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Unsere Sicht

Der Faktor Mensch

von Katja Dombrowski

Meinung

Blick auf den Tamarin-Fluss in Mauritius.

Blick auf den Tamarin-Fluss in Mauritius.

Manchen Kulturen gilt er als Sehnsuchtsort, an dem Mensch und Natur zueinander finden, anderen als Quell von Gefahren. Grundsätzlich ist der Wald ein wichtiger Lieferant von Ressourcen, bedeutendes Ökosystem und Speicher des klimarelevanten Gases CO2. Nachhaltig mit ihm umzugehen gebietet sich somit schon aus Eigennutz: Was ich heute zerstöre, kann mir später nicht mehr nützen.

In Deutschland waren Entwaldung und Übernutzung schon vor 300 Jahren so groß, dass die Notbremse gezogen werden musste. Die Forstwirtschaft führte ein Prinzip der Waldbewirtschaftung ein, bei dem nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie auch wieder nachwächst – und brachte den Begriff der Nachhaltigkeit hervor, der heute als Ziel jeglichen Wirtschaftens gilt, nicht nur im Wald. Ein Ziel, das allerdings allzu oft von kurzfristigen, individuellen Interessen untergraben wird.

Deutschland ist heute wieder zu rund einem Drittel von Wald bedeckt. Weltweit gesehen ist die Waldzerstörung in den vergangenen 300 Jahren jedoch rasant fortgeschritten und tut das auch weiterhin. Vor allem die riesigen Tropenwälder, die eine große Bedeutung für das globale Klima haben, schwinden dahin. Prominentestes Beispiel ist das Amazonasgebiet, das größte Waldgebiet der Erde. Nachdem die Abholzungsrate einige Jahre rückläufig war, steigt sie wieder an, besonders seit Jair Bolsonaro Präsident von Brasilien ist.

Landwirtschaft, Holzindustrie und Bergbau fressen auch in anderen Teilen der Welt von Sibirien bis zur DR Kongo den Wald auf. Die Schäden sind dramatisch, insbesondere wenn Urwälder betroffen sind: Sie sind Lebensraum eines Großteils aller landlebenden Pflanzen und Tiere. Der Verlust der Artenvielfalt ist nicht einfach nur traurig, er bedroht den Menschen existenziell; Ernährung und Gesundheit stehen vor allem in armen Ländern auf dem Spiel.

Die größten Nachteile haben lokale Gemeinschaften, die – zumeist auf nachhaltige Weise – im beziehungsweise vom Wald leben. Oft sind das indigene Völker. Ihre Rechte werden mit Füßen getreten, ihre Lebensräume und Lebensgrundlagen zerstört. Zudem hat die Entwaldung Auswirkungen auf das regionale Klima: Niederschläge verändern sich, die Wüstenbildung nimmt zu. Aber auch die Erderhitzung geht mit weniger Wald schneller voran. Denn dort ist viel Kohlendioxid in Biomasse und Böden gespeichert. Durch Abholzung wird CO2 freigesetzt, und Speicherfähigkeit geht verloren.

Einzelne Länder machen beim Waldschutz Fortschritte, etwa Indonesien, und die internationale Gebergemeinschaft bemüht sich, diese etwa durch ökonomische Anreize und Unterstützung bei der Umsetzung in Entwicklungsländern auszuweiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ein großer Treiber für die Entwaldung in den westlichen Industrieländern liegt: Ihre Nachfrage nach Holz, nach Soja für die Fleischproduktion oder Palmöl als Brennstoff und für Lebensmittel und Kosmetik macht die Abholzung erst so lukrativ.

In jüngster Zeit hat der Waldverlust große Schlagzeilen produziert, insbesondere wegen der gewaltigen Brände im Amazonasgebiet und der monatelangen Buschfeuer in Australien. Die Bestürzung darüber ist berechtigt, noch besser wäre es allerdings zu handeln. Ob Brände nun absichtlich gelegt oder durch Klimaveränderungen wie verstärkte Hitze und Trockenheit ausgelöst werden – stets hat der Mensch die Finger im Spiel. Gewissermaßen ist das eine gute Nachricht: Waldverlust ist kein Schicksal. Wir können ihn stoppen.


Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
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