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Familienplanung

Verhütungsmittel für Minderjährige

von Humphrey Nkonde

Heutzutage

In Sambia gibt es eine Debatte darüber, ob Verhütungsmittel an junge Mädchen – auch Minderjährige – ausgegeben werden sollten oder nicht, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Manche zivilgesellschaftlichen Organisationen sind dafür. Sie weisen darauf hin, dass so auch sexuell übertragbare Krankheiten eingedämmt werden könnten.

Sambia hat pro Jahr etwa 16 000 registrierte Fälle ungewollter Schwangerschaften bei Schulmädchen. Die Zahl ist noch höher, wenn Teenager, die nicht zur Schule gehen, hinzugezählt werden. Schwangere Mädchen verlassen in der Regel die Schule, und viele kommen auch nach der Geburt nicht zurück, um ihren Abschluss zu machen. Das intellektuelle Potenzial dieser Mädchen liegt brach.

Marie Stopes Zambia, die nationale Zweigstelle der internationalen Nichtregierungsorganisation, unterstützt die Ausgabe von Verhütungsmitteln an Teenager. Marie Stopes International stellt Frauen und Mädchen in 37 Ländern individuelle Verhütung zur Verfügung. Wo Abtreibung legal ist, bietet sie auch diesen medizinischen Service an.

Laut Marie Stopes Zambia halten fehlender Zugang zu Verhütung und mangelnde Sexualaufklärung Teenager „nicht davon ab, Sex zu haben“. Die Folge sind ungewollte Schwangerschaften. Außerdem treten Komplikationen bei der Geburt häufiger bei sehr jungen Frauen auf.

Kwesi Formson, der Direktor von Marie Stopes Zambia, sagt, Komplikationen während der Schwangerschaft seien „die Haupttodesursache unter jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren“. Wenn Frauen und Mädchen Zugang zu Verhütungsmitteln hätten, sähe ihre Zukunft besser aus, argumentiert er: „Weniger Mädchen brechen die Schule ab, weniger junge Frauen sterben bei der Geburt, und mehr junge Frauen treten in den Arbeitsmarkt ein.“ Davon profitiere das gesamte Land.

Nichtsdestoweniger sehen viele Sambier es nicht gerne, wenn Nichtregierungsorganisationen Teenagern Verhütungsmittel geben. Einige Lokalpolitiker haben die Debatte darüber angeheizt. Sie behaupteten, dass westlich finanzierte Organisationen Kondome an Schulkinder verteilen. Laut der lokalen Organisation Centre for Reproductive Health stimmt das aber nicht.

Die Lehrergewerkschaft Basic Education Teachers’ Union of Zambia (BETUZ) ist ebenfalls gegen die Austeilung von Kondomen in Schulen. BETUZ-Beamte sagen, dass dadurch „Jugendliche zu Sex in sehr jungen Jahren ermutigt werden, was sie von der Schule ablenkt“. 

Edwin Mbale aus Ndola, Vater von mehreren Mädchen, meint, dass internationale Organisationen wissen müssten, dass afrikanische Kulturen Sex vor der Ehe nicht gutheißen. „Als Sambier müssen wir unseren Kindern beibringen, keusch zu bleiben“, sagt Mbale. „Dies dient nicht nur dazu, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, sondern unterbindet auch die Verbreitung von HIV/AIDS oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.“ Die Ironie dabei ist jedoch, dass Kondome nicht nur vor Schwangerschaft schützen, sondern auch HIV-Infektionen verhindern.


Humphrey Nkonde ist Journalist und Medienexperte. Er lebt in Ndola, Sambia.
[email protected]

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