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Körperliche Autonomie

Frauenrechte sind Menschenrechte

von Dagmar Wolf

In Kürze

Kinderehen sind ein verbreitetes Phänomen in armen Ländern: 13-jähriges Mädchen aus Mali mit ihrer Tochter.

Kinderehen sind ein verbreitetes Phänomen in armen Ländern: 13-jähriges Mädchen aus Mali mit ihrer Tochter.

Weltweit haben nur 75 Prozent der Frauen die gleichen Rechte wie Männer, so der diesjährige Bericht des United Nations Population Fund (UNFPA). Das Leben von Millionen Frauen wird von anderen bestimmt, ihr Körper gehört ihnen nicht.

In Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen hat fast die Hälfte der Frauen und Mädchen nicht das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie Sex haben, verhüten oder medizinische Versorgung in Anspruch nehmen möchten. In einigen Ländern südlich der Sahara wie Mali, Niger und Senegal sind es sogar weniger als 10 Prozent der Frauen, erklärt der UNFPA-Bericht, den es auch auf Deutsch in einer Kurzfassung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung gibt.

Ursachen hierfür seien patriarchalische Gesellschaften und Normen, in denen Männer als Familienoberhäupter das Recht für sich in Anspruch nehmen, die Frauen zu unterwerfen. Durch patriarchalische Praktiken wie Zwangs- oder Kinderehen, Mitgiftzahlung, Witwenvererbung oder durch Verheiratung von Vergewaltigungsopfern mit ihren Vergewaltigern werden Frauen zu Opfern degradiert und als Waren gehandelt. Auch die weibliche Genitalverstümmelung sieht der Bericht als Teil einer umfassenden patriarchalischen Praktik, die darauf abzielt, die sexuellen und reproduktiven Rechte zu kontrollieren.

In Krisensituationen wie aktuell in der Covid-19-Pandemie verschlechtert sich laut UNFPA die Situation für Frauen und Mädchen oftmals noch weiter. Wenn Schulen geschlossen sind, steigt das Risiko sexualisierter Gewalt für Mädchen. Viele Dienstleistungen von sexueller und reproduktiver Gesundheit fallen aufgrund von Lockdown-Bestimmungen sowie mit Rekordverschuldungen einhergehenden Sparmaßnahmen weg. In Ländern wie Äthiopien, Kenia, Nigeria und dem Sudan, in denen Eheschließungen als Lösung angesehen werden, um Mädchen vor den negativen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu bewahren, steigt die Zahl der weiblichen Genitalverstümmelungen in Vorbereitung auf die Eheschließung.

Zwar sind die Rechte auf körperliche Autonomie und Unversehrtheit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte anerkannt, und viele Länder haben Gesetze zum Schutz von Frauen und Kindern, doch hapert es oft, auch aufgrund pluraler Rechtssysteme, an deren Umsetzung.

Körperliche Autonomie und Gleichstellung von Frauen setzt Änderungen von Normen und Verhaltensweisen voraus, so der Bericht. Hierfür müssen Männer ins Boot geholt werden. Sie müssen überkommene Muster von Privilegien und Dominanz überwinden, eingefahrene Rollenverteilungen verändern und beispielsweise ihren gerechten Anteil an unbezahlter Care-Arbeit leisten. Bisher geht diese Form der unbezahlten Arbeit zu Lasten von Frauen und Mädchen, Bildung und Chancengleichheit wird ihnen dadurch verwehrt. Auch müssten Polizei- und Justizbeamte Gesetze nicht nur kennen, sondern auch eigene Vorurteile hinterfragen, fordert UNFPA.

Es gibt auch positive Trends. Dem Bericht zufolge ist der Anteil der Frauen, die autonom über Gesundheitsversorgung, Verhütung und Sex entscheiden können, beispielsweise in Ruanda und Uganda gestiegen – in Uganda sogar um 12,3 Prozent. Doch bis das 5. Ziel (Sustainable Development Goal – SDG) der Agenda für Nachhaltige Entwicklung – die Gleichstellung der Geschlechter – erreicht ist, ist es noch ein weiter Weg. UNFPA fordert daher:

  • ein Ende der Straflosigkeit von sexualisierter Gewalt (von der Einzeltat bis hin zu Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe),
  • umfassende verpflichtende Sexualaufklärung in Schulen,
  • mehr Chancengleichheit auf hochwertige Bildung und menschenwürdige Arbeit,
  • die Förderung gendersensibler Grundeinstellung bei Männern und Jungen,
  • die Beendigung der Benachteiligung von Frauen im öffentlichen Raum, der Legislativen und in Führungspositionen,
  • eine hochwertige und bezahlbare Gesundheitsversorgung und bezahlbarer Zugang zu Dienstleistungen wie Kinder- und Altenbetreuung und
  • die Stärkung und Finanzierung von Frauenorganisationen.

Auch die internationale Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe sieht UNFPA in der Pflicht: im Jahr 2018 seien nur vier Prozent des gesamten Entwicklungsbudgets der 30 größten Geberländer in Programme zur Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung von Frauen geflossen – das sei zu wenig.


Link
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), 2021: Mein Körper gehört mir. Das Recht auf Autonomie und Selbstbestimmung einfordern.
https://www.dsw.org/wp-content/uploads/2021/04/UNFPA-Weltbevoelkerungsbericht_2021_web.pdf


Dagmar Wolf ist Redaktionsassistentin bei E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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