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Mehrfachkrise

Die neue Klimastrategie der ECOWAS

von Karim Okanla

Meinung

Dürreopfer in Mali.

Dürreopfer in Mali.

Wiederkehrende Dürren, unberechenbare Regenfälle und der Anstieg des Meeresspiegels hinterlassen Spuren in Westafrika. Als Reaktion auf die Klimakrise plant die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS – Economic Community of West African States), im nächsten Jahrzehnt rund 280 Milliarden Euro in Klimamaßnahmen zu investieren.

Im April 2022 hat die ECOWAS eine gemeinsame Strategie verabschiedet, um auf den Klimawandel zu reagieren. Ein jahrelanger Verhandlungsprozess ging voraus, der bei einem zweitägigen Gipfel der 15 Mitgliedsstaaten in der ghanaischen Hauptstadt Accra abgeschlossen wurde. 278 Milliarden Euro an Investitionen sehen die Spitzenpolitiker für die Klimapolitik vor.

Einzeln haben Mitgliedsstaaten bereits eigene Klimaprogramme gestartet. In Ländern wie Senegal und Ghana laufen verschiedene Projekte mit globaler Unterstützung, um auf die starken Auswirkungen der Klimakrise zu reagieren. Andere Länder müssen ihrerseits Maßnahmen etwa für den Küstenschutz treffen. Die neue Strategie ist ein entscheidender Schritt für regionale Kooperationen.

Breit angelegte Strategie

Die Strategie verfolgt einen breiten Ansatz. Lokale Institutionen, zivilgesellschaftliche Gruppen und die Regierungsbehörden der Mitgliedernationen  sollen sich an Koordination und Umsetzung beteiligen. Das Dokument enthält Ziele für Sektoren wie Transport, Landwirtschaft, Landnutzung, Energie, Wasser und Gesundheit. Die neue Strategie verpflichtet die ECOWAS  mit Unterstützung der EU und anderer internationaler Geldgeberinstitutionen im nächsten Jahrzehnt 278 Milliarden Euro zu investieren. Es wird erwartet, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten einen Großteil des Geldes beisteuern. Die Strategie steht imn Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen, es ist aber nicht klar, in welchem Umfantg die EU die Strategie mitträgt und zur Finanzierung bereit ist.
„Klimawandel überschreitet Grenzen“, sagt Sékou Sangaré, der ECOWAS-Kommissar für Landwirtschaft, Umwelt und Wasserressourcen. Laut ihm spüren alle Mitgliedsländer die zunehmend extremen Wetterbedingungen – mit Folgen wie Fluten, Hitzewellen oder Küstenerosion. „Wir müssen die Lage beurteilen und entsprechend  reagieren“, fügt er hinzu.

„Nirgendwo ist mehr Licht, Wärme und Feuchtigkeit als in Westafrika“, schrieb der bekannte britische Umweltschützer David Attenborough vor drei Jahrzehnten in seinem Buch „The Living Planet“. Leider geht es mit der Region bergab. Der afrikanische Kontinent trägt in unverhältnismäßigem Ausmaß die Hauptlast der globalen Erwärmung. Während die ECOWAS-Länder für weniger als zwei Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, steigt ihre Temperatur 1,5 Grad stärker als der globale Durchschnitt. In der politisch instabilen Region liegen neun der 30 Länder, die am anfälligsten für die schädlichen Folgen des Klimawandels sind.

Menschen, die an westafrikanischen Küstenregionen und auf Inseln leben, klagen über die eindringenden Meereswellen und das erodierende Land. Unberechenbare Regenfälle und ausgedehnte Zeitspannen von sengender Hitze stören in vielen Gebieten schwerwiegend die Landwirtschaft. Die Sahelzone am Südrand der Sahara leidet immer wieder unter Dürren. Die Wasserressourcen sind erschöpft.

Nach Schätzungen der Weltbank  könnten bis 2050 in ganz Westafrika über 32 Millionen Menschen ihr Heim verlassen müssen. Für eine wachsende Zahl von Gemeinden ist Ernährungssicherheit nicht mehr selbstverständlich (siehe Paolo Cernuschi am Beispiel Niger auf www.dandc.eu). Die multiplen Krisen der Region führen zu politischer Instabilität, Bürgerkriegen und fragilen Staatsstrukturen (siehe Vladimir Antwi-Danso auf www.dandc.eu). Steigende Getreidepreise in Folge des Ukrainekriegs kommen erschwerend hinzu.

In Westafrika leben über 400 Millionen Menschen. Es ist davon auszugehen, dass die Bevölkerung bis 2050 auf eine Milliarde ansteigen wird. Auch darum sind Experten der Meinung, dass sofortige Maßnahmen nötig sind, damit sich die Lage nicht weiter verschlechtert. Es ist notwendig, mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu beginnen.


Karim Okanla ist Medienwissenschaftler und freiberuflicher Autor in Benin.
karimokanla@yahoo.com