pandemie sie weitgehend unvorbereitet getroffen. Besonders verheerend sei gewesen, dass Nationalstaaten nicht sofort reagierten, als die WHO Ende Januar 2020 den internationalen Gesundheitsnotfall (Public Health Emergency of International Concern – PHEIC) ausrief. Das sei ihre höchste Warnstufe, aber die Nachricht sei vielfach nicht angekommen, denn die meisten Staaten setzten keine koordinierten Präventionsmaßnahmen in Gang. Die Verantwortlichen hätten weder die Gefahr erkannt noch gewusst, was sie tun sollten. Die abwartende Haltung habe den Februar 2020 zu einem Monat verpasster Chancen gemacht, schreibt das Panel, das die ehemalige neuseeländische Premierministerin Helen Clark und die ehemalige nigerianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf leiteten.

Später setzte Corona dann nationale Gesundheitssysteme unter riesigen Druck, während Lockdowns die Volkswirtschaften erheblich beeinträchtigten. Umsichtige Politik habe sich als wichtiger als die jeweilige Finanzkraft der betroffenen Länder erwiesen. Am schlimmsten habe die Krankheit gewütet, wo Regierungen Gegenmaßnahmen nicht koordinierten, mit entschlossenem Handeln zögerten, Wissenschaft abwerteten, das Ausmaß der Pandemie leugneten und Misstrauen nährten. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Gesundheitsversorgung vielfach als fragmentiert und – unter anderem wegen schlecht bezahlten Personals – als unterfinanziert erwies. Allzu viele Länder hatten ohnehin keine Epidemiepläne.

Das Panel hält indessen fest, Forschung und Entwicklung hätten schnell reagiert, sodass Vakzine schon nach wenigen Monaten bereitstanden. Auch habe das multilaterale System schnell neue Institutionen wie COVAX geschaffen. Allerdings funktionierten nicht alle gut. Insbesondere das Covid-19 Technology Access Pool (C-TAP) laufe bislang leer. Es wurde geschaffen, um geistiges Eigentum, Wissen und Daten auf die im Kampf gegen HIV/Aids, Hepatitis C und Tuberkulose bewährte Weise zu teilen.

Zur Vorbereitung auf künftige Pandemien muss aus Sicht des Panels das internationale System reformiert werden. Zu seinen Vorschlägen gehören:

  • klarere Leitungs- und Koordinationszuständigkeiten auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene,
  • Investitionen vor der nächsten Gesundheitskrise,
  • bessere Datenerfassung mit effektiverem Warnsystem und
  • eine im Vorfeld ausgehandelte Plattform für die Finanzierung und Bereitstellung aller relevanten medizinischen Güter.

Ausdrücklich empfiehlt das Panel die Schaffung eines Weltrats für Gesundheitsrisiken und eine Rahmenkonvention für Pandemien.


Link
The Independent Panel for Pandemic Preparedness & Response, 2021: Covid-19: Make it the Last Pandemic (verfügbar auf Englisch, Arabisch, Chinesisch, Französisch Russisch und Spanisch).
https://theindependentpanel.org/mainreport/


Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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