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Webplattform

Menschen und Wissen vernetzen

von Lisa Feldmann

Hintergrund

energypedia ist eine interaktive Plattform, die praktische Tipps gibt, wie Energiezugang in Entwicklungsländern funktionieren kann. Ähnlich wie Wikipedia verfassen nicht Organisationen oder Firmen die Texte, sondern die Nutzer der Plattform selbst.

Wie plant man ein Kleinwasserkraftprojekt? Welche Ansätze gibt es, kleine Solaranlagen bezahlbar zu machen? Und wie können effiziente Kochherde vermarktet werden? Antworten darauf finden Nutzer auf der Internetplattform www.energypedia.info. Betrieben wird diese von einer gemeinnützigen Gesellschaft, die sich über Zuschüsse, Spenden sowie Gewinne ihrer Tochterfirma energypedia consult finanziert. Die Website beschäftigt sich mit spezifischen Fragestellungen rund um Energiezugang, erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Entwicklungsländern (siehe Box).

Wie bei Wikipedia auch, sind alle Inhalte frei zugänglich. Jeder Besucher der Plattform kann alles lesen oder herunterladen. Um selbst aktiv an den Inhalten mitzuarbeiten, muss man sich vorher anmelden. Registrierte Nutzer können neue Fachartikel schreiben oder bestehende bearbeiten sowie Dokumente hochladen und verlinken. Sie können auch Veranstaltungen im Kalender eintragen, Jobangebote posten oder mit anderen Nutzern in Kontakt treten. Es gibt außerdem die Möglichkeit, private Nachrichten an andere Nutzer zu schreiben oder Fragen an die gesamte energypedia-Community zu stellen.

2015 besuchten im Durchschnitt jeden Monat knapp 36 000 Menschen energypedia (unique visitors). Die Plattform hat über 5 000 registrierte Nutzer und verfügt inzwischen über rund 3 000 Beiträge unterschiedlichster Art. Die meisten Texte sind in Englisch verfasst, doch es gibt auch spanische und französische Beiträge, beispielsweise zu Biogasanlagen und Kochenergie.


Leicht zugängliche Inhalte

Portale für bestimmte Technologien und Themen bündeln und strukturieren die Inhalte und machen sie leichter zugänglich. So gibt es beispielsweise Portalseiten zu Solarenergie, Biogas, Windenergie, Kochenergie, Wirkungen, Finanzierung, produktiver Nutzung, nachhaltiger Mobilität sowie Energie in der Landwirtschaft. Zudem finden Besucher im Länderportal spezifische Informationen zur Energiesituation in einzelnen Ländern.

Damit Beiträge zu bestimmten Themen auch über die Portale hinaus leichter auffindbar sind, kann jeder Artikel mit verschiedenen Stichwörtern, sogenannten Categories, verschlagwortet werden. So sind beispielsweise unter dem Stichwort „Biogas“ 140 Beiträge verzeichnet, über 90 Artikel sind mit dem Schlagwort „Impacts“ versehen und das Spezialthema „Solar Pumping“ kommt immerhin auf 15 Artikel.

Neben Texten in Form von Artikeln gibt es auf energypedia auch mehrere Datenbanken. Diese strukturieren Inhalte nach festgesetzten Kriterien und ermöglichen es dem Nutzer, gezielt nach bestimmten Merkmalen zu suchen oder sich Ergebnisse sortiert anzeigen zu lassen. Je nach Datenbank beispielsweise nach Jahr, Autor, Produzent, Land, Technologie et cetera.

So finden Nutzer im Clean Energy Project Resource Center beispielsweise Dokumente zu Ausschreibungen und Beschaffungswesen, ökonomische Analysen oder auch Fallbeispiele. Die zwei dahinterstehenden Datenbanken für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz entwickelte energypedia zusammen mit dem Energy Sector Management Assistance Program (ESMAP) der Weltbank und anderen Organisationen. Weitere Datenbanken gibt es für Energie­publikationen mit Bezug zu Mosambik, kleine Solarlampen (PicoPV) und zu Wasserkraftanlagen.

energypedia ist Mitglied der Climate Knowledge Brokers Group, einem Netzwerk verschiedener Akteure, die den Zugang zu klimarelevanten Informationen verbessern möchten, beispielsweise mit Hilfe des sogenannten Climate Tagger. Er ermöglicht es Organisationen aus dem Klima- und Entwicklungsbereich, ihre Online-Daten und Informationsquellen per Linked Open Data nach einem einheitlichen Katalog zu verschlagworten und in einen gemeinsamen Informationspool einzuspeisen.

Getreu dem Wiki-Ansatz, dass die Nutzer die Inhalte generieren, gibt das Team hinter energypedia lediglich Hilfestellung an Autoren und sorgt für das technische Funktionieren der Plattform. Zudem bemüht sich das Team, die Qualität hochzuhalten und die Nutzerfreundlichkeit immer weiter zu verbessern.


Nutzerverhalten und Motivation

Dass das Angebot von energypedia gerne angenommen wird, zeigen nicht nur die steigenden Besucher- und registrierten Nutzerzahlen. Eine Umfrage im Sommer 2015 ergab, dass 87 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden mit energypedia sind und fast 60 Prozent die Plattform schon einmal weiterempfohlen haben. Knapp ein Drittel der 185 Befragten kam aus Europa und Zentralasien, ein Viertel war in Afrika und ein Fünftel in Südasien tätig. Ein Drittel der Befragten war im Privatsektor tätig, gefolgt von Beschäftigten im Regierungsbereich sowie von Nichtregierungsorganisationen.

Die meisten griffen auf energypedia zurück, um sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich erneuerbare Energien zu informieren. Knapp ein Viertel aller Befragten gab zudem an, energypedia zu nutzen, um von den Erfahrungen anderer zu lernen und so die eigene Projektarbeit zu verbessern. 20 Prozent nutzten energypedia zu Recherchezwecken.

Die Umfrage zeigte aber auch, dass über 40 Prozent der Befragten nicht wussten, wie sie einen neuen Artikel schreiben oder einen bestehenden bearbeiten können. Und dies, obwohl es einen umfassenden Hilfsbereich gibt und das energypedia-Team per E-mail, Skype oder Telefon Unterstützung anbietet. „Das war für uns ein wirklich aufschlussreiches Ergebnis der Umfrage“, sagt Ranisha Basnet, Community Managerin von energypedia. Um diese Informationslücke zu schließen, fügte energypedia auf der Startseite noch prominenter eine Box mit Link zum Hilfsbereich ein und stellte kurze Lehrvideos zur Nutzung von energypedia ein.

Der Wiki-Ansatz, dass verschiedene Menschen gemeinsam und online an Inhalten arbeiten können, ist vielen noch fremd. „Wir werden häufig gefragt, ob es denn kein Problem sei, dass Beiträge nicht nur vom Autor selbst, sondern auch von anderen Nutzern verändert werden können. Unsere Erfahrung zeigt aber im Gegenteil, dass viele Nutzer Hemmungen haben, fremde Artikel zu bearbeiten. Wir würden uns hier eigentlich mehr Aktivitäten wünschen, damit Beiträge auch aktuell und lebendig bleiben“, erklärt Ranisha Basnet. Um zu wissen, wer welche Änderungen an einem Artikel macht, können Nutzer jeden beliebigen Beitrag auf ihre Beobachtungsliste setzen. Sie werden dann automatisch über alle Aktualisierungen informiert. Basnet verweist zudem darauf, dass jede Änderung über die Historie des Artikels nachvollziehbar ist und rückgängig gemacht werden kann. Damit versucht sie, den Nutzern die Angst zu nehmen. „Das ist das Gute an einem Wiki“, lacht sie, „man kann viel ausprobieren und braucht keine Angst zu haben, etwas zu zerstören.“


Lisa Feldmann ist Communication Manager bei energypedia.
[email protected]
http://www.energypedia.info
http://www.climateknowledgebrokers.net/

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